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Festival der Artenvielfalt
Platzhirsch im Unterholz

Festival der Artenvielfalt: Platzhirsch im Unterholz
Abi Wade FOTO: Veranstalter
Duisburg. Der Platzhirsch diesmal ohne Dellplatz – für Open Air ist es schlichtweg zu kalt. Einmalig, so versichern die Veranstalter, findet das Festival dieses Jahr im Spätherbst statt, am Freitag und Samstag, 23. und 24. November – dafür mit mehr Spielstätten als bisher. Von Thomas Warnecke

Und die Locations rund um den Dellplatz sind natürlich auch wieder dabei. Allen voran die Kirche St. Joseph, die recht eigentlich erst durchs Platzhirsch-Festival als Kultur- und Musikspielstätte entdeckt wurde. Philippe Micol, Paul Hubweber und Martin Theurer machen hier am Freitag um 18 Uhr den Auftakt mit improvisierter Musik, das Stefan Keune Quartett legt mit Free Jazz in der Kathedralenakustik nach. Um 21.30 Uhr bringt die Britin Abi Wade, sich selbst auf dem Cello begleitend, sensible Songs zu Gehör. Ein Höhepunkt dürfte anschließend der Aufritt des belgischen Echo Collectve werden, das auf seiner Tour immerhin auch in der Elbphilharmonie zu Gast ist. Die Formation interpretiert mit klassischen Instrumenten das legendäre Album "Amnesiac" von Radiohead. Am Samstag trifft nach dem Blockflötenorchester die Amsterdamer Blockfötistin Josephine Bode, diesjährige Residenzkünstlerin des Moers-Festivals, auf die australische Weltklasse-Posaunistin Shannon Barnet – ein Duo, das nur auf dem Platzhirsch-Festival zu erleben ist. "Wir haben dieses Jahr viele Frauen", wird René Schwenk vom Veranstalter-Team zitiert. Im Kirchenkeller gibt es "Das unterirdisches Meer" und "Lieblingslieder für Holzköpfe", und weil's aufm Dellplatz zu kalt ist, trifft sich der Frühstücksmob am Samstagmorgen im Gemeindehaus, Goldstraße 28.

Von Anfang an war der Platzhirsch auch als starkes Signal der Duisburger Clubszene gedacht: Es gibt uns noch ... Das gilt dieses Jahr umso mehr. Das Indie macht bald zu und ist schon nicht mehr dabei, dafür das Grammatikoff, über dessen Zukunft man auch nichts genaues weiß, wo aber zum Platzhirsch mit Lydia Lunch am Freitag und Bernd Begemann am Samstag zwei der bekanntesten Namen des Programms zu hören sind. Nicht unterkriegen lässt sich das Djäzz in der Börsenstraße, wo es nach Yin Yin und Rome in Reverse bzw. Orange Swan und Ten Volt Shock jeweils Party mit Tillomat bzw. Thorsten PopMissile und DJ Storm gibt.

Erstmals artet der Platzhirsch bis zum Innenhafen aus: Halbstündig verkehren Shuttle-Busse vom Dellplatz, damit keiner Kraków Loves Adana (kommen anstelle von Wy) und Ratka in der Küppersmühle verpasst oder Black Heart Rebellion, die im Explorado den düsteren iranischen Film "A girl walks home at night" vertonen.

Solidarität ist ohne Umsonst-und-draußen-Programm diesmal quasi Pflicht: Tagestickets für 12 und Festivaltickets für 20 Euro gibt's im Vorverkauf bei Onkel Stereo, Wallstrtaße 6, und dann zum Abendkassenpreis beim Infostand am Dellplatz.

(Niederrhein Verlag GmbH)