Hombergs Trainer Stefan Janßen: "Der Klassenerhalt wäre höher zu bewerten als der Aufstieg"

VfB Homberg in der Regionalliga - Trainer Stefan Janßen im Interview : „Der Klassenerhalt wäre höher zu bewerten als der Aufstieg“

Am Samstag, 27. Juli, 14 Uhr, startet der VfB Homberg mit der Partie gegen SV Bergisch Gladbach 09 in die Regionalliga West. Stadt-Panorama-Redakteurin Claudia Basener hat Hombergs Trainer Stefan Janßen diese Woche zum Interview getroffen.

Stadt-Panorama: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ober- und Regionalliga?

Stefan Janßen: Gefühlt sind’s zwei Ligen. Die Regionalliga ist für mich die erste Profiliga in Deutschland. Nur Bergisch Gladbach, Haltern und wir arbeiten unter reinen Amateurbedingungen, alle anderen arbeiten mindestens halbprofessionell bis professionell. Die Vereine können Fußballspieler beschäftigen, die nichts anderes machen müssen als Fußball spielen. Ich glaub, die Jungs von Rot-Weiss Essen hatten unter Titz die ersten zwei Wochen einen Acht-Stunden-Tag.

Und wie sah die Vorbereitung bei euch bisher aus?

Wir haben nichts großartig anders gemacht als sonst. Wir trainieren an drei Abenden die Woche, während der Saison wird eine vierte Abendeinheit hinzukommen. Die Jungs mussten deutlich mehr im Bereich Kraft trainieren – auch in Eigenregie. Man wird in der Regionalliga sehen, dass die Physis extrem wichtig ist.

Worauf wird es diese Saison außerdem ankommen?

Dieses tolle Ereignis „Aufstieg“ darf nicht zum Boomerang werden. Bedeutet: Wir dürfen nicht anfangen, uns zu zerfleischen, weil wir nicht mehr diesen Flow haben. Außerdem müssen wir Erfolg anders definieren: Wenn wir den Klassenerhalt schaffen würden, würde ich diesen höher bewerten als den Aufstieg.

Fünf Mannschaften müsstet ihr hinter euch lassen, um die Klasse sicher zu halten...

Ja, die Regionalliga ist härter als die in den letzten Jahren: Du hast ’ne 19er-Liga, in der das Tabellenbild immer ein bisschen schief ist, du hast zwei Absteiger aus der 3. Liga und du hast mit Schalke einen Aufsteiger, der eigentlich kein Aufsteiger ist. Die magischen 40-Punkte werden wohl nicht reichen. Hinzu kommt, dass der Meister in diesem Jahr nicht direkt aufsteigt, sondern in die Relegation muss - und damit auch in der Liga bleiben könnte.

Worauf lag der Fokus bei der Kaderplanung?

Das Budget gibt es nicht her, dass wir uns Spieler bei den ersten 5 der Regionalliga aussuchen können. Aber wenn ich ehrlich bin, möchte ich auch nicht, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Der Verein darf seine DNA nicht aufgeben, nur weil man jetzt in so ’ner Liga spielt. Wir müssen uns mit dem wehren, was wir haben. Alles andere wären nicht wir. Dann wären wir nicht authentisch und das wäre der erste Schritt in die falsche Richtung. Unsere Neuzugänge passen da hervorragend zu uns. Ich bin davon überzeugt, dass der Charakter aller acht Spieler einwandfrei ist. Die Integration lief von beiden Seiten sensationell gut - und nur mit diesem Teamspirit kann es gehen.

Und die Neuzugänge bringen ja auch ein bisschen Erfahrung aus höherklassigen Ligen mit...

Ich bin sehr froh, dass wir Robin Urban von uns überzeugen konnten, der auch schon in der 3. Liga gespielt hat. Kacinoglu, Serdar und Dias wissen ebenfalls, worum es in dieser Liga geht. Sie hatten in den letzten Monaten in ihren Vereinen etwas Pech und sollen bei uns zu alter Stärke zurückfinden. Aber auch „unsere“ Jungs haben ja schon Erfahrungen gesammelt: Patrick Dertwinkel z.B. hat in Gladbach Regionalliga gespielt. Und ich bin überzeugt, dass Spieler wie Mike Koenders oder Danny Rankl, der regelmäßig in der Oberliga über 20 Mal trifft, die Liga auf jeden Fall gut spielen können.

Wie konkurrenzfähig schätzen Sie Ihre Truppe ein?

Ich glaube an meine Jungs, ich glaube an den Charakter und die Leistungsstärke. Ich bin überzeugt, dass wir noch nicht am Ende unserer Leistungsfähigkeit sind. Es werden Gegner kommen, die uns deutlich unsere Grenzen aufzeigen, aber wenn wir es schaffen, unseren Teamgeist beizubehalten, dieses „der eine läuft für den anderen“, dann wird das für den ein oder anderen Punkt sorgen. Aber jetzt zu sagen, dass wir uns mit RWE messen können, weil wir mit ihnen in einer Liga zusammen spielen, wäre ja Humbug. Man kann immer mal so einen Gegner schlagen, aber man darf nicht anfangen sich mit solchen Teams zu vergleichen.

Welchen Fußball dürfen wir erwarten?

Wir können nicht mehr so offensiv agieren und so hoch verteidigen wie letzte Saison, das wäre nun wahrscheinlich Selbstmord. Aber wir werden auch nicht mit ’ner 10–0–0-Taktik spielen, da habe ich keine Lust zu und meine Jungs auch nicht. Wir wollen natürlich versuchen, einen vernünftigen Fußball nach vorne zu spielen, mit einem klaren Plan, der sich je nach Gegner ändern kann. Und wenn es jemand schafft, uns seinen Stempel aufzudrücken, müssen wir uns wehren.

Im ersten Spiel geht’s gegen den Mitaufsteiger aus Bergisch-Gladbach. Danach folgen RWE und Lotte. Zufrieden mit dem Spielplan?

Vielleicht ist es ein Vorteil, dass wir RWE und Lotte noch direkt am Anfang haben. Beide Clubs haben enorm viele Neuzugänge und wenn die erstmal eingespielt sind, wird’s immer schwerer - was nicht bedeutet, dass es jetzt leicht wird.

Auf welche Partie freuen Sie sich am meisten?

Über allem steht RWE in der MSV-Arena. Ich bin seit 44 Jahren MSV-Mitglied, die meisten von uns sind MSV-Fans. In einem offiziellen Spiel dort im Stadion zu Gast zu sein, ist ein großer Traum, der in Erfüllung geht. Und ich sage es an dieser Stelle jedes Mal: Wir nehmen den MSV-Fans nichts weg, das ist ganz anders zu bewerten als Uerdingen letzte Saison.

Was wünschen Sie sich für dieses Spiel?

Wir würden uns freuen, wenn die König Pilsener-Fankurve ausverkauft wäre, wenn da 10.000 MSV-Fans stehen, die an dem Tag mal für uns sind - und wenn sie auch einfach nur „Duisburg“ schreien. Aber diesen Zusammenhalt zu zeigen – davon träumen meine Jungs und ich. Ich wäre froh, wenn alle, die an diesem Tag nicht mit dem MSV nach Braunschweig fahren, zu uns kommen und uns mal unterstützen, auch wenn das nur eine einmalige Geschichte ist. Damit wir als Duisburg nicht in Unterzahl gegen Essen sind.