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Thyssenkrupp teilt sich auf

Thyssenkrupp teilt sich auf
„Ohne Angst und Träumerei“, so TK-Chef Guido Kerkhoff, wurde nach einer Lösung für den Konzern gesucht, die in der Zweiteilung gefunden scheint. Aber, so Kerkhoff: „Beide Unternehmen bleiben ’Thyssenkrupp‘.“ FOTO: tw/Archiv
Düsseldorf/Duisburg. Die Thyssenkrupp AG wird in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen zerlegt. Damit reagiert der Konzern auf Druck der Investoren. Technologie- und Materialsparte sollen sich getrennt besser entwickeln. Von Thomas Warnecke

Der Aufsichtsrat hat am Sonntag einstimmig dem Vorschlag des Vorstands zugestimmt. Demnach sollen die Industriegüter- und die Werkstoffgeschäfte künftig jeweils als eigenständige, börsennotierte Gesellschaften mit direktem Kapitalmarktzugang geführt werden.

Investoren hatten schon seit Monaten einen radikalen Konzernumbau gefordert. Die schwedische Investmentgesellschaft Cevian, nach der Krupp-Stiftung zweitgrößter Aktionär, hatte von unzureichender Marge und überwuchernder Verwaltung gesprochen.

Nach dem jetzt beschlossenen Teilungsplan soll "Thyssenkrupp Industrials" als reines Industriegüterunternehmen aus drei Einheiten bestehen: dem Aufzuggeschäft, dem Automobilzulieferergeschäft und Anlagenbau.

Der andere Teil, "Thyssenkrupp Materials", wird aus dem Werkstoffhandel Materials Services, dem 50-Prozent-Anteil an dem künftigen Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel, den Großwälzlagern, dem Schmiedegeschäft sowie dem Marinegeschäft bestehen. Damit entstehe ein Werkstoffkonzern, der die Stahl- und Edelstahlproduktion, den Materialhandel sowie die stahlnahe Weiterverarbeitung vereint, über eine führende Marktposition in Europa verfügt und aus einer Position der Stärke heraus auch Konsolidierungschancen nutzen kann, so die Unternehmensmitteilung.

Umgerechnet aufs Geschäftsjahr 2016/17 würde Thyssenkrupp Industrials mit rund 90.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 16 Milliarden Euro erwirtschaften; Thyssenkrupp Materials käme mit knapp 40.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von etwa 18 Milliarden Euro.

Guido Kerkhoff, Vorstandsvorsitzender der Thyssenkrupp AG, sprach von zwei eigenständigen Unternehmen "mit gemeinsamer DNA" und erklärte: "Unser Antrieb ist vor allem der unbedingte Wille zur Technologieführerschaft. Mit unseren Mitarbeitern verantwortungsvoll umzugehen, ist Kern unserer Kultur. Wir stehen zur Sozialpartnerschaft und zum Standort Nordrhein-Westfalen. Daran wird sich nichts ändern."

Kerkhoff erhält einen neuen Fünfjahresvertrag und wird damit dauerhaft als Vorstandsvorsitzender die Führung des Konzerns übernehmen. Personalvorstand Oliver Burkhard, ebenfalls bis 2023 im Amt bestätigt, erklärte, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Der Teilungsprozess soll etwa zwölf bis 18 Monate in Anspruch nehmen. In dieser Zeit wird dann auch geklärt, welche Duisburger Abteilungen künftig welcher Sparte angehören werden.

(Niederrhein Verlag GmbH)