Bürgergruppe protestiert gegen Rheinverbot in Ossenberg: Wo geht’s hier zum Rheinufer?

Bürgergruppe protestiert gegen Rheinverbot in Ossenberg : Wo geht’s hier zum Rheinufer?

Viele Jahre war es in Ossenberg selbstverständlich über Trampelpfade an den Rhein zu gelangen. Jetzt passen zwei Ranger auf, dass der Zugang zum Rheinufer nur noch an Rheinkilometer 804,5 geschieht. Zu schlecht zu erreichen, sagt eine Bürgergruppe und will ein weiteres Teilstück freigegeben bekommen. Zu wenig Ahnung von den örtlichen Gegebenheiten hatte unsere Redakteurin und machte sich daher am Mittwochvormittag auf nach Ossenberg.

Mein Ausgangspunkt ist die Ossenberger Schleuse, die Ausgangslage ist folgende:

Seit Mitte Juli sorgen zwei Ranger dafür, dass naturschutzrechtliche Vorschriften in den Weseler Naturschutzgebieten wie dem Orsoyer Rheinbogen eingehalten werden. Zu den Vorschriften gehört u.a., das Rheinufer nicht zu betreten, wo man möchte, sondern sich an die Wegeführung zu halten.

Das hat man in Ossenberger zuvor allerdings nicht getan, schließlich sei die Nutzung der Trampelpfade und der Aufenthalt am Ossenberger Rheinufer bisher geduldet worden und hätte sich so zur alltäglichen Praxis entwickelt, wie Marco Hofmann, einer der Initiatoren des Bürgerprotestes, berichtete. Das konsequente Durchsetzen des Rheinverbots wird hier als „massiver Einschnitt in das private Naturerlebnis“ gewertet. Dass „keinerlei Flächen für Menschen, die ihre Freizeit in der Natur verbringen möchten, ausgewiesen werden“, sei eine nicht hinnehmbare Einschränkung: „Damit wird den Bürgerinnen und Bürgern ein identitätsstiftender Naherholungsbereich zunehmend vorenthalten“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Die Bürgergruppe wünsche sich daher, „dass die Fläche in Ossenberg, in der der Moersbach in den Rhein fließt, und die ca. je 300 Meter links und rechts neben dem Rheinkilometer 805 weiterhin bzw. wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden.“

Diese Bitte hat die Gruppe bereits an Landrat Ansgar Müller herangetragen. Ich habe sie gegenüber der Pressestelle des Kreises Wesel wiederholt und folgende Antwort erhalten: „Der Zugang zum Rhein im Bereich von Rheinstromkilometer 804,5 (die Feuerwehrzufahrt ist ein vorhandener Weg, der auch bis zum Rhein begangen werden kann) war und ist auch weiterhin für die Erholungssuchenden möglich. Grundsätzlich ist das weitere Vordringen von dort ins Schutzgebiet gem. den Festsetzungen des Landschaftsplanes nicht zulässig.“

Auf zu Kilometer 804,5

Diese Feuerwehrzufahrt soll also mein Ziel sein. Zwar bin ich nach anfänglichen Orientierungsproblemen und zeitintensiven Ortserkundungen endlich auf dem richtigen Weg unterwegs, aber wo es hier ans Rheinufer gehen soll, kann ich nicht sehen. Laut zwei Radfahrern ist der Zugang „dahinten“, eine Joggerin bestätigt dies. Das hört sich erreichbar an! Doch während ich den Deich entlang marschiere, beschleicht mich das Gefühl, dass zwischen „hier“ und „dahinten“ einige Meter liegen und die Markierungssteine unten am Deich verraten mir, dass es sich eher um Kilometer handelt.

Als ich nach 15 Minuten immer noch keine Feuerwehrzufahrt in der Ferne erkennen kann, bleibe ich stehen. Ich habe keinen Bock mehr. Es ist windig, es ist kalt, ich habe Hunger. Aber soll ich die ganzen Meter umsonst gemacht haben? In diesem schwachen Moment überholt mich ein älterer Herr. Der Zugang sei auf Höhe der Baumgruppe, zeigt er mir. Er laufe auch in diese Richtung, sein Auto stehe dort am Parkplatz. Ein Parkplatz - wie verlockend. Doch zurücklaufen und mit dem Auto hinfahren gilt nicht: „Ich bin ja heute ein Ossenberger Spaziergänger“, denke ich und bereue bald, denn wer schon mal einen Deich entlang gelaufen ist, ahnt, was jetzt kommt: Die Baumgruppe ist weiter entfernt als es scheint.

„Ein Verweis auf eine weit entlegene kleine Stelle kann doch nicht ernsthaft die Antwort auf die Bitte sein, dass auch Menschen, die den Niederrhein lieben, gerne ein wenigmehr typische Naturlandschaft, in der sie sich verantwortungsvoll zu verhalten und für Ordnung und Müllfreiheit einzutreten versprechen, nutzen wollen“, erinnere mich an den Einwand von Marco Hofmann auf den Verweis des Kreises Wesel auf Rheinkilometer 804,5.

Endlich am Rhein

Ich brauche ca. eine halbe Stunde von der Ossenberger Schleuse bis zum Rheinzugang - das allerdings im
wadenunfreundlichen Stechschritt. Heute ist hier am Rheinufer nichts los, es sieht auch ziemlich nach Regen aus. Bei schönem Wetter und am Wochenende sei der Andrang jedoch groß und die Erholungssuchenden würden sich dann regelmäßig sowohl stromauf- als auch stromabwärts in das Naturschutzgebiet hinein bewegen. Viel Müll und wenig Rücksicht brächten sie mit. Und das obwohl das Gebiet unentbehrlichen Lebensraum für zahlreiche seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten darstelle, erklärt der Kreis Wesel, warum zwei Ranger weitere Stellen sperren würden.

Als ich aufs Wasser schaue, bin ich im Zwiespalt: Für alle Menschen, die sich in der Natur zu benehmen wissen, tut es mir leid, dass sie unter Verboten leiden, die wegen denjenigen aufgestellt werden müssen, die keinen Respekt vor Flora und Fauna haben.

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