| 16.52 Uhr

Duisburger Jahrbuch 2018
Keine ist, alle sind wie DU

Duisburger Jahrbuch 2018: Keine ist, alle sind wie DU
Diese Ansicht wird man so in 2018 möglicherweise schon nicht mehr fotografieren können ... FOTO: Susanne Nagels
Ruhrort. Es ist schon ein kleines Ereignis, wenn zum Ende des Herbstes das neue Duisburger Jahrbuch vorgestellt wird. Das 26. ist es 2018, und erstmals fand die Präsentation in Ruhrort statt – in der Horst-Schimanski-Gasse. Von Thomas Warnecke

Womit sich für Jutta Nagels ein Kreis schließt: Im allerersten Jahrbuch 1993 befasste sich bereits ein Artikel mit Schimmi. Auch sonst gibt es auf den diesmal 176 farbigen Seiten jede Menge Hafenstadtteil(romantik): Stadtarchivar Andreas Pilger liefert den zweiten Teil seiner Geschichte der Ruhrorter Hafenkneipen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nach – an dieser Stelle bitten wir schon mal dringend um Fortführung mindestens bis in die goldenen 60er ("Tante Olga"!). Olaf Reifegerste würdigt das Zehnjährige der "kreativen Keimzelle" Lokal Harmonie, ein Porträt erinnert an den 150. Todestag Franz Haniels.

Nicht deshalb aber fand die Vorstellung des Jahrbuchs in Ruhrort statt, sondern weil der Mercator-Verlag inklusive kleinem, aber feinem Buchladen hierher gezogen ist, Postadresse Dammstraße 25, aber der Eingang liegt in der Schimmigasse.

Von wo aus Susanne Nagels, die Schwester der Geschäftsführerin und eine von zwei Verlagsmitarbeiterinnen, das "Aufmacherbild" gemacht hat (unsere Abbildung). Was schon deshalb ins Jahrbuch 2018 gehört, weil es die freie Sicht auf Rheinorange, wenn Duisport die geplante Halle 2 auf die Mercatorinsel setzt, nicht mehr geben wird.

Naturgemäß wird auch sonst viel zurückgeblickt: auf die belgische Besatzung in Homberg, zehn Jahre Schicht im Schacht in Walsum, 111 Jahre Hamborn 07, 60 Jahre Klaus Grospietsch, 160 Jahre Kö-Pi und die tolle Zeit mit GMD Giordano Bellincampi ... Aber z.B. Olaf Reifegerste versucht auch den Blick nach vorn und hat einige Akteure befragt, was denn aus dem jetzt beschlossenen Kulturentwicklungsplan wird.

Das Jahrbuch ist nicht (nur) Fremdenverkehrswerbung, keine Touristenbroschüre und auch kein seichter Identitätsstifter. Die Reichsprogromnacht, als Duisburger vor 80 Jahren die Synagogen in der Stadtmitte und in Ruhrort anzündeten, kommt ebenso vor wie "das rote Hamborn", auf das man stolz sein könnte und teilweise ja auch ist – doch Anne Ley-Schalles zeigt in ihrem Beitrag auch, woran der politische Widerstand letztlich gescheitert ist: am übermächtigen NS-Staat, aber auch an der Zersplitterung der Widerstandsgruppen, insbesondere der tiefen Spaltung von KPD und SPD.

Helmut Loeven würdigt die Arbeit des nach 30 Jahren in seiner Gründungsstadt immer noch viel zu wenig beachteten Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung. Dessen immerwährender Kalender trägt ein Motto, das auch auf Duisburg passt, wie es sich im Jahrbuch 2018 darstellt: "Jeder ist wie keiner, alle sind wie Du." Loeven: "Gleichheit bewahren und Differenz ertragen sind Elemente eines menschenwürdigen Lebens."

Das Duisburger Jahrbuch 2018, erschienen im Mercator Verlag, hat 176 Seiten, kostet 14,90 Euro und ist im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

(Niederrhein Verlag GmbH)