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Gehaltsaffäre um Leiterin der Duisburger Behindertenwerkstatt
Staatsanwaltschaft ermittelt

Gehaltsaffäre um Leiterin der Duisburger Behindertenwerkstatt: Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat Ermittlungen aufgenommen. FOTO: Justiz Nordrhein-Westfalen
Duisburg. Nach Informationen des investigativen Journalistennetzwerkes "CORRECTIV" ermittelt die Duisburger Staatsanwaltschaft jetzt offiziell gegen die ehemalige Geschäftsführerin der Duisburger Werkstatt für behinderte Menschen (wfbm), Roselyne Rogg, wegen Untreue. Auch gegen den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Spaniel wird wegen des gleichen Deliktes ermittelt. Von der Redaktion

CORRECTIV: "Dabei geht es um das Gehalt, das Rogg seit Jahren in einer für die Position außergewöhnlicher Höhe bezog. Zuletzt lag die aus Vergütung, Altersversorgungsbeitrag und Tantieme addierte Gehaltssumme bei 376 000 Euro jährlich. Dabei ist die Gehaltszahlung bei einem gemeinnützigen Unternehmen wie die Duisburger Behindertenwerkstatt per Gesetz, aber auch über die eigene Satzung begrenzt."

Das Journalistennetzwerk "Correctiv" habe den Vorgang Ende vergangenen Jahres mit einem Bericht am 12. Dezember aufgedeckt. Die erste Anfrage zu dem Komplex habe CORRECTIV bereits am 20. September letzten Jahres an die Stadtspitze gerichtet. Doch erst ein halbes Jahr nach dieser ersten Information, Ende März 2018, habe die Stadt begonnen, die Gehaltszahlung mit der Vergabe eines Gutachtens zu überprüfen.

"In der Folge hat der Aufsichtsrat der Duisburger Werkstatt für behinderte Menschen Roselyne Rogg vor einer Woche fristlos entlassen. Sie wurde gleichzeitig aufgefordert, Schlüssel, Diensthandy und Dienstwagen sofort abzugeben. Der Aufsichtsrat warf der Geschäftsführerin indirekt vor, ihn schon 2013 nach einer Vertragsverlängerung gezielt hintergangen zu haben. Dem Gremium sei damals zwar die Vertragsverlängerung vorgelegt worden, nicht aber die Vereinbarung, die Rogg offenbar alleine mit dem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Spaniel über ein höheres Gehalt ausgehandelt hatte", weiß Correctiv zu berichten.

Nach Durchsicht und Prüfung verschiedener Gutachten zur Verhältnismäßigkeit der Gehaltszahlungen, die die ehemalige Geschäftsführerin bezogen habe, lägen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zureichende tatsächliche Anhaltspunkte vor, die den Anfangsverdacht einer Untreue gegen beide Beschuldigte begründeten, wird die Anklagebehörde, vertreten durch Jennifer König, zitiert. Die Ermittlungen stünden aber noch am Anfang.

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Werkstatt für behinderte Menschen, Thomas Krützberg, erklärte, dass sachliche Gründe für die Trennung dieser beiden eng miteinander verknüpften Vorgänge nicht ersichtlich seien, so dass der Aufsichtsrat von einem ganz bewussten Verstoß gegen die Statuten der wfbm ausgehen müsse. Die Stadt prüfe auch die Einleitung von Schadenersatzforderungen.

"Inzwischen hat sich auch die Kommunalaufsicht der Düsseldorfer Bezirksregierung eingeschaltet. Sie hat bei der Stadt Duisburg Unterlagen zu dem Fall angefordert", berichtet Correctiv.