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Kulturkippe-Veranstaltungstipp
Groß oder klein ist ziemlich relativ

Kulturkippe-Veranstaltungstipp: Groß oder klein ist ziemlich relativ
Raymond Very, der im „Rheingold“ den Feuergott Loge als zündelnden Playboy gibt. FOTO: Hans Jörg Michel
Dass in der Oper große Töne gespuckt werden, liegt in der Natur der Sache. Singen Sie mal gegen ein Orchester an! Aber die Rheinoper kann auch ganz klein ... Von Thomas Warnecke

Hemmungslos große Töne gespuckt werden bei Richard Wagner – wobei "Das Rheingold" genau davon erzählt, wie das ins Verderben führt. Dietrich Hilsdorfs Inszenierung, die zurzeit in Duisburg zu sehen ist, ist auch deswegen so gut, weil sie einen Kerngedanken des "Rings des Nibelungen" umsetzt: dass nämlich die Götter sozusagen kleiner sind als die Menschen und aus Kleinlichkeit das Feld räumen. Die Riesen Fafner und Fasolt, die die neue Götterburg bauen, sind bei Hilsdorf Handwerker, und das passt, denn jeder, der wie ich handwerklich völlig unbegabt ist, weiß, dass Handwerker quasi Riesen sind, denen man hilflos ausgesetzt ist – spätestens, wenn sie ihre Riesenrechnung präsentieren. Wenn man dann noch wie Wotan die Schwägerin als Bezahlung versprochen hat, ist schlechte Stimmung natürlich vorprogrammiert. Wobei die schlechte Stimmung gut klingt. Oper eben.

Worin die Rheinoper außerdem seit Jahren groß ist, sind Opern für die Kleinen. Beispiel jetzt: "Gullivers Reisen". Gerald Resch beschränkt seine Umsetzung des Swift-Klassikers auf Gulliver auf der Insel Liliput, und wie hier Groß und Klein durcheinanderlaufen und der Riese zum Zwerg gemacht wird, das ist – einmal noch – großes Kino.

P.S.: Und Groß- und Kleinschreibung ist auch nicht mehr, was sie mal war. Nehmen Sie nur mal unseren Stahlriesen, der schreibt sich mittlerweile so: thyssenkrupp.

"Das Rheingold" am Freitag, 24. November, 19.30 Uhr (sowie 3., 16. und 21. Dezember), "Gullivers Reisen"am Samstag, 25. November, 18 Uhr, im Theater Duisburg, Karten: Telefon (0203) 283 62 100

(Niederrhein Verlag GmbH)