: Ein „Titel“ zur Belohnung

: Ein „Titel“ zur Belohnung

Nach dem 3:2-Heimsieg des umgebauten MSV Duisburg gegen die Reserve von Bayern München steht fest: Die Zebras beenden die Hinrunde in Liga drei als Tabellenerster. Das ist etwas, womit nach dem Riesen-Umbruch im Sommer nicht zwingend zu rechnen war. Deswegen ist man im MSV-Lager auch zurecht stolz - ohne dabei diesen „Titel“ falsch einzuordnen.

. Der MSV ist in der Hinrunde nicht mehr vom Platz an der Sonne zu verdrängen. Nach der Niederlage von Halle in Lautern und der Nullnummer der Braunschweiger Eintracht in Mannheim ist klar: Der MSV ist Herbstmeister. Als Torsten Lieberknecht nach der Partie auf die vorzeitig eingetütete Herbstmeisterschaft angesprochen wurde, war es Zeit für ein paar emotionalere Worte. „Wir haben einen harten Weg hinter uns und auch noch vor uns. Für den Moment freuen wir uns sehr und sind stolz auf das Erreichte.“

Beim MSV weiß man das Erreichte einzuordnen - auch in der Mannschaft. „Wir machen es als Mannschaft und zusammen gut. Das zeichnet uns eben aus. Aber wir dürfen nicht nachlassen und müssen immer weiter machen,“ sagt Tim Albutat. Und genau das ist der Punkt: Der MSV ist geerdet und nach dem Umbruch wieder eine Mannschaft. In der Vorsaison war er das nicht mehr. Da war das Team eine Ansammlung von Einzelkämpfern und Grüppchen, die nicht mehr unter einen Hut, geschweige denn vom Trainer in die Spur, zu bekommen waren.

Und so war der nahezu komplette Umbruch im Sommer Gold wert. Klar, hat das alles gedauert. Klar, war es mit Risiko behaftet. Und klar, hatte die Mannschaft nicht so viel Zeit wie andere Teams in der Liga, sich einzuspielen. Aber der Mannschaftsgeist und der Zusammenhalt waren von Anfang an da. Beim Neustart gab es keine Grüppchen. Fast alle Spieler waren neu. Und sie waren darauf bedacht, bei aller Konkurrenz um die Stammplätze, nett zu den neuen Kollegen zu sein. Dazu wurde im Verein an ein paar Schrauben gedreht. Das Credo war klar: Der MSV soll wieder für Kampfgeist und Kameradschaft stehen, nicht für Selbstdarstellerei und Intrigen. Und: Der Graben zwischen Fans und Mannschaft musste schnell wieder zugeschüttet werden. Denn durch die ganzen Mätzchen und das Gehabe in der Mannschaft hatte sich ein Teil der Anhängerschaft von seinen ehemaligen Lieblingen abgewendet. Das Zuwenden ging dann aber ganz schnell. Denn auch der Anhang merkte von der ersten Trainingsminute nach der Sommerpause an, dass sich der Wind gedreht hatte, die Spieler sich wieder richtig reinhauen und als Mannschaft alles für den MSV geben wollen.

Ivo Grlic hat eine Truppe zusammen gestellt, die charakterlich passt, sich schnell gefunden hat und zusammen hält. Auch in Situationen, wo Improvisation und Flexibilität gefragt ist. So, wie am Sonntag gegen Bayern II. Denn da brach Torsten Lieberknecht ziemlich kurzfristig sein Innenverteidiger-Duo weg. Erst meldete sich Lukas Boede krank ab, dann musste Vincent Gembalies das Warmmachen abbrechen. Kurzerhand wurden zwei Außen- zu Innenverteidigern umfunktioniert und Arnold Budimbu in die Startelf geworfen. Das Ergebnis: Der MSV war den jungen Bayern trotz der Umstellungen in der Abwehr turmhoch überlegen und hätte eigentlich als deutlicherer Sieger das Spielfeld verlassen müssen. Und so befand auch Ivo Grlic - trotz der kurzen Zitterphase zum Ende des Spiels - nach der Partie korrekt: „Die Mannschaft hat heute ihre Reifeprüfung bestanden. Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass sie die plötzlichen Umstellungen so gut verkraftet hat.“

Zwei Prüfungen gibt es für die Duisburger bis zur Winterpause noch zu bestehen - beide auswärts. In der Fremde gibt es bei den Zebras noch Luft nach oben. Aber das ist angesichts von bärenstarken 37 Punkten nach 18 gespielten Partien meckern auf ganz hohem Niveau.