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: Lass dich überraschen

: Lass dich überraschen

Das siebte Kammerkonzert am Sonntag, 15. März, in der Duisburger Mercatorhalle wird ein lustvolles Spiel mit Publikumserwartungen. Das fabelhafte„delian::quartett“ lässt zeremonielle Steifheit gar nicht erst aufkommen, und mit Measha Brueggergosman ist eine gefeierte Opernsängerin dabei, die auch keine Berührungsängste kennt.

Das Programm liest sich denkbar verwegen. Brahms’ fünf Ophelia-Lieder in einer Bearbeitung für Sopran und Streichquartett von Aribert Reimann, Papa Haydn mit seinem skurrilen Streichquartett Es-Dur, eine „Studie in Wahnsinn“ vom Zeitgenossen Francesco Filidei und glamouröse Chansons von Kurt Weill.

Solche unkonventionelle und beziehungsreiche Programmgestaltung macht die Projekte des des delian::quartetts zum Ereignis. Das hat das 2007 gegründete Quartett in Duisburg schon zweimal bewiesen, an der Seite prominenter Gäste: Bruno Ganz und Stella Doufexis. Jetzt nehmen die vier Measha Brueggergosman in ihre Mitte. Die kanadische Sopranistin ist ein Star der internationalen Opernbühnen und Konzertpodien; 2010 sang sie die Hymne zur Eröffnung der olympischen Winterspiele in Vancouver. Ins Kammerkonzert starten sie gemeinsam mit den Ophelia-Liedern von Johannes Brahms auf Texte aus Shakespeares „Hamlet“. Kurz und melodisch schlicht, sind sie durchaus bühnenwirksam, und Aribert Reimann hat sie in eine schillernde Streichquartettbegleitung gekleidet.

Haydn hat sich ja gerne mal Scherze erlaubt, um Konzertkonventionen zu unterwandern, und auch in seinem Quartett Es-Dur verlädt er den Zuhörer. Dem vermeintlichen Schlussakkord folgt nach einer hinterhältig langen Generalpause noch einmal der Anfang des Finales, erst dann ist Schluss. Nicht zu früh klatschen!

Ein Nachfahre im Geiste ist der 1973 geborene Francesco Filidei. Sein „Esercizio di Pazzia II“ („Studie in Wahnsinn“) für vier Interpreten macht eine Nebentätigkeit der Musiker zu ihrer Hauptaufgabe. Welche, das wird hier noch nicht verraten.

Eine ganz tolle Sache sind die Songs von Kurt Weill – also generell, aber insbesondere in der Präsentation des delian::quartetts. Das Ensemble hat den Komponisten Stefano Pierini mit einer Bearbeitung „für erweitertes Streichquartett“ betraut. Measha Brueggergosman muss auch Schlagwerk bedienen, kann aber vor allem die ganze Bandbreite ihrer Stimme zur Geltung bringen. Ein Klavier kommt auch zum Einsatz, und insgesamt erhalten die Songs oder Chansons eine ganz neue Klanglichkeit, zaubern wunderbare Stimmungsbilder – und bleiben doch immer Kurt Weill: frech, unverkrampft, aufsässig, sentimental, schön!