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"Kunst statt Leerraum" steht in den Startlöchern
Tape, Dreck, Kapellen, Kunst

"Kunst statt Leerraum" steht in den Startlöchern: Tape, Dreck, Kapellen, Kunst
Der Herr Geschäftsführer bei der Arbeit: KSL-Initiator Ben Perdighe leitet die Kunstauktion beim letztjährigen „Kunst statt Leerraum“-Festival vor dem besetzten und mit allerlei Kunst verziertem Haus des Handwerks an der Kolpingstraße. FOTO: Penzel
Dinslaken. Das wundervolle "Kunst statt Leerraum"(KSL)-Projekt wächst und gedeiht. Zu seinem fünften Geburtstag, der vom 11. bis zum 17. Juni gefeiert wird, muss sich das Kunstfestival nicht mehr neu erfinden. Und auch die Künstler-Akquise ist eher unkomplizierter geworden - denn KSL zieht die Menschen aus aller Welt ins ansonsten ja zumeist eher beschauliche und überschaubar internationale Dinslaken. Von Steffen Penzel

Max Zorn ist untröstlich. Eigentlich hat der Mann aus Amsterdam, der mit Hilfe von braunem Tape-Band, Acryl-Glas und Leuchtmitteln erstaunliche Szenerien erschafft, Ben Perdighe fest zugesagt. Am Montag flatterte jedoch die Absage von Zorn, der längst die großen Bühnen der internationalen Kunstszene erobert hat, ins Postfach des KSL-Initiators. Zorn, so Perdighe, sei zum KSL-Termin auf Ausstellungs-Tour in Asien. "Es ist schade, dass er nicht dabei ist, aber an seiner Mail hat man schon gemerkt, wie traurig er selber über die Absage ist", berichtet Perdighe schmunzelnd über die Zeilen "Mir blutet das Herz bei der Absage" und es fühle sich "nach Fremdgehen" an. 2019, so Zorn, sei er definitiv wieder am Start.

Die Wertschätzung Zorns sagt viel aus über das Kunst-Festival, bei dem sich Dinslaken für eine Woche in einen bunten, lauten, schrägen, kreativen und wuseligen Ameisenhaufen verwandelt. Neben dem Haus des Handwerks an der Kolpingstraße als zentralen Anlaufpunkt, sind auch das benachbarte Wettbüro an der Friedrich-Ebert-Straße, das Museum Voswinckelshof und die Kutscherstube Veranstaltungsorte.

Tape-Art wird bei der 2018er-Ausgabe von KSL aber nicht fehlen. Denn in die gleiche Kerbe wie Max Zorn schlagen auch "Tape over" aus Berlin. Die nach eigenen Angaben "größte Tape-Art-Crew" der Welt kommt mit internationaler Besetzung aus Deutschlands Hauptstadt in die Provinz.

Seine beeindruckenden Spuren hat Denis Klatt bei der vergangenen Ausgabe Kunst statt Leerraum hinterlassen. Klatt, in der Graffiti-Szene als "Hifi" schon seit über 20 Jahren eine Institution, räumte mit seiner Aquarium-Installation inklusive Weißem Hai den Preis für den besten KSL-Künstler ab. In diesem Jahr bekommt der Dortmunder seinen Unterwasser-Raum im Haus des Handwerks wieder, "und wird ihn weiter entwickeln", so Perdighe, der sehr gespannt ist, wie Klatt sein Projekt fortschreiben wird. Mit viel Spannung wird Nikita Golubev erwartet. Der Russe, der sich eigentlich der Aquarell-Malerei widmet, hat sich durch die künstlerische Verschönerung vollkommen verdreckter LKW in seinem Heimatland international einen Namen gemacht. Bei KSL wird ihm ein Schaufenster an der Ecke Kolping/Friedrich-Ebert Straße schön von innen zugesaut. Was Golubev wohl daraus zaubert?

"Etwa drei Viertel der Künstler sind neu dabei", spricht Ben Perdighe über die Frischzellenkur des Festivals. Neben Dennis Klatt haben sich aber auch Sef aus Chile (inklusive zweier Kollegen aus Chile) und Andre Silva aus Portugal wieder einen Platz im KSL-Setup ergattert.

Gute, lieb gewonnene Traditionen soll man nicht brechen. Und so wird auch in diesem Jahr wieder der Kurzfilmpreis ausgelobt, dem Kampf der Kapellen gelauscht und ein großes Straßenfest inklusive Kunstauktion vor dem Haus des Handwerks veranstaltet. Als Party-Location am Abend dient die Kutscherstube. Und im Museum wird es eine Fünf-Jahres-Retrospektive inklusive Führung mit dem Herrn Geschäftsführer Ben Perdighe persönlich geben.

Das Programm zum Festival wird am Haus des Handwerks tagesaktuell angeschlagen. Alternativ bietet der Facebook-Auftritt von Kunst statt Leerraum immer aktuelle Informationen.

(Niederrhein Verlag GmbH)