| 17.02 Uhr

Ganz in Weiß
Lehmbruck-Museum neu aufgestellt

Ganz in Weiß: Lehmbruck-Museum neu aufgestellt
Ganz neu, ganz weiß präsentiert sich der Anbau des Lehmbruck-Museums mit den Dreiecksräumen, die jetzt wieder eher Terrassen sind. Fast ergriffen oder jedenfalls versonnen steht da Daniel Spievak über Jean Tinguelys „Märchenrelief“. Spievak, Architekturstudent aus Bochum, hat das Stegreif-Konzept geliefert, nach dem die neue Ausstellungsarchitektur realisiert wurde, die vor allem im Untergeschoss die Kunstwerke der Nachkriegszeit in ein Spiel mit vielen Durchblicken versetzt. Überhaupt, da wo die Präsentation spielt, ist sie am stärksten. Aber das gilt ja eigentlich immer. FOTO: Thomas Warnecke
Duisburg. Das Lehmbruck-Museum ist jetzt quasi wieder komplett. Nachdem bereits im November die Glashalle mit neuer Lichtdecke geöffnet wurde, ist jetzt auch die Neupräsentation der Sammlung im Anbau von 1987 zu sehen. "Meilensteine der Kunstgeschichte" sind wiederzuentdecken. Von Thomas Warnecke

Irgendwie hatte die unverkleidete Halle ja was, mit dem Gestänge sah sie aus wie ein Fliegerhangar – oder eben wie eine Industriehalle, Duisburg halt. Aber dass der Raum neue Deckenplatten bekommen hat, ist schon ganz richtig. Die Halle, zusammen mit dem Lehmbruck-Trakt von Wilhelms Sohn Manfred Lehmbruck entworfen und 1964 erbaut, ist beruhigt, die Kunstwerke hier können wirken.

Pressekonferenz am Donnerstag und Eröffnungsfeier am Samstag galten aber dem Anbau von 1987. Also Treppe rauf und den Gang hindurch, wo eine Theke das Museumscafé ersetzt, und hinein in die Eingangshalle des Anbaus. Die Neupräsentation fängt hier gut an: Wie viel Tiefsinn auch immer in einem Schaukelpferd stecken mag, das in einen Monitor blickt, zusammen mit Niki de Saint Phalles und Jean Tinguelys Modell für den Lifesaver-Brunnen macht Nam June Paiks unbetitelte Arbeit sofort klar, dass Kunst vor allem ein Spiel ist. Geht man weiter, bekommt man einen Panoramablick in die Dreiecksräume – die Wände sind weg. "Das war eine Auflage der Bauordnung, die wir sehr gerne erfüllt haben", erklärt Museumsdirektorin Söke Dinkla.

In den drei Dreiecksräumen sind Gemälde, Grafiken und Skulpturen des Expressionismus ausgestellt, aufgeteilt nach unterschiedlichen Strömungen und ergänzt durch einige moderne oder zeitgenössische Gegenüber. Vor dem beinah grellen Weiß, in dem sämtliche Wände hier jetzt wieder gestrichen sind, wollen die sehr nüchtern gehängten Prunkbilder von Kirchner, Heckel oder Pechstein nicht so richtig wirken. Es drängt eine Etage tiefer – im Keller gibt's ja immer was zu entdecken. Die Werke der Nachkriegskunst hier sind ebenfalls durch zeitliche, thematische und vor allem kunsthistorische Bezüge sortiert und scheinbar gebändigt, doch in jedem Raum ist eine Art Stolperstein untergebracht. So dass beispielsweise die eben tatsächlich aufs geometrische Minimum reduzierten Werke der Minimal Art, von Donald Judd, Sol Lewitt oder Richard Artschwager, trotzdem nicht wie Endpunkte wirken, weil der "White Dark V"-Würfel von Anish Kapoor an der Wand die Formen durch sein Spiel mit dem Licht wieder unklar, diffus, offen macht.

Über 100 Werke der eigenen Sammlung sind so wieder sichtbar, da kann man ruhig zweimal durchgehen. Für eine Pause ist im "Spielzimmer" Eingangshalle eine Sitzecke eingerichtet. "Die Besucher sollen ermuntert werden, hier auszuruhen", erklärt Clara Warnatita, die im Auftrag der Bundeskulturstiftung am Lehmbruck-Museum für "audience development" zuständig ist, kurz gesagt dafür, dass das Museum wieder zum Treffpunkt für sozialen Austausch wird. Plastikbar forever!

(Niederrhein Verlag GmbH)