3. Liga: MSV Duisburg spielt 1:1 beim 1. FC Magdeburg

MSV verschenkt Sieg in Magdeburg : Bitterer Schlusspunkt

Der MSV Duisburg hat bei seinem Gastspiel beim 1. FC Magdeburg nur einen Punkt entführt. Leroy Mickels bringt die Gäste früh in Führung. Das Tor der Hausherren zum Endstand durch Tobias Müller fiel in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit.

Als auf der Tafel neben ihm eine Nachspielzeit von vier Minuten erschien, raufte sich MSV-Coach Torsten Lieberknecht wutentbrannt die wenigen Haare. Zum wiederholten Male an diesem Abend machte ihn eine Entscheidung der Unparteischen fassungslos. Vielleicht ahnte er da schon, dass der Abend noch eine bittere Wendung nehmen könnte. Und so kam es dann ja durch Müllers Last-Minute-Treffer auch. „Meine Mannschaft sollte den Kopf oben halten. Sie hat so viel investiert und so vieles richtig gemacht.“ Trotzdem ärgerte ihn das Ende der Partie natürlich. „Ich war über die Länge der Nachspielzeit überrascht. Aber das ist nicht der Punkt. Wir hätten vor dem Gegentreffer vielleicht vorher den Ball länger halten können. Am Ende war es dann einfach ein glückliches Tor für die Magdeburger.“

Lieberknecht setzte zu Beginn auf die bewährte Truppe, rotierte aber den seit Saisonbeginn bei jedem seiner Einsätze stark aufspielenden Leroy Mickels, der auf Links wirbelte, in die Startelf. Neuzugang Max Jansen nahm zunächst auf der Reservebank Platz. Die Magdeburger mussten ohne ihren berühmten Block U auskommen, der dem kollektiven Gehüpfe der Heimfans nicht mehr standgehalten hatte und umgebaut werden muss. Der guten Stimmung in der MDCC-Arena tat der Wegfall von gut 5000 Stehplätzen in der Nordkurve aber keinen Abbruch.

Zum Spiel: Die Hausherren begannen stürmisch und setzten den zunächst fahrig agierenden MSV mit hohem Pressing stark unter Druck. In der 4. Minute gab’s nach einem Sololauf von Sören Bertram Freistoß für den FCM aus 18 Metern, den Leo Weinkauf so eben noch entschärfen konnte. „Den hat er super pariert“, gab’s Lob von Lieberknecht. Drei Minuten später hatte Vincent Vermeij die erste MSV-Chance, verpasste im Zentrum aber knapp. In der 14. Minute zeigte Leroy Mickels, dass sein Coach mit seiner Aufstellung nichts falsch gemacht hatte. In typischer Mickels-Manier zog er von links nach innen und versenkte das Leder eiskalt aus gut 20 Metern im rechten Torwinkel - 1:0 für den MSV. „Das ist es, was ich gut kann und ständig trainiere. Es war ein unglaubliches Gefühl, als der Ball eingeschlagen ist. Das kann man kaum beschreiben“, schwärmte Leroy Mickels nach dem Abpfiff im Spielertunnel. Und auch Torsten Lieberknecht freute sich für seinen Schützling. „Der Junge hat vergangene Saison noch Oberliga gespielt und trifft dann hier so schön vor der Kulisse.“ Es war ein echter Wirkungstreffer, der den Gästen, die gegen nun leicht verunsicherte und tiefer stehende Hausherren mehr Kontrolle übers Spiel bekamen, mächtig Aufwind verschaffte. „Das Tor hat gesessen. Danach hat der MSV sehr erwachsen Fußball gespielt“, befand auch FCM-Trainer Stefan Janßen. In der 25. Minute hatten die 400 mitgereisten MSV-Fans den Torjubel schon wieder auf den Lippen, aber der Kopfball von Vermeij ging nur an den Pfosten. Das Spannenste der restlichen ersten Halbzeit: Das Privatduell zwischen Torsten Lieberknecht und dem reichlich kleinlich pfeifenden Schiedsrichter Jonas Weickenmeier.

In Durchgang zwei gab die Heimmannschaft den Ton an und hatte früh zwei gute Möglichkeiten. In der 60. Minute hätte eigentlich der Ausgleich fallen müssen, aber FCM-Stürmer Christian Beck verzog aus kurzer Distanz komplett blank vor Weinkauf ziemlich kläglich. Kurz zuvor mussten die Gäste wechseln. Arne Sicker ging mit einer Oberschenkel-Muskelverletzung vom Platz, für ihn kam Florian Brügmann. Der MSV dosierte seine Offensivbemühungen in Durchgang zwei doch sehr, wollte die Führung nicht wie zuletzt in Mannheim aus der Hand geben. Und der Plan schien aufzugehen - bis kurz vor dem Abpfiff. „Wir hätten einfach noch mehr drücken und mehr auf das 2:0 gehen müssen“, fand Torschütze Mickels. Und auch sein Trainer sah das so: „Das einzige, was ich meiner Mannschaft vorwerfe, ist, nicht den Deckel drauf gemacht zu haben.“ Denn den harmlosen Magdeburgern fehlten die Mittel, während die Gäste ihren Streifen einigermaßen souverän runterspielten. Doch dann kam die vierminütige Nachspielzeit. Und die nutzten die Hausherren zum am Ende doch ziemlich glücklichen Ausgleich durch Tobias Müllers Sonntagsschuss ins linke Toreck von Leo Weinkauf.

Dementsprechend bedient zeigten sich Florian Brügmann und Leroy Mickels nach dem Ende der Partie. „Dieses Tor hätten wir niemals noch kassieren dürfen, da haben wir alle die Orientierung verloren. Ich war ja auch involviert, als der Ball von meinem Rücken unglücklich abgeprallt ist. Wir hätten aber schon vorher die Konter besser zuende spielen müssen“, so Brügmann, dessen Freude über seinen ersten Ligaeinsatz für den MSV doch arg getrübt war. Und auch Torschütze Mickels war der Spaß über seinen Treffer etwas vergangen: „In der letzten Minute gegen einen heute nicht wirklich guten Gegner noch ein Tor zu kassieren, ist schon bitter.“

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