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Ganz große Kriegsspiele

Ganz große Kriegsspiele
Christiane von Poelnitz als Königsmutter Atossa in „Die Perser“ FOTO: Reinhard Werner
Duisburg. In der Rückrunde werden im Theater Duisburg die Big Points gemacht, denn dann kommt zum Akzente-Theatertreffen die Champions League der deutschsprachigen Schauspielbühnen. Von Thomas Warnecke

Das Thema der 39. Duisburger Akzente, "Nie wieder Krieg?", ist fürs Theater eine Steilvorlage, sagt Schauspielleiter Michael Steindl bei der Vorstellung des Programms. Schon das älteste erhaltene Drama der Welt, "Die Perser" von Aischylos, 472 vor Christus uraufgeführt, handelt vom Krieg. Bemerkenswert: Aischylos, der auf Seiten der Griechen an der Seeschlacht von Salamis teilgenommen hat, versetzt sich in die Besiegten. Im Mittelpunkt steht die persische Königsmutter Atossa, die auf die Rückkehr ihres Sohnes Xerxes wartet, der in Griechenland seinen bei Marathon besiegten und danach verstorbenen Vater Dareios rächen will. Kein Antikriegsstück, aber ein Stück gegen den Übermut der Hochrüstung und die Blindheit der Kriegstreiberei. Wieder ist es Michael Steindl gelungen, das Burgtheater Wien nach Duisburg zu holen; am 7. und 8. März sind "Die Perser" im Theater Duisburg zu sehen – und nirgendwo sonst außerhalb Wiens, denn das Bühnenbild für Michael Thalheimers Inszenierung ist eigentlich zu aufwendig für ein Gastspiel. Steindl: "Da kracht eine Decke ein."

Zum Auftakt des Theatertreffens ist am 3. und 4. März noch einmal "Im Westen nichts Neues" zu sehen, das vor zwei Jahren schon hier war. Macht nichts: Mit der Umsetzung von Erich Maria Remarques berühmten Roman ist dem Schauspiel Hannover eine "sensationelle, beispielgebende Theaterarbeit" gelungen.

Mit Peter Handkes "Immer noch Sturm" kommt am 10. März ein "seltsamer Text" (Steindl) zum Theatertreffen; Roberto Ciulli will bis dahin seine Inszenierung vom Theater an der Ruhr noch einmal überarbeiten.

Das Thalia Theater Hamburg bringt den irrwitzigsten Verführer und eine der abgründigsten Herrscherfiguren Shakespeares mit: "Richard III." (16.3.).

Das Theater Duisburg schickt zum Theatertreffen drei Eigenproduktionen auf die Bretter: "Quartett", Heiner Müllers Reduktion des Geschlechterkriegsromans par excellence, Choderlos de Laclos' "Gefährliche Liebschaften"; "Dreck", worin Spieltrieb-Mitglied Bashar Al Murabea quasi "sein eigenes Schicksal erzählen" kann (Steindl), und eine Entdeckung, die Michael Steindl 1990 in einem Sammelband machte: "Kain", ein expressionistisches Stück über den biblischen Brudermord vom praktisch vergessenen Berliner Autor Friedrich Koffka.

Um Gewalt, Rache und Recht geht's auch im weiteren Teil der Spielzeit: Das Schauspiel Bochum kommt mit nochmal Aischylos' Tragödientrilogie "Orestie", "Volksverräter!!" nach Henrik Ibsen und außerdem einem weiteren Stück nach einem Remarque-Roman: "Arc de Triomphe".

Außerdem gibt's Hans Albers, Goethes "Faust" und vieles mehr; der praktische Schauspiel-Wochenkalender für Februar bis Juli hat hinten noch ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis bekommen, das insgesamt 32 Stücke auflistet.

(Niederrhein Verlag GmbH)