Hochfelder Erfolgsgeschichte

Hochfelder Erfolgsgeschichte

In ihrem ersten Jahr nach der Gründung marschieren die Fußball-Frauen des Duisburger FV 08 ungeschlagen durch die Kreisliga. Ähnlich gut läuft es bei den U17-Mädchen, die zum 2. Mal in den vergangenen drei Jahren Kreispokalsieger wurden und es in der Niederrheinliga bis auf den 2. Platz geschafft haben.

Vater des Erfolgs in Hochfeld ist Selahattin Demirbas, der auf Disziplin, gute Laune und Zusammenhalt über die Mannschaftsgrenzen hinaus setzt.

Highlight: Die U17 testete im 2016er-Trainingslager gegen Besiktas Istanbul.Foto: Dem.

Ohne Selahattin Demirbas, keine Frage, gäbe es in Hochfeld keinen Mädchenfußball. Vor rund zehn Jahren stampfte er seiner Tochter Aylin zuliebe bei FV 08 eine U13-Mädchenmannschaft aus dem Boden. Er rekrutierte Mädels aus der Fußball-AG an der Schule seiner Tochter, sammelte Geld für Trikots und Trainingsmaterial. Und er leistete stundenlange Überzeugungsarbeit bei den Eltern seiner zumeist muslimischen Spielerinnen. „Viele sahen das Ganze am Anfang skeptisch“, erinnert er sich. Heute säßen eben diese damals noch skeptischen Eltern auf der Tribüne und feuern ihre Töchter an. „Wir mussten aufklären und Vorurteile abbauen. Aber die Eltern haben dann schnell gemerkt, wie viel Spaß ihre Töchter haben. Und dass es besser ist, sie spielen Fußball, als dass sie einfach nur auf der Straße rumhängen.“

Skeptisch wurden die 08er-Mädels auch oft von ihren Gegnern beäugt. „Viele hatten Vorurteile. Und viele wollten uns provozieren. Aber wir lassen uns nicht provozieren“, sagt Ayca Gül, Kapitänin der erfolgreichen Frauenmannschaft. Selahattin Demirbas hat den Mädels Disziplin und Respekt eingeimpft. Und er hat es geschafft, dass der Hochfelder Verein mit zunehmendem Erfolg immer mehr Mädchen aus vielen verschiedenen Vereinen und Nationen anzog. Heute streifen sich nicht nur sieben deutsche Frauen das FV-Trikot über - Selhattin Demirbas trainiert Spielerinnen aus Italien, Kosovo, Griechenland und der Türkei.

Emily Aschendorff ist vom SuS Dinslaken 09 nach Hochfeld gewechselt - und hat es nie bereut. „Trainer und Mannschaft haben mich beeindruckt. Das sind tolle, starke Mädels hier. Es wird professionell trainiert und der Zusammenhalt ist ein ganz anderer“, schwärmt Emily Aschendorff. Auch Flüchtlinge werden regelmäßig ins Team eingebaut. So wie Amera. Die kam vor zwei Jahren aus dem Irak. Und hat an der Grunewald-Kampfbahn ein neues Zuhause gefunden. „Es macht mir so viel Spaß hier. Alle sind so nett zu mir“, schwärmt die junge Irakerin. Für Ayca Gül eine Selbstverständlichkeit. „Wir sind ein Team, wir halten zusammen. Und wir behandeln jeden gleich, egal, ob sie neu sind oder wo sie herkommen.“ Dabei ist die Freundschaft nicht auf den Fußballplatz beschränkt. „Wir verbringen eigentlich auch unsere komplette Freizeit miteinander und unternehmen alles zusammen“, berichtet die Kapitänin.

Worte, die Selahattin Demirbas gerne hört. „Mich macht das Ganze hier einfach nur stolz und zufrieden“, sagt er. „Ich habe 25 Töchter“, schmunzelt der Familienvater und blickt auf „seine Mädels“. Die passen sich gerade auf dem Rasenplatz an der Paul-Esch-Straße konzentriert die Bälle zu. Es ist ein warmer Maiabend. Und es ist Freitag. Trotzdem sind die FV 08-Mädels alle am Start. Zur Begrüßung gibt’s Handschlag und Begrüßungsfaust für den Coach, dann machen sich die jungen Frauen lachend ans Werk. U17 und Frauenmannschaft trainieren immer zusammen. Drei Mal pro Woche. Das macht auch Sinn, denn schließlich spielen sie auch oft zusammen. Hätten die U17-Mädchen in der abgelaufenen Saison nicht ständig im Seniorenbereich ausgeholfen - das Erfolgsprojekt Frauenfußball beim Duisburger FV 08 wäre Geschichte gewesen bevor es richtig begonnen hätte. So aber hetzten etliche U17-Mädels nach ihren Sonntagsvormittagsspielen in Gladbach, Duisburg und Rhede direkt nach Dinslaken, Mündelheim und Walsum.

Die Frauenmannschaft, mit Sondergenehmigung als 9er-Team angetreten, konnte nicht nur zu jedem Meisterschaftsspiel antreten - sie pflügte quasi durch die Liga. Keine Niederlage, 60 Punkte und ein Torverhältnis von 126:19 sprechen eine deutliche Sprache. Und geht es nach Demirbas, der mit seinen Mädels auch mal im Herbst in die Türkei ins Trainingslager fliegt, und der für die kommende Spielzeit auf einen wesentlich breiteren Kader zurückgreifen kann, geht der Weg weiter nach oben: „Wir wollen auch in der Bezirksliga oben angreifen. Das Potenzial haben wir definitiv.“ Das Projekt Frauenfußball beim Duisburger FV 08 ist weiter auf der Überholspur. Und ein Ende der Erfolgsgeschichte nicht in Sicht...

(Niederrhein Verlag GmbH)
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