MSV Duisburg Holstein Kiel 2. Bundesliga Abstieg

Zebras vor dem Auswärtsspiel in Kiel : MSV will Haltung bewahren

Sonntag, 13.30 Uhr, muss der MSV Duisburg bei Holstein Kiel ran. Der Angstgegner der Zebras kommt angesichts des sich abzeichnenden Abstiegs zur Unzeit. Torsten Lieberknecht will trotz der düsteren Vorzeichen weiter voran gehen und appelliert an die Ehre seiner Spieler.

Es herrschte eine seltsame Stimmung am Freitagmittag rund ums Trainingsgelände des MSV Duisburg. Etwas Bleiernes, Ernüchterndes lag über der Westender Straße. Und auch wenn es keiner so recht aussprechen mag: Der Abstieg ist endgültig angekommen in den Köpfen von Spielern, Trainern, Mitarbeitern, Verantwortlichen. Aber, wer will die traurige Atmosphäre den Zebras auch verübeln? Die aktuelle Situation lässt wenig Platz für Hoffnung auf ein Wunder. Und genau das bräuchte es aus MSV-Sicht, wenn es denn dann doch noch mit dem Klassenerhalt klappen soll.

Nach den Siegen von Ingolstadt und Magdeburg am vergangenen Wochenende, könnte der Abstieg des MSV bereits am Sonntag in Kiel besiegelt werden. So oder so: In den verbleibenden drei Spielen müssen die Zebras mehr denn je auf drei Punkte gehen. „Uns helfen jetzt nur noch Siege, das ist Fakt“, weiß natürlich auch Torsten Lieberknecht. Nur: Bei den Kieler Störchen, die in dieser Spielzeit nur drei Heimniederlagen hinnehmen mussten, hängen die Trauben verdammt hoch. „Die Kieler haben eine richtig starke Truppe beisammen, das ist ein wahrlich guter Gegner“, so Lieberknecht. Dazu kommt: Holstein liegt dem MSV einfach nicht. Und: Die Zebras warten bereits seit sieben Spieltagen auf einen Sieg.

Die düstere Ausgangslage wird angesichts der Ausfälle in der MSV-Defensive nicht wirklich aufgehellt. Mit Kevin Wolze ist der beste MSV-Torschütze gelb gesperrt. Hinter dem Einsatz von Enis Hajri steht ein großes Fragezeichen. Andy Wiegel fällt mit einem Muskelfaserriss definitiv aus. Man darf also gespannt sein, welche Abwehrformation Torsten Lieberknecht in Kiel auf den Platz schicken wird. Vielleicht eine Chance für die Bankdrücker? Lieberknecht: „Es gibt ja genug Jungs, die mit der Hufe scharren und dann jetzt die Chance haben, sich zu präsentieren.“

Torsten Lieberknecht hat ein wenig gebraucht, die Ereignisse rund um das Bielefeld-Spiel zu verarbeiten. Die Situation ist schwer, auch für ihn. Aber das sei angesichts der Ergebnisse der vergangenen Wochen ja auch kein neuer Zustand. „Wir mussten uns schon oft aufrichten. Und das haben wir jetzt auch wieder getan und dann voll gearbeitet.“ Er selber, so Lieberknecht, werde „weiter vorangehen.“ Und er ist sich sicher, dass er sich auf seine Spieler verlassen könne, dass sie sich nicht zu früh hängen lassen würden. „Ich vertraue den Jungs. Und ich vertraue auf ihr Ehrgefühl.“

Ihm sei auch klar, dass seine Arbeit, gerade in der jetzigen Situation, kritisiert werde. „Das ist doch ganz normal. Und der Kritik stelle ich mich auch. Aber es geht nicht um mich, es geht um die Mannschaft. Und es geht darum, Haltung zu bewahren.“

Torsten Lieberknecht glaubt auch weiterhin, der richtige Mann an der richtigen Position zu sein. Und es ist dieser Moment, dieser Satz in der Pressekonferenz vor dem Kiel-Spiel, der viel verrät. „Ich traue mir zu, den Aufbau hier zu gestalten.“ Und genau das ist es. Der MSV wird wohl runter gehen. Und es wird dann einen Neuaufbau geben müssen. Die Lizenz für Liga drei gibt es aber nur, wenn eine gewaltige Finanzierungslücke noch geschlossen wird. Die Frage ist also, in welcher Liga dieser Aufbau startet. Und ob Torsten Lieberknecht diesen dann auch sportlich leiten darf bzw. überhaupt noch leiten möchte ...

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