1. Niederrhein

Aktion „Laternen Fenster“ geht viral: St. Martin gefällt das

Aktion „Laternen Fenster“ geht viral : St. Martin gefällt das

Die Aktion „Laternen Fenster“ geht gerade viral. Auch in sämtlichen Facebookgruppen aus unserer Region wird der Beitrag geteilt, der dazu aufruft, vom 1. bis zum 11. November beleuchtete Laternen ins Fenster zu hängen. St. Martin würde das gefallen.

Wie feiern wir das Martinsfest zu Coronazeiten? Eine Antwort auf diese Frage stammt aus St. Leon-Rot, einer kleinen Gemeinde in Baden-Württemberg. Hier lebt Jennifer Brenzinger mit ihrem Mann Matthias und den beiden Töchtern und arbeitet im Familienbetrieb, der Lichtschneiderei Brenzinger, wo diverse Sachen, von Vesperbrettchen bis Namensgirlanden, gelasert werden. „Da ich auch die Laternen für meine Kinder schon seit 2 Jahren mit dem Laser selbst mache, hatte eine andere Mama die Idee, dass ich ja Bastelsets anbieten könnte, jetzt, wo das gemeinsame Laternenbasteln im Kindergarten coronabedingt ausfallen muss“, erzählt die 34- Jährige. Doch als sie die Motive fertig hat, kommt ihr der Gedanke, dass die Kinder ihre Laternen in diesem Jahr gar nicht auf einem Martinsumzug präsentieren können. Und das, obwohl „ihre Kinder es lieben, mit ihren Laternen spazieren zu gehen“. Das Spazierengehen ist natürlich kein Problem, es laufe sich aber schöner mit einem Ziel vor Augen, denkt sich die Mutter und überlegt: „In unserem Ort gibt es jedes Jahr die Aktion ’Adventsfenster’. Da wird ein Wohngebiet festgelegt und 24 Haushalte dekorieren ihre Fenster mit Fensterbildern und es wird von 1 bis 24 durchnummeriert. Das könnte man doch auch mit Laternen machen. Am besten wäre natürlich, wenn ganz viele Menschen Laternen in die Fenster hängen würden, damit man beim Spazierengehen auf jeden Fall auch eine findet.“

Familien Brenzinger ist dank der schönen Idee von ihrer Mama nun deutschlandweit bekannt. Foto: Brenzinger

Zunächst bespricht sie die Idee mit der Kindergartenleitung, diese holt auch die anderen Einrichtungen vor Ort ins Boot. Einer Veröffentlichung im Gemeindeblatt und der Verteilung von Flyern folgt ein Facebookaufruf, „vom 1. bis zum 11. November Laternen in die Fenster zu hängen und sie mit Lichterketten oder LED-Teelichtern zum Leuchten zu bringen“: „Vor allem für Kinder ist dies eine schöne Alternative, wenn sie mit ihren selbst gebastelten Laternen spazieren gehen und die leuchtenden Laternen in den Fenstern bewundern können. Ganz im Sinne von St. Martin wollen wir in dieser schwierigen Zeit mit Hilfe der Laternen Hoffnung schenken. Gemeinsam schaffen wir das!“, ist sich die Initiatorin sicher.

Und trifft damit den Nerv von vielen. Ihr Beitrag wurde mittlerweile über 26.000 Mal geteilt, bundesweit. Damit habe sie nun wirklich nicht gerechnet, staunt Jennifer Brenzinger immer noch. Inzwischen beantwortet sie täglich E-Mails aus ganz Deutschland (wie z.B von uns) und bekommt Anfragen von diversen Fernsehsendern. Alle wollen wissen, wer die Frau hinter der Aktion ist. Ihre Antwort: „Ich bin einfach nur eine Mama, die wollte, dass ihre Kinder Freude an Laternen haben und das Gemeinschaftsgefühl spüren können. Corona nimmt uns dieses Jahr so viel, vielleicht können die Laternen den Kindern ein bisschen was zurückgeben.“

„Ossenberg leuchtet“ heißt es in dem Rheinberger Ortsteil. Leuchten wir doch einfach alle mit! Foto: Carsten Kämmerer

Wir leuchten mit

Auch bei uns gibt’s übrigens viele Menschen, die sich übers Martinsfest Gedanken gemacht haben. Wie zum Beispiel in Rheinberg, wo sich die acht Sankt-Martinskomitees schon im September darauf einigten, „dass St. Martin auch ohne Züge lebt“: „St. Martin steht für eine zentrale Botschaft: das Teilen. Auch und gerade in diesen schweren Zeiten der Corona-Pandemie. Es geht um die soziale Verantwortung aller füreinander. Über die Grenzen der Konfessionen hinweg ist es das Erinnern an die Grundlagen der Nächstenliebe.“ Man hoffe daher, auf ein schönes Lichtermeer - und zwar pünktlich zum Martinstag am 11. November. Das Ossenberger Martinskomitee St. Josef geht jetzt noch einen Schritt weiter und wünscht sich, dass vom 9. bis zum 15. November, Fenster und Vorgärten mit Lichterketten, Lampions und Laternen geschmückt werden. „Wenn wir unser Licht und damit die Freude teilen, ist dies sicher auch ganz im Sinne von St. Martin“, so Rudi Tepas. Stimmt. Da gibt’s nicht nur von dem Herren mit dem roten Mantel ein dickes „Gefällt mir!“