Stadt-Panorama tanzt mit dem TTC Schwarz-Gold Moers: "Man muss das Leben tanzen"

Stadt-Panorama tanzt mit dem TTC Schwarz-Gold Moers : "Man muss das Leben tanzen"

Schon seit Jahren bekomme ich die Pressemitteilungen des TTC Schwarz-Gold Moers. Eine Ahnung vom Tanzsport habe ich trotzdem nicht. Zeit, dies zu ändern, denke ich mir, und frage Pressewart Roger Hannig, ob er mich mit aufs Parkett nimmt.

Dass ich - bis auf seine Pressemitteilungen - überhaupt keine Berührungspunkte mit dem Tanzsport habe, weiß Roger bereits. Auch, dass sich mein bisheriges Interesse, sagen wir mal, in Grenzen hielt, habe ich gebeichtet. Doch ich werde überaus herzlich im Vereinsheim an der Dorfstraße 70 in Schwafheim begrüßt und fühle mich sofort willkommen. Am liebsten würde ich gar direkt das Parkett stürmen, aber als Roger mir Anna Salita vorstellt, nutze ich die Chance, zunächst einen ganz besonderen Einblick in den Tanzsport zu bekommen.

Anna ist in diesem Jahr 3. der deutschen Meisterschaften im Latein-Tanz geworden, startet für den TTC Rot-Weiß-Silber Bochum und trainiert in Schwafheim die Latein-Turniergruppe. Ein richtiger Profi also. Im Gespräch bekomme ich daher schnell eine Ahnung davon, dass "Tanzen viel mehr als Bewegung zur Musik ist". Sechsmal die Woche trainiert Anna mit ihrem Partner Artur Balandin. Ausdauer, Fitness, Ballett, Technik, Choreographien - das Training ist abwechslungsreich und fordernd.

Vorsichtig frage ich nach: "Muss denn dann diese Aufmachung sein?" Tanzen sei wie Theater, entgegnet mir Anna: "Jeder Tanz erzählt eine Geschichte. Wir schlüpfen in eine Rolle und tragen ein Bühnen-Make-up, das in unterschiedlicher Beleuchtung und auch noch von Weitem gut erkennbar sein muss." Dass die Mimik, wie ich behaupte, aufgesetzt aussehe, weist Anna von sich: "Das fühlen wir in diesem Moment wirklich." Ihr mache es einfach Spaß, "gemeinsam etwas zu kreieren und eine message rüberzubringen". "Tanzen ist unser Leben. Und das Leben muss man tanzen, das wusste schon Nietzsche", antwortet sie mit funkelnden Augen auf die Frage, was der Sport ihr bedeute. Und an dieser ehrlichen Begeisterung ist gar nichts Aufgesetztes, das spüre ich.

Welche Tänze kann ich also lernen? Der Tanzsport unterscheide zwischen Latein und Standard, wird mir erklärt. Zum Ersten gehören Samba, Rumba, Jive, Paso Doble, Cha-Cha-Cha. Bei diesen Tänzen gäbe es mehr Freiraum in der Bewegung. Tango, die verschiedenen Arten des Walzers, Foxtrott, Slowfox und Quickstep würden hingegen in geschlossener Handhaltung und im ständigen Körperkontakt getanzt.

Der einsteigerfreundlichste Tanz? Roger schlägt den Tango vor. "Auch für Talentlose?", frage ich. "Talent wird überbewertet", entgegnet er; auf Taktgefühl, Körperspannung, Durchhaltevermögen und Biss komme es an. Und er fügt hinzu: "In den über 30 Jahren haben meine Frau und ich rund 6.000 Paaren das Tanzen beigebracht. Es gab nur zwei, die es nicht gelernt haben."

Hört sich gut an, dann können wir ja jetzt die Musik anschmeißen und los geht's - denke ich, fälschlicherweise, denn "Musik ist eine Einschränkung für Anfänger".

Wir beginnen mit einem Tango-Grundschritt, merken soll ich mir nur: "Rechts beginnt hinten!" Und dann geht's los. Gehen, gehen, Wiegeschritt, Abschlussschritt. Ich mache: Gehen, gehen, Wiegeschritt, latsch auf den Fuß vom Tanzpartner, stolper. Also nochmal von vorne. Statt einem Wieeegeschritt mache ich dieses Mal zwar einen Wiegegeschritt, aber sonst schwebe ich leicht wie eine Feder übers Parkett. Gefühlt. Den Roger hat's einfach drauf. Nach dieser Schrittfolge von einem großen Talent zu sprechen, ist noch zu früh, aber meine Körperhaltung wird gelobt. "Gerade stehen" könne ich. Immerhin! Ich übe weiter.

Eine kleine Vorstellung, wie Tanzen funktioniert, wenn die Partner vertraut miteinander sind, bekomme ich zum Abschluss. Ohne Martina drauf vorzubereiten, schnappt sich Roger seine Frau und legt nacheinander einige Figuren aus unterschiedlichen Tänzen aufs Parkett. Er sagt nichts, aber sie nimmt einfach die von ihm gesendeten Impulse auf. "Wenn ich Martina anfasse, weiß ich sofort wie sie sich fühlt", schwärmt Roger von dieser Verbundenheit. Und ich bin überzeugt: Gemeinsam das Leben zu tanzen, ist etwas Wunderbares.

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