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Stippvisite im Brennpunkt

Stippvisite im Brennpunkt
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender, eingerahmt von (v.l.) Minister Joachim Stamp, „Melisam Gelinlik Brautmoden“-Geschäftsführer Tercan Küccük und Oberbürgermeister Sören Link. FOTO: tw
Marxloh. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier holt gerade seinen Antrittsbesuch in NRW nach. Mit seiner Frau Elke Büdenbender war er heute Vormittag in Duisburg-Marxloh, sah eine Grundschule, eine Problemimmobilie und Brautkleider. Von Thomas Warnecke

Eine Stunde vor Ankunft des präsidialen Trosses ist Marxloh eine verkehrsberuhigte Zone, während sich drumherum wegen der vielen Absperrungen die Autos stauen. Die eigentliche Tour, die Steinmeier zu Fuß absolviert, ist kurz: Von der katholischen Grundschule an der Henriettenstraße ein paar Häuser weiter zur versiegelten „Schrottimmobilie“ und auf die Kaiser-Wilhelm-Straße zum Brautmodengeschäft und zum Pressegespräch wieder zurück in die Schule. Zwei Stunden zwanzig, dann geht’s weiter nach Dortmund.

Oberbürgermeister Sören Link hätte dem Bundespräsidenten gerne etwas anderes gezeigt, wie er diversen Medien vorab zu verstehen gab; den Innenhafen oder den Sportpark Wedau vielleicht. Stattdessen erklären jetzt Polizeipräsidentin Elke Bartels und die ehemalige Sicherheitsdezernentin Daniela Lesmeister vor einem versiegelten Mehrparteienhaus die Arbeit der Task-Force Problemimmobilien.

Vor dem Problemhaus Henriettenstraße 13 wartet auch Hildegard Brombach auf den Bundespräsidenten. Sagen will sie ihm aber nichts, und sie erwartet sich auch nichts vom hohen Besuch hier: „Ach, der muss sich ja mal blicken lassen.“ Sie selbst wohnt gegenüber. „Da wird’s in einem Jahr genauso weit sein.“ Zwei Wohnungen seien von Osteuropäern bezogen, die Vermüllung nehme zu, der Vermieter lasse sich nicht blicken. Henriette Brombach zieht demnächst weg: nach Laar.

Vorm Brautmodengeschäft gibt’s einen Zwischenfall. Ein Mann ruft „Mörder und Faschisten!“, wird von der Polizei überwältigt und fordert, bevor er abgeführt wird, Solidarität mit den Kurden und einen Stopp deutscher Waffenlieferungen an die Türkei.

Die schönen Ecken Duisburgs kenne er schon, erklärt Steinmeier zum Abschluss des Besuchs. Jetzt wollte er die sozialen Baustellen sehen und wie Integration gelingt. Verheißungsvoller Auftakt: Das vielsprachige Guten-Morgen-Lied der Grundschüler.

(Niederrhein Verlag GmbH)