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Wohin geht die Reise?

Wohin geht die Reise?
Der VfB Homberg mit seinem Trainer Achim Schürmann steht aktuell auf dem 8. Platz in der Regionalliga. FOTO: Nagraszus
Duisburg. Seit zwei Jahren ist Bülent Aksen Sportlicher Leiter bei den Handballern des VfB Homberg. Zwei Jahre, in denen er Strukturen professionalisiert und ein schlagkräftiges Team geformt hat. Platz acht in der Regionalliga für das Aushängeschild, die 1. Mannschaft der Herren, und eine emsige, gut aufgestellte und eigenverantwortliche Abteilung machen den umtriebigen Aksen aber trotzdem nicht nachhaltig zufrieden. Von Steffen Penzel

Der Derbyauftritt seiner Homberger beim MTV Rheinwacht Dinslaken Ende Oktober hat Bülent Aksen imponiert - in mehrerlei Hinsicht. Ein starker Liga-Neuling, eine starke Homberger Truppe, eine bis unters Dach besetzte Douvermannhalle, tolle Stimmung auf den Rängen und ein hochklassiges Spiel, das bis zum Schluss auf des Messers Schneide stand.

"Das Spiel hat mich begeistert", so Aksen. Aber er hätte gerne mehrere solcher Spiele. Vor allen Dingen auch öfter in eigener Halle. Und, ganz ehrlich, auf Sicht würde er seine Farben gerne zumindest im oberen Drittel der Regionalliga platziert sehen. "Bis zum Winter", hofft der ehemalige OSC-Torwart, "haben wir hoffentlich wieder Kontakt zu den oberen Plätzen." Dafür dürfen sich die Schwarz-Gelben in den verbleibenden vier Spielen aber nicht so präsentieren wie in Köln, wo es gegen einen Konkurrenten auf Augenhöhe mit 17:28 ganz übel einen aufs Dach gab.

Bülent Aksens Blick geht aber über die aktuelle Saison hinaus. Vor zwei Jahren hatte ihn VfB-Handballobmann Patt Boermann überzeugt, die Zügel beim VfB in die Hand zu nehmen. Das erste Jahr sei "wild" gewesen. "Wir mussten Struktur reinbringen", sagt auch Boermann. Jetzt steht die Struktur. Und jetzt will Bülent Aksen mehr. Schließlich sei sein Duisburg eine Handballstadt. Handball mit seiner allürenfreien Malocher-Mentalität passe hier gut rein, findet er. Die vollen Tribünen an der Krefelder Straße zu Bundesliga- und Zweitligazeiten hat er nicht vergessen. Aber davon ist heute weder in Homberg noch in Rheinhausen irgendetwas zu sehen. Wenn 200 zahlende Besucher zu den VfB-Heimspielen kommen, ist das Team um Abteilungs-Geschäftsführer Günter Denzig schon sehr zufrieden. "Aber wir hoffen natürlich immer auf einen Schwung nach oben", so Denzig.

Nach oben wollte Bülent Aksen auch die Sponsoreneinnahmen pushen. Das ist ihm in gewissem Rahmen auch gelungen. Die Unterstützertafel ist gut gefüllt, die Trikotsponsoren stehen Gewehr bei Fuß und die Werbepartner-Broschüre ist gestaltet und gedruckt. Mit den Sponsorengeldern kann der VfB den Status Quo vernünftig halten - mehr aber auch nicht. Zuletzt hat der erst im Januar engagierte Fynn Holpert, der Aksen bei der Sponsoren-Akquise unter die Arme greifen sollte, das Handtuch geworfen. "Duisburg", so Holpert, "ist ein ganz schwierig zu bearbeitender Sponsorenmarkt." Das weiß auch Bülent Aksen. Aber der will nicht nur in der Regionalliga oben angreifen, der würde am liebsten wieder Zweit- oder Bundesliga-Handball in einer Duisburger Handball-Arena mit vollen Rängen sehen. Um da jedoch hinzukommen, braucht es Handballbegeisterung, viel Unterstützung aus der Stadt und vor allen Dingen viel mehr Sponsoreneinnahmen. "Mit den aktuellen Einnahmen brauchen wir über einen Aufstieg nicht nachdenken."

Aksen lässt durchblicken, dass er unter den Voraussetzungen vermutlich nicht mehr lange an Bord ist. Und auch einem Spitzentrainer wie Achim Schürmann sei das auf Dauer nur schwer zu vermitteln, so Aksen. Die Saison will er "noch vernünftig zu Ende bringen". Und auch abwarten, ob und was die Handball-WM in Deutschland Anfang des kommenden Jahres an Begeisterung entfacht. Bleibt der erhoffte Schub aus, und tut sich auch nichts Größeres an der Sponsorenfront, wird Aksen mit seiner Agentur BA coaching, die auch gleichzeitig Hauptsponsor beim VfB ist, weiter ziehen. "Dann bleiben wir eben ein sehr gut aufgestellter Breitensportverein, das ist dann auch vollkommen in Ordnung."

(Niederrhein Verlag GmbH)