Handball: MTV Rheinwacht Dinslaken spielt beim VfB Homberg

Handball-Regionalliga: Homberg empfängt die Mannschaft der Stunde : Wenn das Heim- zum Auswärtsspiel wird

Wenn der VfB Homberg am morgigen Freitagabend den Regionalliga-Spitzenreiter MTV Rheinwacht Dinslaken zum Heimspiel empfängt, werden die VfB-Fans vermutlich nicht in der Überzahl sein. Der Spitzenreiter kommt mit einem riesigen Fan-Tross über den Rhein.

Es wird ein seltsames Bild für alle, die es gut mit dem VfB Homberg halten. Wenn die Heimmannschaft am Freitagabend, 19 Uhr, aufs Parkett der Glückauf-Halle trabt, werden auf der Tribüne Banner, Fahnen, Transparente geschwenkt, werden Trommelschläge und Schlachtrufe durch die Halle schallen. Allerdings werden die Banner und Fahnen die Farben Rot und Weiß tragen, die Schlachtrufe der Auswärtsmannschaft gelten. Es ist eine richtige Fan-Lawine, die da von der Dinslakener Douvermannstraße aus ins Rollen gekommen ist. Der MTV hat sich im Laufe der letzten Jahre seine Fans zurück geholt. Was in der vergangenen Saison in der Oberliga begonnen hat, hat in dieser Regionalliga-Spielzeit nochmals größere Ausmaße angenommen. Der MTV ist schwer angesagt in Dinslaken. Und der märchenhafte Verlauf dieser Saison, in der der Aufsteiger als Tabellenführer tatsächlich die Chance zum Durchmarsch in Liga drei hat, hat die Euphorie natürlich nicht kleiner werden lassen. Die Douvermannhalle ist bei jedem Heimspiel „der Ersten“ bis unters Dach besetzt.

Aber besonders angesagt sind auch die Auswärtsfahrten. Eine kreative „Ultra-MTV“-Truppe um die eigene A-Jugend, Mitglieder der zweiten und dritten Mannschaft und viele Unterstützer aus deren Umfeld sind die Stimmungs-Schaltzentrale der Auswärtsfraktion. Im Vorfeld von Auswärtspartien werden in emsiger Heimarbeit Fahnen und Banner gebastelt und sogar kleine Choreographien ausgearbeitet. Der Supporter-Block hält mit seiner eindeutigen Meinung nicht hinterm Berg, schwingt manchmal auch die grobe Keule und hat schon den ein oder anderen Außenspieler der Heimmanschaften an den Rande der Verzweiflung gebracht.

Am Freitag setzt MTV-Abteilungsleiter Heinz Buteweg wieder einen Bus ein. Der wird mit rund 70 „MTV-Ultras“ bis auf den letzten Platz besetzt sein. Dazu kommen viele MTV-Anhänger, die sich im privaten PKW auf den kurzen Weg nach Homberg machen werden. Und so muss der VfB sicherlich mit mindestens 200 MTV-Fans rechnen, die das Auswärts- zum Heimspiel machen wollen. Von MTV-Coach Harald Jakobs gibt es schon seit Monaten immer wieder großen Applaus für die Unterstützer. „Das ist schon Wahnsinn, was wir in jedem Spiel an Unterstützung und Ermutigung von den Rängen bekommen.“ Jakobs weiß aber auch, wie das Ganze entstanden ist und sich so entwickeln konnte. „Das hat meine Mannschaft sich durch ihre Art und Weise Handball zu spielen und zusammen zu halten erarbeitet. Und sie haben es sich auch definitv verdient.“ Der Support von den Rängen, gerade bei Auswärtsspielen, ist ein großes Plus für den Aufsteiger. „Das hat uns in vielen engen Spielen, die es gab, einen Extraschub Motivation gegeben und natürlich sehr geholfen“, bestätigt der MTV-Coach.

Auf Homberger Seite freut man sich auf eine rappelvolle Glückauf-Halle. „Das ist doch für uns auch schön, dass so viele Dinslakener mitkommen und die Ränge mal wieder voll sind. Es ist alles angerichtet für ein schönes Derby“, freut sich VfB-Coach Achim Schürmann. Im VfB-Lager sieht man dem Spiel gegen den Tabellenführer gelassen entgegen. „Das ist das leichteste Spiel des Jahres für uns. Wir haben nichts zu verlieren und werden versuchen, den MTV so lange wie möglich zu ärgern“, gibt sich Rückraumspieler Mirko Krogmann entspannt. Trainer Mirko Schürmann hat größten Respekt vor der Leistung des Tabellenführers: „In der Hinrunde waren sie noch die große Überraschungsmannschaft. Das ist jetzt vorbei. Sie haben eine super homogene Truppe und mit Leuten wie Fabian Gorris einen Super-Regisseur, mit Max Reede einen starken Shooter und mit Dennis Backhaus einen echten Anführer. Dazu kommt Harald Jakobs als Trainer, der eine Super-Arbeit leistet.“ Dass die Homberger den MTV ärgern können, haben sie im Hinspiel in Dinslaken bewiesen. Bei der 27:30-Niederlage der Schwarz-Gelben waren die Gäste 60 Minuten lang ebenbürtig. Gerade Mirko Szymanowicz, der wieder einsatzfähig ist, und Marc Pagalies, die zusammen 15 Homberger Tore erzielten, bekam die MTV-Defensive gar nicht in den Griff. Schürmann: „Ich bin mir sicher, dass wir Dinslaken wie im Hinspiel wieder vor Probleme stellen können.“

Aber ja klar, gegen den Klassenprimus muss man nicht gewinnen. Gleichzeitig wird es langsam mal wieder Zeit, dass der VfB Homberg ein Spiel gewinnt. Denn der im Winter so entspannt anmutende Vorsprung auf die Abstiegsränge ist bis auf ein winziges Pünktchen geschrumpft. Seit Mitte Dezember gab es keinen doppelten Punktgewinn mehr für die Truppe von Achim Schürmann. „Bei uns ist gerade nichts wirklich einfach. Wir brauchen dringend Punkte.“ Und, zu allem Übel aus Homberger Sicht: Am Wochenende könnten sogar die Wölfe wieder am Stadtrivalen vorbeiziehen ...