Tag des offenen Denkmals: „Tor 1“, ehemaliges Hüttenwerk Rheinhausen

Tag des offenen Denkmals: „Tor 1“, ehemaliges Hüttenwerk Rheinhausen : Denkmäler pflegen und nutzen

Zum „Tag des offenen Denkmals“ am vergangenen Sonntag fand auch eine Veranstaltung zum „TOR 1“, dem Werkstor des ehemaligen Hüttenwerkes Rheinhausen, statt.

Der Friemersheimer Architekt Arno Gollner, der sich seit vielen Jahren für den Erhalt des Baudenkmals einsetzt, hatte in den Direktorenanbau des Casinos Bliersheim geladen, um in einem Bildervortrag die Entwicklungsgeschichte von „Tor 1“ nachzuzeichnen. Über den Tag verteilt nahmen zahlreiche Besucher/innen die Gelegenheit wahr, sich über das Baudenkmal zu informieren und sich bei einer Ortsbegehung selbst einen Eindruck zu machen. Im Anschluss bestand dann sogar die Möglichkeit sich in der ehemaligen Lehrwerkstatt an der Kruppstraße (heute das Aus- und Weiterbildungszentrum IKKE) ein großes Modell des einstigen Rheinhauser Hüttenwerkes anzuschauen und dort dann „Tor 1“ zu verorten.

Zur Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg verbüßten auch die Verantwortlichen der Firma Krupp ihre Strafe für Kriegsverbrechen (Rüstungsproduktion, Zwangsarbeiter...). Die Belegschaft des Stahlwerkes machte die Kruppschen Werksanlagen unter alliierter Kontrolle währenddessen wieder flott und nahm das Werk nach Entflechtung von Krupp in Eigenregie unter dem Namen Hüttenwerk Rheinhausen AG wieder in freien Betrieb.

Im Jahr 1957 sollte dann ein neu gestaltetes Werkstor die moderne Ausrichtung versinnbildlichen. Architekt Peter Neufert (1925 - 1999) lieferte den „ultramodernen“ Entwurf eines ypsilonförmigen „Spannbeton-Daches“, mit darunter befindlicher Pförtnerlounge. Wie eine Tragfläche oder ein Rotor mit Pilotenkanzel symbolisierte das 1958 fertiggestellte „Tor 1“ den Aufbruch (Es geht wieder aufwärts!) in die Moderne mit einer „zivilen Nutzung“ der Stahlproduktion.

Der Vortrag zum „Tor 1“ fand im Direktorenanbau des Casinos Bliersheim statt. Der Beamer projizierte historische Aufnahmen von „Tor 1“ an die Wand. Foto: NVM/Thorsten Vermathen

Fortan gingen hier täglich tausende Werktätige hinein und hinaus und das über Jahrzehnte. Ende der 1980er Jahre kam es dann zur Stahlkrise und zum legendären Arbeitskampf ums Hüttenwerk in Rheinhausen und am „Tor 1“ wurde über Monate Mahnwache bezogen und demonstriert. Am Ende vergebens: Sukzessiver (sozial verträglicher) Personalabbau begleitete das Hüttenwerk Rheinhausen bis zu seiner endgültigen Schließung 1993.

Nach einigen Jahren Dornröschenschlaf, wurde das riesige Werksgelände ab 1998 als Logistikstandort (Logport I) neu entwickelt und die alten Produktionsanlagen wurden vollständig rückgebaut. 2002 stand sogar zur Debatte das seit 1999 denkmalgeschützte „Tor 1“ abzureißen, weil ein neuer Kreisverkehr gebaut werden sollte. Dies konnte durch eine Bürgerinitiative verhindert werden. Zwischenzeitlich kam „Tor 1“ für einen symbolischen Euro sogar in private Hand. Aber eine geplante Umnutzung konnte leider nicht realisiert werden. Der Verfall des Denkmals schritt somit kontinuierlich voran. Vandalismus sorgte vor allem am Pförtnerhaus für große Schäden. Wieder im Besitz der Hafen AG (Duisport) wurde 2013 dann in einer radikalen Aktion das Pförtnerhaus kurzerhand abgerissen - unter Protest. Nach anschließend liebloser Neugestaltung (Steinmauer, Wiese und Anstrich) passiert seit sechs Jahren nichts mehr - der Verfall des Baudenkmals geht also weiter.

Im Anschluss an die Exkursion zum „Tor 1“ konnten Interessierte sich noch das große Modell des ehemaligen Hüttenwerkes Rheinhausen im Foyer der ehemaligen Ausbildungswerkstatt (heute IKKE) ansehen und sich auf die Suche nach „Tor 1“ machen. Foto: NVM/Thorsten Vermathen

Zwar wurde kurz vor dem Denkmaltag Grün-Schnitt betrieben und der eine oder andere Unrat im Bereich entsorgt, aber eher als Makulatur. Das Areal präsentiert sich mehr als ungepflegt, ebenso das Baudenkmal. „Der Bereich des `Tor 1´ dient als Hunde- und Menschentoilette und zum Abladen von Unrat. Darüber hinaus bestehen Bau-Mängel an der Dachentwässerung, die Stützpfeiler rosten und der Beton reißt. Ein Bauschadensgutachten muss hier erstellt werden. Mit etwas Farbe ist es jedenfalls nicht getan“, beklagt Gollner den traurigen Zustand des Denkmals. „Am besten wäre es immer noch, das `Tor´ 1 wieder mit einem denkmalwürdigen Gebäude zu komplettieren und einer geregelten Nutzung z.B. als Trucker-Imbiss und Kultureinrichtung zu zuführen. So könnte dann auch nachhaltige Denkmalpflege funktionieren.“

Es wäre also wünschenswert, wenn sich alle Beteiligten zeitnah an einen Tisch setzen würden, um eine nachhaltige Lösung für „Tor 1“ zu entwickeln. Weiterer Verfall und letztlich Abriss darf jedenfalls nicht sein!

(TV)
Mehr von Stadt-Panorama