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Unterrichtsausfall an Grundschulen
Duisburg gehen die Lehrer aus

Unterrichtsausfall an Grundschulen: Duisburg gehen die Lehrer aus
Flasche leer: Norbert Müller, GEW, Klaus Joormann, Christina Herold und Christiane Horstkamp von der Elternschaft Duisburger Schulen fordern dringend Abhilfe gegen Lehrermangel und Unterrichtsausfall an Duisburgs Grundschulen. FOTO: tw
Duisburg. GEW und Eltern schlagen Alarm: Immer mehr Planstellen an den Grundschulen bleiben unbesetzt, weil sich junge Lehrer gar nicht erst in Duisburg bewerben. Von Thomas Warnecke

Rüdiger Wüllner, Vorsitzender des Personalrates Grundschule, rechnet vor: An 76 Duisburger Grundschulen sollten 99 Stellen nach- bzw. neu besetzt werden; gelungen ist dies nur bei 32 Stellen. Damit sind sieben Prozent der Grundschulstellen nicht besetzt. Und Peter Steuwer, Grundschulleiter in Walsum und stellvertretender Schulformsprecher Grundschule, sagt: "Da können Sie locker 1,5 Stellen für Vertretungen, Erziehungsurlaub und so weiter draufschlagen." Damit fallen dann nicht nur – schlimm genug – immer häufiger Sport, Kunst oder Musik aus, "da fallen Klassenleitungen weg", so Steuwer. "Die Vertretungsreserve gibt es ab dem 1.1. de facto nicht mehr", so Wüllner.

"Und wir beklagen nur den Ist-Stand, nicht den Soll-Stand", erklärt Norbert Müller, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Will sagen: Mit den unbesetzt gebliebenen Stellen wäre nur das Mindestmaß an Unterricht gesichert. "Insbesondere an Grundschulen ist die Stundentafel eh schon reduziert", ergänzt Christina Herold, Vorsitzende der Elternschaft Duisburger Schulen (EDuS). 18 statt der mindestens vorgeschrieben 21 bis 22 Stunden pro Woche – drei Stunden geplanter Ausfall schon im ersten Schuljahr. Fällt dann noch ein Lehrer wegen Krankheit aus, wird die Klasse auf andere Klassen aufgeteilt, "die Kinder sitzen dann da rum und dürfen Mandalas ausmalen."

Christina Herold: "Das Geld ist da, die Stellen sind da, aber die Menschen nicht." Viele Kinder mit anderer Muttersprache, die ungelösten Anforderungen der Inklusion, ein insgesamt sozial schwaches Umfeld und die oft marode Infrastruktur an den Schulen – die Situation in Duisburg kennen offensichtlich auch die Lehramtsanwärter, oder sie haben es während des Referendariats gemerkt. Eine Stelle in Duisburg? Bitte nicht.

"Früher konnten sich die Schulen die Bewerber aussuchen", sagt Peter Steuwer, heute ist es umgekehrt. GEW und EDuS fordern deshalb: Statt der landesweiten schulscharfen Besetzungsverfahren soll es eine zentrale Steuerung geben, die sich am Mehrbedarf von sozial schwachen Kommunen wie Duisburg und an den Unterhängen (=Unterbesetzungen) orientiert. Darüber hinaus müsste Duisburg für Lehrer attraktiver gemacht werden. Denkbar seien Zuschläge für Lehrer, die sich für Duisburg (statt z.B. Münster) entscheiden. Dringend müssten die Lehrer von "überflüssigen Dienstgeschäften" wie den ständigen Evaluationen entlastet werden. Durch mehr Hausmeister, Sekretärinnen und andere Verwaltungskräfte soll sichergestellt werden, dass sich die Lehrer auf den Unterricht konzentrieren können. Erzieher könnten zusätzliche Hilfestellung an Grundschulen geben.

Und der Schulausschuss? Wünscht sich mehr Standorte des Gemeinsamen Lernens und dass die Klassenzügigkeit erhöht werde. Peter Steuwer: "Da wird zur Zeit völlig an der Realität vorbei geplant."

(Niederrhein Verlag GmbH)