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: „Heimat ist da, wo Familie und Freunde sind“

: „Heimat ist da, wo Familie und Freunde sind“

Christian Ehrhoff weiß, was es heißt, ständig auf gepackten Taschen zu sitzen. Während seiner einzigartigen Eishockey-Karriere hat er viele Städte und Vereine gesehen, war zu unzähligen Auswärtsspielen in der nordamerikanischen NHL, der DEL und mit der deutschen Nationalmannschaft unterwegs. Nach seinem Wechsel von den Chicago Blackhawks zu den Kölner Haien im Jahr 2016 war für ihn sofort klar, wo es für ihn und seine Familie hingehen soll: Nach Hause, an den schönen Niederrhein.

Niederrhein. Und hier ist es nicht nur sofort wieder glücklich sesshaft geworden, hier hat er sich nach seinem Karriereende im vergangenen Jahr auch mit dem Gesundheits- und Athletikzentrum CE10 ein neues berufliches Standbein geschaffen. Ehrhoff: „Heimat ist da, wo die Familie und die Freunde sind. Heimat ist da, wo man sich richtig wohl fühlt. Und für meine Frau und mich ist das der Niederrhein.“

Es hat sich so einiges geändert im Leben von Christian Ehrhoff. Der trotz des aktuellen NHL-Höhenflugs von Leon Draisaitl wohl immer noch bekannteste deutsche Eishockeyspieler hat im März vergangenen Jahres die Schlittschuhe an den Nagel gehängt. Ganz bewusst. Und, obwohl er noch ein Jahr Vertrag hatte und locker noch ein paar Spielzeiten hätte dran hängen können. Die körperliche Fitness stimmte, aber das Feuer loderte nicht mehr ausreichend stark. Neben dem Wunsch nach einem geregelteren Alltag und noch mehr Zeit für seine drei Töchter und seine Frau kam wohl auch die Enttäuschung über das sportliche Abschneiden in der Domstadt dazu. „Denn eigentlich bin ich nach Köln gegangen, um noch mal um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Das hat aber leider nicht geklappt“, trauert der 37-Jährige der finalen Krönung seiner Karriere ein wenig hinterher. Wobei es ja nicht so ist, als hätte er nicht schon mal die DEL-Trophäe in den Händen gehalten. Hat er nämlich. In der Saison 2002/2003 holt er den Pott mit den Pinguinen. Und hat sich damit in der Seidenstadt unsterblich gemacht. „Das war, neben der olympischen Silbermedaille, sicherlich einer der emotional schönsten Momente meiner Karriere. Die Meisterschaft nach 52 Jahren ohne Titel zu dem Verein, mit dem ich groß geworden bin, zu holen, war schon etwas ganz Besonderes.“ Da passt es ganz gut, dass Ehrhoff als sportliches Aushängeschild der Stadt heute wieder in Krefeld lebt. Ländlich, ruhig und ein wenig zurückgezogen.

Dass es nach der Zeit in den USA zurück an den Niederrhein geht, stand für das Ehepaar Ehrhoff stets fest. „Meine Frau kommt aus St. Tönis. Wir sind beide sehr heimatverbunden und haben beide unsere Familie und Freunde hier.“ Auch im Sinne seiner Kinder war der Schritt nach Hause ein wichtiger, gerade angesichts der vielen Umzüge auf der Zielgraden seiner Karriere. Mit den Buffalo Sabres, den Pittsburgh Penguins, den Los Angeles Kings und den Chicago Blackhawks spielte Ehrhoff am Ende seiner US-Karriere bei vier Clubs in drei Jahren.

Und klar, „hätten wir irgendwo zehn Jahre am Stück in einer Stadt verbracht, wäre es für meine Kinder und uns sicherlich schwerer geworden, die Zelte abzubrechen.“ So aber war klar, dass es zurück an den Niederrhein geht. „Für uns und die Kinder ist es jetzt einfach schön, angekommen zu sein, ein beständiges Umfeld zu haben. Und es ist schön, dass Großeltern und Tanten und Onkel immer da und verfügbar sind.“

Tagtäglich pendelt er nach Moers, eine weitere wichtige Stadt am Niederrhein in der ehrhoff’schen Vita. Hier ist Christian Ehrhoff aufgewachsen und groß geworden, hier hat er seine Liebe für die Eishalle entdeckt. Und hier geht er heute auch wieder seiner Arbeit nach. Der typische Tag im Leben des Christian Ehrhoff sieht grob so aus: „Um kurz nach sieben schellt der Wecker. Dann machen meine Frau und ich zusammen die Kinder für die Schule und den Kindergarten fertig. Anschließend fahr ich oder meine Frau die Kleine und die Mittlere mit dem Auto zu Kindergarten und Schule. Und dann geht es auch schon nach Moers ins CE10, wo ich immer bis mittags bin. Danach ist dann wieder Familie angesagt. Bei drei Mädels bleibt wenig Zeit für Ruhe, da muss immer eine irgendwo hingebracht werden.“ Die Zeit mit der Familie saugt er richtig ein, „schließlich rennt die Zeit an einem vorbei; eh man sich versieht, sind die Kinder groß.“ Wobei es auch während seiner aktiven Karriere nicht so war, dass er wenig Zeit mit seiner Familie verbracht hätte. „Ich hab nicht viel verpasst, war zwischen den Trainings und den Spielen immer zu Hause.“ Der Sport spielt noch eine große Rolle. Christian Ehrhoff ist fit, richtig fit. 19 Jahre Profisport, 862 Spiele in der NHL und 314 in der DEL hat er schadlos überstanden. Bis auf eine Augenverletzung zu Karrierebeginn hat er, wie viele seiner Weggefährten, keine ernsthaften Verletzungen erlitten. Und Folgeschäden des Vollkontaktsports auf glattem Geläuf hat er auch nicht davongetragen.

„Da bin ich gut aus der Sache rausgekommen, meine Knie und Schultern sind noch absolut okay. Ich hab einerseits sicherlich Glück gehabt, war andererseits aber auch immer sehr diszipliniert, habe immer gesund gelebt und immer meine Übungen gemacht. Das mache ich auch immer noch.“ Die Ernte dafür fährt er heute ein. Wenn es die Zeit erlaubt, geht er mit Freunden auf den Golfplatz oder zum Tennis spielen. „Ich hab früher auch in den Sommermonaten Golf gespielt. Aber jetzt habe ich endlich die Zeit, es richtig zu betreiben.“

Golf ist eine zeitraubende Angelegenheit. Und es macht richtig demütig. Das weiß auch Christian Ehrhoff, dessen Handicap bei 18,8 liegt. „Leider noch“, schmunzelt er. Aber er arbeitet hart dran, es zu verbessern. Dafür ist er zu sehr Sportler. „Die Tendenz geht nach oben. Aber es gibt auch Tage, wo ich die Golfschläger gerne in die Ecke schmeißen würde.“ Und das Sieger-Gen kann er auch im Alltag nicht immer in die Schublade packen. „Die Einstellung, dass ich gewinnen will, ist schon immer noch da – manchmal auch bei Gesellschaftsspielen mit der Familie“, lacht Ehrhoff.

Anderseits weiß er auch, dass er ohne seinen ausgeprägten, natürlichen Ehrgeiz nie da gelandet wäre, wo er während seiner Top-Karriere gelandet ist. „Das war immer schon mein innerer Antrieb. Meine Eltern haben mich immer unterstützt, haben auch mich aber auch früher nie antreiben müssen. Ich wollte immer schon jeden Tag hart trainieren, das stand nie zur Diskussion.“ Als Gesellschafter des CE10 Gesundheits- und Athletikcenter an der Moerser Bismarckstraße ist er beruflich gut eingespannt. Eingestiegen ist er dort, weil das Unternehmen, bei dem er in physiotherapeutischer Behandlung war, in die Insolvenz gehen musste. „Und da habe ich mit gemeinsam mit zwei Freunden die Zahlen angeschaut und dann entschieden, dass wir es übernehmen wollen.“ In emsiger Arbeit entstand ein neues Konzept, ein neuer Name, ein neues Auftreten, eine neue Ausrichtung. Vor dem Neustart nahmen die Gesellschafter viel Geld in die Hand, um die Räume an der Bismarckstraße komplett zu sanieren und renovieren und mit der neuesten Fitness-Technik auszustatten.

„Wir haben alles komplett neu gemacht“, berichtet Ehrhoff, der sagt, dass sein Unternehmen in der Entwicklungsphase sei. „Wir entwickeln uns gut, aber es gibt als junges Unternehmen immer noch viel Arbeit. Wir leiten jetzt gerade die nächsten Schritte ein.“

Wo Christian Ehrhoff wohl in zehn Jahren steht, vermag er nicht wirklich zu sagen. Klar, Eishockey könnte für ihn, dann als Trainer oder Funktionär, wieder ein großes Thema werden. An Angeboten mangelt es ihm seit dem Ende der aktiven Karriere nicht. Zusätzlich sei ihm klar, dass alleine die immer weiter wachsenden Kinder neue Herausforderungen mit sich bringen würden. Und eine weitere Sache sei auch klar: Der Niederrhein wird dann, „auch wenn man nie weiß, was sich entwickelt“, sicherlich immer noch sein zu Hause sein…