| 16.51 Uhr

Neu-Duisburger Klaus Allofs beim 39. Landhaustreff
Wohlfühlen und genießen

Neu-Duisburger Klaus Allofs beim 39. Landhaustreff: Wohlfühlen und genießen
Feiner Mensch und kühler Geschäftsmann: Klaus Allofs im Talk mit Manni "Männergrippe" Breuckmann FOTO: Thomas Warnecke
Huckingen. Ein Neu-Duisburger wurde beim 39. Landhaustreff begrüßt: Klaus Allofs wohnt mittlerweile mit seiner Frau im Innenhafen. "Wir fühlen uns sehr wohl hier", verriet der Meisterspieler und -manager, der vom guten Leben mindestens so viel versteht wie von gutem Fußball – weil's praktisch aufs Gleiche hinausläuft. Von Thomas Warnecke

Das kann Allofs sogar belegen. Mit Thomas Schaaf steht er für eine der letzten nichtbayerischen Erfolgsgeschichten der Bundesliga. "Da konnte man Jahr für Jahr sagen, Werder hat wieder einen an der Hand, den sonst keiner aufm Zettel hatte", erinnert sich Manni Breuckmann, doch Allofs weiß es genauer: "Wir waren ja keine Trüffelschweine damals", und etwa Johan Micoud auch vor seiner Zeit in Bremen kein Unbekannter, sondern: "Wichtig war, dass der Spieler zu uns gepasst hat und dass wir dem Spieler ein passendes Umfeld geschaffen haben." Beispiel Ailton: "Der war eigentlich schon aussortiert, doch dann kamen mit Julio Cesar und Pizarro zwei weitere Südamerikaner, plötzlich gab's für ihn ein Umfeld." Und mit Ailton geschah, was Allofs als Erfolgsgrund der Zeit bei Werder Bremen sieht: "Wir haben eigentlich jeden Spieler besser gemacht." Und verglichen mit dem, was heute so abgeht – Dembélé, Aubameyang ... – "war Ailton wirklich pflegeleicht".

Pflegeleicht ist auch Klaus Allofs. Ganz feiner Mensch, der der "halbe Franzose" ist, lässt er sich weder mit Frotzeleien über seinen einstigen Wechsel als Spieler von Düsseldorf nach Köln – "Ich dachte, ich bin vielleicht ein Botschafter ..." – noch von Breuckmanns mehrfachen Anspielungen auf das fürstliche Gehalt, mit dem ihn der VfL Wolfsburg holte (und das er weiterhin bezieht), aus der Ruhe bringen: "Ich denke, die haben ihr Geld gut investiert."

Manni Breuckmann ist etwas angeschlagen in den Talk gegangen, "Männergrippe", und vermutlich vom vielen Tee statt Bier so aufgekratzt, dass er es lieber mit Untenrum-Peinlichkeiten versucht als mit Pässen in die Tiefe. So geht fast unter, dass das Bild des kühlen Geschäftsmannes Allofs vom gegenwärtigen und auch zukünftigen Profifußball ein ziemlich düster-pessimistisches ist. Vereine seien gegenüber Profis wie Aubameyang mittlerweile ziemlich machtlos, weil von den anderen Clubs keine Solidarität zu erwarten sei: "Wenn es kein Arsenal gäbe, das Interesse zeigt ..." – Breuckmann: "Wovon träumst Du denn?" Und Meister, da sieht Allofs schwarz, wird wohl auf Jahre hinaus nur der FC Bayern München: "Man kämpft ja nicht nur gegen eine Top-Organisation an. München hat immer alle Trümpfe auf seiner Seite." Mehr Geld, das Umfeld, die verlässlichen Erfolge ... Ein 7:1, wie es Allofs mit Fortuna 1978 gegen die Bayern gelang, wird wohl nicht mehr so schnell vorkommen. Auch die möglicherweise von der EU erzwungene Abschaffung der 50+1-Regel werde daran nichts ändern: "Die Infrastruktur der Bayern wird von Investoren nicht geschaffen werden."

Dass er es trotzdem noch einmal wissen will im Profifußballgeschäft, kann Allofs nicht ausschließen. "Aber im Moment ist es nicht so, dass ich in die Tischkante beiße, weil keine Angebote reinkommen. Und wenn dann wieder irgendwo ein Manager entlassen wird, ist man ja automatisch drin in der Verlosung." Bis dahin genießt er es, nicht mehr von vorgegebenen Abläufen bestimmt zu sein, viel zu reisen und Zeit für seine Frau zu haben – und für seine neue Heimatstadt: "Duisburg hat eine Menge zu bieten und muss sich nicht verstecken", findet Allofs, der mittlerweile häufiger die Erfahrung gemacht hat, dass Leute ihn auf so eine ganz bestimmte Art fragen: "Du wohnst in Duisburg?" Da habe die Stadt ein Imageproblem. Vielleicht sollte Oberbürgermeister Sören Link, der am Montagabend ebenfalls beim Landhaustreff zugegen war, das Neubürgerheft persönlich bei Allofs vorbeibringen ...

Die Küche im Landhaus Milser hat jedenfalls das ihre getan, um den Neubürger angemessen willkommen zu heißen. Eine deliziöse Vorspeisenkombination aus Tintenfisch, Angusfilet und Crevettencocktail, zum Hauptgang superzartes Lamm in Barolosauce, und vorm schwarz-weißen Schoko-Mousse gab's für den gebürtigen Düsseldorfer noch etwas Herrensitzungs-Feeling mit Kai Magnus Sting, der sich wie das HB-Männchen über jüngere Ärzte aufregte und darüber, dass man ja nirgendwo mehr "eine einfache Tasse Kaffee" bekomme. So hat Allofs auch das alte Duisburg kennengelernt.

(Niederrhein Verlag GmbH)