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Erst Schwäche, dann Pech
MSV hat Heimproblem(e)

Erst Schwäche, dann Pech: MSV hat Heimproblem(e)
Daran allein lag’s nicht: Boris Tashchy lässt sich nach zehn Minuten auswechseln. FOTO: Volker Nagraszus
Wedau. Eine ganz schwache erste Halbzeit und mangelhafte Chancenverwertung in der zweiten – der MSV Duisburg hat das Freitagabendspiel gegen Mitaufsteiger Holstein Kiel 1:3 verloren. Es war die dritte Niederlage im vierten Heimspiel. Von Thomas Warnecke

Das Spiel war keine drei Minuten alt, da stand es schon 0:4 – nach Ecken. Und viermal war's richtig knapp. Holstein Kiel legte zielstrebig los, der MSV wirkte langsam, unsortiert und unsicher. Gruev hatte gegen den Mitaufsteiger die gleiche Elf aufs Feld geschickt wie am Dienstag gegen Absteiger Ingolstadt, also Klotz statt Erat und Hajri für den immer noch nicht genesenen Schnellhardt. Der im Mittelfeld schmerzlich fehlte. Dann knickte nach fünf Minuten auch noch Toptorjäger Tashchy um, versuchte es nach kurzer Behandlungspause aber weiter. Mit einem einzigen Steilpass spielte Drexler die komplette Duisburger Hintermannschaft aus; Kevin Schindler vollstreckte zur schon nach zehn Minuten verdienten Führung für die Störche. "Das erste Tor geht auf meine Kappe", sagte Lukas Fröde nach dem Spiel, dessen Ballverlust den Kieler Angriff eingeleitet hatte.

Nach 18 Minuten ging dann nichts mehr bei Tashchy, für ihn kam Kingsley Onuegbu. Die Partie verflachte ziemlich; Kiel ließ es ruhiger angehen, den Zebras gelang kaum was. Keine Ruhe im Aufbauspiel, viel zu leichte Ballverluste oder wahlweise Pässe ins Niemandsland – das war wohl die schwächste erste Halbzeit des MSV. Weil im Mittelfeld nicht viel ging, wurden vorzugsweise lange Pässe zum King geschlagen, der dann abzulegen versuchte, was immerhin einmal fast geklappt hätte, aber Hajri verzog aus über 20 Metern (32.). Ducksch hätte kurz vorm Pausenpfiff noch auf 2:0 für die Störche erhöhen können, doch sein Schuss aus zehn Metern ging nur an den Außenpfosten.

Woraus der MSV offensichtlich Hoffnung zog, denn nach Wiederanpfiff drängten die Zebras auf den Ausgleich. Stoppelkamp erst direkt in die Arme des Kieler Torhüter Kronholm, dann gefährlich knapp übers Lattenkreuz (51./52.), wieder eine Minute später hat Onuegbu den Ausgleich auf dem Fuß, der zur zweiten Halbzeit für den diesmal blassen Oliveira Souza eingewechselte Engin ist beim Nachschuss nicht schnell genug; Bomheuer trifft nach Wolze-Freistoß nur das Außennetz (60.). Die MSV Anhänger unter den 13.578 Zuschauern – wegen der ärgerlich frühen Anstoßzeit waren wohl keine 1.000 Kieler im Stadion –, die zur Halbzeit noch gepfiffen haben, sind jetzt voll da und so ohrenbetäubend laut, als hätte der MSV das Spiel schon gedreht. Kiel bekommt kaum ein Bein auf den Boden – dafür gelegentlich an den Gegner: Mit taktischen Fouls und Unsportlichkeiten versuchen die Störche, den Spielfluss der Zebras zu bremsen; zwischen der 57. und 64. Minute kassiert Holstein drei gelbe Karten. Ansonsten ist es Schlussmann Kronholm, der die Führung festhält, gegen Engin (66.) zur Ecke abwehrt und Wolzes Schuss danach an die Querlatte lenkt. Doch wer seine Chancen nicht nutzt ... Zweimal vergibt Kiel Konterchancen ganz knapp, doch im dritten Versuch, als die Duisburger Hintermannschaft auf einen Abseitspfiff wartet, umkurvt Drexler den herauseilenden Flekken und schiebt zum 2:0 ein. Der MSV beweist noch einmal Moral, Iljutcenkos Kopfball geht aber auch nur an die Latte, Kronholm kann einen Stoppelkamp-Freistoß gerade noch am Tor vorbeilenken. Dann holt Flekken Schindler von den Beinen, Drexler macht vom Elfmeterpunkt alles klar für Kiel (88.), und mit dem Schlusspfiff macht Fröde dann noch das 1:3.

"Mit mehr Glück hätten wir den Ausgleich machen können", befand Ilia Gruev nach dem Spiel. Nach 22:15 Torschüssen gegen Nürnberg (1:6) und 18:17 diesmal lässt sich ein ernsthaftes Heimproblem wohl nicht mehr leugnen. Hoffentlich ist Düsseldorf – am Montag in einer Woche – auswärts genug ...

(Niederrhein Verlag GmbH)