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39. Duisburger Akzente
Bin Laden – die Mörderpuppe

39. Duisburger Akzente: Bin Laden – die Mörderpuppe
Nicht der US-Geheimdienst, ein Puppenspieler findet Osama bin Laden in „Punch & Judy in Afghanistan“. FOTO: Wim Sitvast
Duisburg. "Nie wieder Krieg?" – Die 39. Duisburger Akzente versehen die alte pazifistische Forderung, die vor 100 Jahren, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, überall plakatiert wurde, mit einem Fragezeichen. Neben dem Theater wird die Liebfrauenkirche zentraler Schauplatz des Festivals vom 3. bis 18. März. Von Thomas Warnecke

"Nie wieder Krieg?" – Das Akzente-Programm zeigt: Der Wunsch ist so alt wie die Menschheit selbst, Krieg und Gewalt sind aber weiterhin allgegenwärtig. Mit antiker Wucht wird's uns um die Ohren geschlagen: Schon das älteste überlieferte Theaterstück, "Die Perser" von Aischylos, handelt vom Krieg. Ebenso Europas älteste schriftlich fixierte Erzählung, die "Ilias". Zu den Akzenten werden "Die Perser" vom Burgtheater Wien zu sehen sein; Teile aus Homers Epos vom Trojanischen Krieg liest Christian Brückner in der klassischen Übertragung von Johann Heinrich Voß.

Heutzutage wird unsere Freiheit bekanntlich auch am Hindukusch verteidigt, wie Peter Struck einst erklärte, und dahin begibt sich "Punch & Judy in Afghanistan". Punch und Judy sind in England das, was bei uns Kasper und eher Hexe als Gretel sind. Für Kinder ab vier Jahren geeignet, erzählt der australische Figurentheaterspieler Neville Tranter die Geschichte vom Puppenspieler Nigel, der zur Truppenbetreuung nach Afghanistan geschickt wird und Mr Punch bin Laden und seine Frau Judy trifft. "Babylon", ebenfalls von und mit Neville Tranter, sei dann, so Akzente-Projektmanager Clemens Richert, nur für Erwachsene geeignet. Es erzählt von einer Bootsflucht aus Nordafrika ins "gelobte Land". Weiter hinein nach Afrika, seit Jahrzehnten Schauplatz der grausamsten Kriege etwa ums Coltan für unsere Laptops und Smartphones, trauen sich die Akzente nicht. Mehr Puppentheater aber gibt es, wobei Ariel Doron in "Plastic Heroes" ausschließlich mit industriell gefertigtem Spielzeug spielt. Mit Plastikpanzer und Plüschtiger stellt er die medial produzierten "heroischen" Kriegsbilder nach und bloß. Ähnlich verfährt Fotograf Harald Reusmann, der für sein Ausstellungsprojekt "Hybris" Militärpropaganda des Ersten Weltkriegs mit Texten aus Feldpostbriefen kombiniert. Hybris wird ebenso wie die drei Puppentheaterstücke in der Kulturkirche Liebfrauenkirche gezeigt.

Eröffnet werden Akzente bzw. Theatertreffen am 3. März im Theater Duisburg mit der furiosen Bühnenadaption des Remarque-Romans "Im Westen nichts Neues". Zum Abschluss thematisieren Jens Kerbel und Jennifer Whigham mit drei Schauspielern und dem Klangkraft-Orchester den Krieg mit der bzw. gegen die Umwelt: "2018. The World Dies Screaming", am 17. und 18. März in der Gebläsehalle im Landschaftspark Nord.

Karten gibt es im Vorverkauf an der Theaterkasse Duisburg, Opernplatz/Neckarstraße 1, Telefon (0203) 283 62 100.

(Niederrhein Verlag GmbH)