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Felix Wiedwald über Duisburg, Konkurrenzkampf und Fußball auf der Insel
Der Rückkehrer

MSV-Trainingslager in Almancil: Der MSV an der Algarve
MSV-Trainingslager in Almancil: Der MSV an der Algarve
Almancil. Felix Wiedwald ist die neue Nummer eins im Tor des MSV Duisburg. Das Ex-Zebra mit Bundesliga- und Championship-Erfahrung will in den kommenden Monaten den Zebra-Kasten vernageln. Im Trainingslager in Portugal berichtet der 28-Jährige über die Rückkehr an die Wedau, das Verhältnis zu seinen Torwart-Kollegen und den großen Traum Premier League. Von Steffen Penzel

Für Romantik und große Heimatgefühle ist im Profifußball heutzutage wenig Platz. Trotzdem fühlte es sich für Felix Wiedwald ein bisschen wie nach Hause kommen an, als er im Dezember nach fünf Jahren zurück an der Westender Straße war. "In Duisburg hat meine Profi-Karriere quasi erst richtig begonnen und Fahrt aufgenommen. Danach ging es für mich stetig nach oben. Viel hat sich hier in Duisburg nicht verändert und ich kenne mich ja noch gut aus." In Bremen, Frankfurt und bei Leeds United hat Wiedwalds Karriere in den vergangenen Jahren Tempo aufgenommen. Und auch wenn er sich in Frankfurt nicht durchsetzen und nun bei seinem Ex-Club Spielpraxis sammeln und einen neuen Anlauf nehmen muss - Wiedwald glaubt weiter an seinen großen Durchbruch und freut sich auf die Herausforderung Klassenerhalt: "Ich hätte mich ja auch in Frankfurt auf der Bank ausruhen können. Aber ich habe schon einen gewissen Anspruch an mich selber, will wieder viel spielen und mich zeigen. Und ich freue mich einfach, hier jetzt helfen zu dürfen."

Dass es als Torwart ganz schnell bergauf und bergab gehen kann, daran hat sich der Familienvater schon längst gewöhnt. Als er im Sommer vom Anwärter auf die Stammtorhüter-Position Kevin Trapp vor die Nase gesetzt bekam und sich auf einmal auf der Tribüne statt im Kasten wiederfand, war er natürlich auch erstmal konsterniert. Trotz der harten Degradierung vor dem Saisonstart bei der Eintracht - hadern will er damit beileibe nicht. Und man wisse ja, worauf man sich einlasse. "Es gibt halt nur eine Position für Torwarte. Und ja klar, ich wollte in Frankfurt natürlich im Tor stehen. Ich will immer im Tor stehen." Wie die Situation  in einem halben Jahr bei der Eintracht sei - darüber will er jetzt noch gar nicht spekulieren. "Ich habe schon so viel in diesem Geschäft mitbekommen. Das ist alles so schnelllebig. Ich bin im Hier und Jetzt und will dem MSV helfen, wieder mehr Stabilität zu erlangen und die Klasse zu halten. Alles andere ist egal."

So, wie es Wiedwald in Frankfurt und auch bei Leeds United ging, so geht es aktuell Daniel Mesenhöler beim MSV. Der Sommerneuzgang ist nun nur noch Nummer zwei an der Wedau und nach der Wiedwald-Leihe seinen Job als Stammtorwart vorerst los. Groll habe er bei seinem Kollegen aber nicht gespürt. "Wir haben ein gutes Verhältnis. Wir flachsen viel und helfen uns gegenseitig. Wir sind alle professionell genug, damit vernünftig umzugehen. Jeder kämpft für seinen Platz und trainiert hart, um sich anzubieten. Am Ende geht es doch um die Sache und nicht um Einzelpersonen."  

An seine Zeit in England denkt er gerne zurück. "Wir haben da sehr gerne gelebt. Leeds ist eine wirklich schöne Stadt." Angetan war er auch von der Stimmung in den Stadien. "In Leeds war das Stadion fast immer voll. Und in England macht das ganze Stadion Stimmung, nicht nur eine Kurve." Wiedwald macht auch keinen Hehl daraus, dass er gerne nochmal auf die Insel zurückkehren würde - am besten dann in die höchste Liga. "Das Fußballspiel auf der Insel ist ein ganz anderes. Viel mehr Spielfluß, viel weniger Theatralik. Die Premier League ist eine der besten Ligen. Und jeder wünscht sich doch, da einmal zu landen. Das ist auch mein Ziel."