1. Niederrhein

Oliver Fischer ist von Motocross- und Enduro-Rennen begeistert: Nur Schnelligkeit ist Trumpf

Oliver Fischer ist von Motocross- und Enduro-Rennen begeistert : Nur Schnelligkeit ist Trumpf

"Im Grunde geht es darum, die Grundgeschwindigkeit auf dem Strand zu halten, um nicht auf dem Sand weg zu rutschen! Wer zu langsam ist, stürzt!" Oliver Fischer weiß, wovon er redet, denn mehr als einmal ist der Beecker Jung schon in Le Touquet dabei gewesen.

Le Touquet, das ist seit mehr als 40 Jahren das Strandrennen, das allen Enduro- und Motocross-Piloten das Herz höher schlagen lässt. Gut 1.000 Fahrer trafen sich deshalb auch in diesem Februar wieder in der Normandie, um hier das klassische 3-Stunden-Rennen zu absolvieren. Unterhalb von Boulogne-sur-Mer gelegen, starten die Teilnehmer auf glattem Strand, der schnurgerade verläuft. Bis zur ersten Kurve werden auf diesem Abschnitt bis zu 180 Stundenkilometer erreicht. Obwohl solche Crossrennen meist mit nur wenigen Blessuren und Verletzungen ablaufen, kam es in diesem Jahr doch zu einem Unfall, an dem zehn Fahrer beteiligt waren, die sich zum Teil schwer verletzten. "Da war ich zum Glück weit von weg", beschreibt Oliver Fischer, der mit seiner Maschine insgesamt sechs Runden schaffte. Eine beachtliche Leistung, denn auch der Sieger 2015, der Franzose Adrien van Beverien kam nur auf 14 Runden in dem 3-Stunden-Rennen.

Dabei geht die Runde nach der Startgerade direkt in die Dünen, die zusätzlich mit Sprunghügeln, Sandhügeln und Schikanen ausgestattet sind. Hier trennt sich dann schnell die Spreu vom Weizen, zeigt aber auch, dass die Motorkraft der Maschinen längst nicht allein das Kriterium für Sieg oder Niederlage ist. Vielmehr braucht man massig Kondition, denn "ohne diese ginge hier gar nichts außer Krämpfe", beschrieb Sportjournalist Niels Juhlke. An den Dünen zeigt sich dann endgültig, dass Langsamkeit auf dem Sand nichts bringt. Das Eingangszitat "die Grundgeschwindigkeit auf dem Strand zu halten" wird hier zur Entscheidung über Sieg oder Niederlage. Man müsse quasi wie auf einer Woge über dem Sand schwimmen. Wer zu langsam ist, bleibt stecken und wer dann noch ein paar Mal zu viel am Gashahn dreht, gräbt sich unweigerlich mit dem Hinterrad in den Sand ein bis nichts mehr geht. So bilden sich schnell Trauben von Fahren am Fuße der Dünen, die ungeduldig darauf warten, dass die Vorderleute ihre Maschinen wieder aus dem Sand befreit haben und weiter fahren. Für Oliver Fischer, der als 14-jähriger das stadt-panorama als Bote verteilte und zwischenzeitlich Inhaber von zwei Fahrschulen war und heute als Medizinproduktberater beschäftigt ist, sind Motocross und Enduro-Rennen ein Hobby, dem er schon lange frönt. Neben dem großen Rennen in Le Touquet, zieht es ihn auch nach Holland, Belgien oder England, um seine beiden Maschinen in unterschiedlichsten Rennen zu fahren. Doch dabei sei das ganze klar ein Hobby, denn immer nur von Rennen zu Rennen fahren, um dazwischen Bodybuilding und Konditionsaufbau zu betreiben, könne er sich kaum vorstellen, beschreibt er und fügt noch an: "Profis fahren auf einem Niveau, bei dem sie nie wissen, ob sie nächste Woche wegen großen Verletzungen Monate pausieren müssen!" Die müssten immer Alles geben, damit sie siegten. Damit steige aber auch ihr Risiko.

Er selbst trainiert häufiger in Holland auf alten Halden, Sandpisten, Schotterwegen und ähnlichem. Im heimatlichen Umfeld gebe es kaum Gelegenheit zum Training, da die Flächen fehlen. Ganz wichtig ist ihm jedoch auch, dass er immer Schutzkleidung trägt: Stiefel, Hose, Jacke, Helm, Knieorthesen, Rückenprotektor, Handschuhe, Motorradbrille und sogar ein Neck Brace ( Nackenschutz ) der verhindert, dass die Wirbelsäule im Halsbereich übermäßig überdehnt wird.

Und trotzdem: Auch ihn hat es in den zwanzig Jahren, die er den Sport ausübt, schon erwischt. Sein Wadenbein war gebrochen, nachdem er der Streckeneinfriedung zu nah gekommen war. Drei Monate mussten seine Maschinen auf ihn warten, bis es wieder los ging.

Los geht es jedoch schon bald wieder, wenn er Ende Mai mit seiner Enduro nach Frankreich fährt. Dort werden rund 600 Kilometer an drei Tage absolviert, wobei jede einzelne Etappe rund 200 Kilometer Umfang hat und jeweils in der Stadt Mende startet. Da alle drei Routen in schematischer Darstellung an ein dreiblätteriges Kleeblatt erinnern, heißt das Rennen auch "Trefle Lozerien". Die Besonderheit dieser Veranstaltung liegt darin, dass nur die jeweiligen Sonderprüfungen über Sieg oder Niederlage entscheiden, sonst kann man die Abschnitte dazwischen in relativer Gemütsruhe durchfahren. Das "Département Tarn" verwöhnt dabei mit einer überaus wild-romantischen Landschaft, die an vielen Stellen den Eindruck vermittelt, dass hier noch nie je mand war.

(vowie)