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Lindner legte lautstark los

Lindner legte lautstark los
Benjamin Eisenberg, Antonio Pelle, Christian Lindner, Rolf Milser und Manni Breuckmann (v.l.) FOTO: tw
Huckingen. Christian Lindner ist gerade zum doppelten Spitzenkandidaten der FDP für die kommenden Wahlen in Land und Bund nominiert worden. Ein paar Tage vorher, beim 35. Landhaustreff im Hotel Milser, hat er sich schon mal warmgelaufen. Von Thomas Warnecke

Moderator Manni Breuckmann war groß in Form. Nach dem Meer-Festland-Duett von Riesengarnelen in Sesamkruste und Carpaccio Cipriani wollte Lindner mit Allgemeinplätzen und alten Hüten lautstark erklären, "warum wir freie Demokraten brauchen", da bremste ihn der alte Reporterhase sauber aus: "Sie kennen das alte Spiel: 'Ich frage, Du antwortest'." Lindner wird das gesamte Gespräch über immer wieder versuchen, auf ihm liebe Wahlkampfthemen zu kommen; Breuckmann wird ihn immer wieder einfangen. Etwa beim Thema Mindestlohn, wo Lindner schließlich zugeben muss: "Diese Schlacht ist längst geschlagen."

Tatsächlich gab es Dringendes zu bereden; in der Nacht vorm Landhaustreff war Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA gewählt worden. "Klar mache ich mir Sorgen", sagt Lindner. Ein US-Präsident verfüge über große exekutive Macht; Trump könnte mit einer Unterschrift den Freihandel aussetzen. "Seine Zusagen an die Stahlarbeiter sind da absolut protektionistisch", so Lindner, "denn diese Menschen leben im Alltag von billigen Importprodukten." Dass ein Rassist, Frauenfeind und Lügner überhaupt gewählt werden konnte, liegt für Lindner daran, dass die Gesellschaft polarisiert ist. Die weiße Unterschicht fühle sich bedroht, hasse das Establishment und habe deshalb Trump nach dem Motto "der Feind meines Feindes ist mein Freund" gewählt.

Welche Auswirkungen das auf Deutschland und die Rechtspopulisten hier habe, wollte Breuckmann wissen. Bei der AfD gäbe es, so Lindner, neben dem "völkischen Blut-und-Bodensatz, den notorischen Leserbriefschreibern, Kleinparteigründern und Falschparkeraufschreibern" auch Leute, die für Argumente zugänglich sind. Die müsse man erreichen.

Um Persönliches ging's dann auch noch. Der 37- zum 65-Jährigen: "Sie könnten mein Vater sein." Darauf Breuckmann: "Dann wären Sie heute Ortsvereinsvorsitzender." Seine Ämter habe er "nicht kampflos" bekommen, so Lindner, aber "wir sind ja nicht im Mädchenpensionat", das sei schließlich Politik: "Wettbewerb um Macht." Wobei ihn auch motiviert habe, die von ihm bevorzugten Sportwagen der Preisklasse Porsche 911 "volltanken zu können und niemandem danke sagen zu müssen." Heute habe er eine 90-Stunden-Woche, verteilt auf sechseinhalb Tage. "Ich habe mit meiner Frau vereinbart, dass ich das vier Jahre mache, dann will ich den normalen Spitzenpolitiker-Tagesablauf haben." Der sei nämlich kürzer, denn er, Lindner, müsse sich ja viel mehr um Aufmerksamkeit bemühen als die Spitzen der im Bundestag vertretenen Parteien.

Nach dem Hauptgang mit Filet vom irischen Weideochsen mit Steinpilzen und Kartoffeltörtchen im Speckmantel gab's dann politisches Kabarett von Benjamin Eisenberg, der den Talkgast aber schonte und sogar Lindners Absage an Rot-Gelb-Grün in NRW aufnahm: "Finde ich richtig, das auszuschließen. Eine Ampel funktioniert ja nicht, wenn alle drei Farben gleichzeitig leuchten."

(Niederrhein Verlag GmbH)