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Gekommen, um zu bleiben?
Der Wolf erkundet NRW

Gekommen, um zu bleiben?: Der Wolf erkundet NRW
Der Wolf schaut sich mal um, bei uns in Nordrhein-Westfalen. FOTO: NABU
Duisburg. Füchse im Duisburger Stadtbild erstaunen den, der sie in freier Wildbahn zu Gesicht bekommt. Aber Wölfe kennt man in Duisburg bisher nur aus dem Zoo. Das könnte sich in naher Zukunft ändern. Von Thorsten Vermathen

Bis Ende Mai 2017 wurde in NRW laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) bereits achtzehn Mal der Wolf nachgewiesen – zuletzt aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein bei Bad Berleburg (Luftlinie nach Duisburg 120 km) und zuvor im April 2016 bei Hamminkeln im Kreis Wesel (Luftlinie nach Duisburg 40 km). Das heißt aber nicht, dass sich achtzehn Wölfe dauerhaft in NRW aufhalten. Bisher handelt es sich um durchziehende Einzeltiere und noch nicht um sesshafte Wölfe", bemerkt der NABU Fachausschuss Wolf in NRW.

Nicht nur rein theoretisch sondern auch ganz praktisch wäre es für einen auf der Wanderung befindlichen Wolf also möglich, auch mal einen kurzen Abstecher nach Duisburg zu machen. Dass er hier sesshaft werden, gar eine Partnerin finden und ein eigenes Rudel entstehen würde, gilt aber eher als unwahrscheinlich. Zu wenig Wildtierbestand und zu wenig Rückzugsmöglichkeiten sprechen gegen ein Revier. Laut NABU gelten der Teutoburger Wald, die Senne, das Sauerland, das Siegerland und die Eifel mit hohen Wildtierbeständen und genügend Rückzugsmöglichkeiten als Wolfserwartungsgebiete in NRW. Duisburg und die nähere Umgebung zählen eher nicht dazu.

Wenn der Wolf in NRW wieder sesshaft werden sollte, unterliegt er internationalen und nationalen Schutzvorschriften, darunter dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen oder der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Wolf seit der Wiedervereinigung eine streng geschützte Tierart.

Jedoch scheinen alte Ängste vom "bösen" Wolf immer noch präsent. So kommen einige Wölfe in Deutschland jedes Jahr nicht nur durch Verkehrsunfälle, sondern oftmals auch durch illegale Jagd zu Tode. 24 Fälle sind seit dem Jahr 2000 bekannt. Jüngst gab es einen Fall in Baden-Württemberg. Bei der Autopsie des toten Wolfes aus dem Schluchsee, wurde eindeutig eine Schussverletzung als Todesursache nachgewiesen. "Die Ausbreitung des Wolfes in Deutschland verläuft derzeit also nicht ohne Konflikte. Diese Entwicklung wird sich weiter verschärfen", so der Deutsche Jagdverband in einem "Positionspapier Wolf" (2015). Man müsse aufklären. "Der Wolf darf weder verharmlost, noch verteufelt werden".

In diesem Zusammenhang gibt auch der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen deutlich zu verstehen, dass es keine Forderung sei, den Wolf ins Jagdrecht zu überführen. "Vielmehr seien Probleme mit Wölfen ordnungsrechtliche Probleme und müssten auch ordnungsrechtlich behandelt werden", so Pressesprecher Andreas Schneider.
Der Mensch passt nicht in das Beuteschema des Wolfes. Ihm gegenüber ist er eher skeptisch. Nutztiere wie Schafe, Ziegen oder Hühner können aber sehr wohl als "Ersatzbeute" für Wildtiere gerissen werden. Hierfür muss Vorsorge getroffen und Förderung/Entschädigung aus Bundesmitteln bereitgestellt werden. Monitoring und Management müssen darüber hinaus für Informationen über die Population und die Zuständigkeiten und Hilfen sorgen.

Mehr zum Thema online: www.nrw-wolf.de und www.nabu.de

Hier ein Video mit den wichtigsten Fragen und Antworten: https://youtu.be/c_qLbZI-Y2A