Der MSV-Coach zieht Trainingslager-Bilanz: Lieberknecht setzt starke Zeichen

Der MSV-Coach zieht Trainingslager-Bilanz : Lieberknecht setzt starke Zeichen

Torsten Lieberknecht zeigt sich am vorletzten Tag des Trainingslagers in Portugal sehr zufrieden. Mit den Bedingungen, dem Testspiel, und vor allen Dingen der Einstellung seiner Mannschaft. Die Winterpause hat der Zebra-Coach genutzt, sein Team ordentlich umzukrempeln .

Torsten Lieberknecht hat ja schon so einige Trainingslager als Trainer und auch als Spieler hinter sich. Das Vergnügen, unter der Sonne Portugals zu trainieren, hatte er aber bisher auch noch nicht. Nach sechs Tagen Algarve fällt sein Fazit reichlich positiv aus: "Ich habe mich ja überraschen lassen. Das war aber bisher das beste Trainingslager, das ich machen durfte. Das hat schon Format hier." Gründe dafür gäbe es reichlich, so der Zebra-Chefcoach: "Hier hat alles gepasst, der Rahmen ist perfekt. Die Bedingungen im Hotel und auf dem Platz sind top. Und beim Testspiel hat sich Portimonense als sensationeller Gastgeber gezeigt."

Am wichtigsten sei aber, so der Coach, dass sein Team die Winterpause bisher maximal genutzt habe. Und dass in allen Köpfen angekommen sei, wie ernst die Lage ist und was es nun zu machen gilt. "Man spürt, dass die Mannschaft mit ihren letzten Auftritten in der Liga unzufrieden war und sie sich jetzt noch mehr in die Pflicht nimmt." Viele kleine Dinge zeigen Lieberknecht, dass nun ein ganz anderer Zug drin sei. "Man spürt jetzt deutlich, dass die Mannschaft gemeinsam in eine Richtung gehen will. Sie sind bereit, richtig anzupacken. Es ist richtig Leben drin, es wird viel diskutiert. Das wurde vorher auch, nur jetzt sind die Diskussionen viel zielgerichteter."

Lieberknecht hat die Winterpause in der 2. Liga genutzt, seine Handschrift noch deutlicher zu hinterlegen. Schon vor der Winterpause hat er angekündigt, Dinge verändern zu wollen. Struktur und Chemie im Team hat er als verbesserungswürdig empfunden. "Da wollten und mussten wir aufgrund der Situation extern und intern Impulse setzen." Er sah kein Team, dass geschlossen in eine Richtung marschiert. Und er sah auch kein Team, dass den kompletten Ernst der Lage begriffen zu haben schien. Und so hat er reagiert. Als stärkstes Zeichen kann man den Wechsel im Kapitänsamt deuten. Auch wenn alle Beteiligten gebetsmühlenartig beteuerten, dass Kevin Wolze von sich aus zu dem Schluss gekommen ist, sein Amt zur Verfügung zu stellen: Die Realität ist mit Sicherheit eine andere. Wolze, der sein Amt wohl kaum freiwillig abgegeben hat, schien nicht in der Lage, die mannschaftsinternen Wogen zu glätten und alle Grüppchen im Team auch zu erreichen. Lieberknecht hat ganz genau reingehört in seine Truppe. Die hat klar formuliert, dass sie Gerrit Nauber oder Stanislav Iljutcenko als Kapitän haben will. Und so ist es dann auch gekommen.

Das Gefüge in der Mannschaft hat Lieberknecht durch seine Wunschtransfers durcheinander gewirbelt. Mit Havarad Nielsen und Joseph Baffoe hat er zwei alte Wegbegleiter aus Braunschweiger Tage zu sich geholt. "Ich weiß von beiden Jungs, dass sie nicht nur fußballerisch richtig stark sind, sondern auch charaktermäßig eine Bombe sind", verkündete er nach den Transfers. Und legte jetzt nach: "Die Jungs wollen helfen und sich integrieren lassen, werden aber auch integriert. Neuzugänge müssen nicht unbedingt immer sofort alle spielen, aber sie haben den Kader aufgewertet. In dem Punkt war Hilfe von außen notwendig." Ein deutlicher Hinweis, dass seine Mannschaft in Sachen Teamchemie und interner Stimmung ein wenig positiven Einfluss von außen gebrauchen könnte.

Nielsen hat sofort Verantwortung aufgebürdet bekommen und durfte vom ersten Tag an viel spielen. Das war auch in Portugal nicht anders - und der emsige Norweger macht seine Sache sehr gut. Joseph Baffoe hatte Pech und sich eine leichte Muskelverletzung zugezogen. "Da bin ich jetzt erst mal froh, dass es nichts Schlimmeres ist", pustete Lieberknecht durch, dass sich der befürchtete Muskelfaserriss nicht bestätigt hat.

Für ordentlich Wirbel sorgte auch der Wechsel im Tor. Denn einen Felix Wiedwald leiht man nicht für viel Geld aus, um ihn dann auf die Bank zu setzen. Und so muss sich Daniel Mesenhöler einmal mehr in seiner Karriere hinten anstellen. Das gehört zum Geschäft, aber man darf auch ruhig mal erwähnen, dass der Sommer-Neuzugang mit der Situation tadellos umgeht und zumindest nicht vernehmbar rumbockt. Das ist nur eines von vielen Indizien, dass Lieberknecht es geschafft hat, das Schiff zumindest von der Einstellung her auf Kurs zu bringen. Jetzt braucht der MSV Ergebnisse, mehr denn je. Denn ein weiterer Abstieg in Liga drei würde der finanziell noch immer arg angeschlagene MSV wohl nicht verkraften können ...

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