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Kita Wolkenblick macht’s wie St. Martin: Teilen mit der Tafel Rheinberg

Kita Wolkenblick macht’s wie St. Martin : Teilen mit der Tafel Rheinberg

Teilen wie St. Martin - das kann auch die DRK-Kita Wolkenblick und hat zahlreiche Spenden für die Tafel Rheinberg gesammelt. 320 Personen werden hier momentan regelmäßig versorgt. Tendenz steigend.

Unter dem Motto „geben-teilen-spenden“ wurden in der Kita Wolkenblick vom 26. Oktober bis zum 9. November haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel und gut erhaltenes Spielzeug für die Tafel Rheinberg gesammelt. Die Idee stammt vom Elternbeirat, denn „auch wenn das Martinsfest nicht wie gewohnt gefeiert werden kann, soll die Botschaft des Teilens mit Leben gefüllt werden.“

Und die Familien teilten fleißig: Sieben Umzugskartons mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln, vier Umzugskartons mit Spielzeug und zwei Umzugskartons mit Kuscheltieren konnten diese Woche an Tanja Braun, Koordinatorin der Tafel, übergeben werden. „Großartig. Solche Aktionen sind so wichtig für uns“, dankt sie allen Spender*innen.

Die Tafel Rheinberg gibt es seit 17 Jahren. Zur Zeit werden hier 80 Haushalte regelmäßig mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgt. Ein Drittel sind Senior*innen, rund die Hälfte Familien, die wenigsten arbeitslos. Das sei so ein gängiges Vorurteil, erklärt Tanja Braun, die bereits seit 14 Jahren für die Tafel aktiv ist und ihre „Kunden“ genau kennt: „Der Großteil geht arbeiten, aber es reicht einfach nicht zum Leben.“ Ständig steigende Mieten, horrende Nebenkosten - da reicht ein Gehalt häufig nicht, um die Familie durchzubringen. „Wir haben hier Leute aus Pflegeberufen, aber auch welche, die als Verkäufer im Laden arbeiten“, nennt Tanja Braun zwei Berufsgruppen, in denen es viel zu häufig Geringverdiener gibt.

Und Corona macht es nicht besser: Knapp 30 der 320 Personen sind in der Pandemie dazugestoßen. Kurzarbeit und nicht gezahlte Unterstützungsgelder bei einem gleich bleibenden Kostenapparat bedeuten für viele ein Leben am Existenzminimum.

Der Gang zur Tafel fällt aber nicht leicht, man möchte nicht als „Schmarotzer“ dastehen, hat Angst, stigmatisiert zu werden. „Wir haben Menschen hier, die weinen, weil sie nicht verstehen, wie es trotz Job und allem so weit kommen konnte“, berichtet Tanja Braun, die ihre Kunden als äußerst wertvoll ansieht: „Es werden viel zu viele Lebensmittel weggeschmissen. Sie sind unsere Lebensmittelretter.“ Wer sich dies bewusst macht, erlebt die Tafel bald auch als Begegnungsstätte. Vor Corona gab es z.B. jeden Dienstagnachmittag ein Café, das gerade von alleinstehenden Senioren gerne genutzt wurde. „Das sind Angebote, die jetzt schmerzlich fehlen“, weiß Braun, stellt aber auch klar: „Die Gesundheit hat Vorrang. Es geht jetzt einfach nicht.“ So sind auch nicht mehr alle der 45 Ehrenamtler (im Alter von 15 bis 82 Jahren) vor Ort. Diejenigen, die zur Risikogruppe gehören, arbeiten momentan nicht. Der Rest ist in immer aus denselben Personen bestehenden Kleingruppen eingeteilt, Hygienevorschriften, Maskenpflicht und Abstandsregeln werden konsequent umgesetzt.

Die Ausgabe der ein Euro teuren, vorgepackten Lebensmitteltüten findet zur Zeit vor dem Eingang statt, es muss das mitgenommen werden, was drin ist. Eingepackt werden Obst, Gemüse und haltbare Lebensmittel. Während alles Frische von den Supermärkten kommt, stammen Mehl, Nudeln, Reis, Tee oder ähnliches ausschließlich von Spendern. Ebenso wie die Hygieneartikel, die an der Ausgabe nach Bedarf für einen Euro pro drei Stück mitgenommen werden können.

Weihnachtsgeschenke

Zur Weihnachtszeit gibt es noch eine ganz besondere Aktion: Bis zum 22. Dezember können Schuhkartons, Pakete, Tüten oder ähnliches, die mit kleinen Geschenken befüllt sind, bei der Tafel abgegeben werden. Sie bestimmen selbst, für welche Altersklasse Sie packen und was Sie reintun. Nur Alkohol ist ausdrücklich verboten. Die Präsente werden dann am 22. bei der Ausgabe an die Kunden der Tafel verteilt.

Dies alles werden übrigens auch die Kinder in der Kita Wolkenblick noch erfahren. Da momentan keine Führungen in den Räumlichkeiten der Tafel angeboten werden können, haben die Eltern bei der Übergabe fleißig Fotos gemacht und bereiten gerade Plakate vor, die die Arbeit der Tafel kindgerecht darstellen. Wetten, dass die Kids ganz schön staunen werden, dass eine Kugel Eis in der Eisdiele so viel kostet wie eine Tüte Lebensmittel bei der Tafel?!