Der Wal im Rhein als Gütesiegel für den Gewässerschutz: Nicht nur sauber, sondern Rhineheart

Der Wal im Rhein als Gütesiegel für den Gewässerschutz : Nicht nur sauber, sondern Rhineheart

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Seit heute Vormittag schnitzt Jörg Mazur im Binnenschifffahrtsmuseum an Rhineheart, dem Denkmal für den Wal im Rhein. Und konnte gleich hohen Besuch empfangen.

Der Wal im Rhein traf sozusagen auf seine politischen Vertreter: Hans van der Werf, Generalsekretär der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, und seine Stellvertreterin Katrin Moosbrugger nämlich schauten bei Rhineheart vorbei. Sie waren nebenan im Museumsrestaurant Schiffchen, um dort Georg Hötte zu verabschieden, einen weiteren „Big Player“ auf dem Rhein: Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt, Geschäftsführer der Rhenus PartnerShip und der Bilgenentölungsgesellschaft. Bei einem Rundgang durchs Museum wurde Katrin Moosbrugger dann auf das Walprojekt – prominent postiert im Eingangsbereich – aufmerksam. Auch Generalsekretär Hans van der Werf gesellte sich gerne für ein Foto dazu.

Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt mit Sitz in Straßburg ist die internationale Organisation, die das Regelwerk für die Rheinschifffahrt erarbeitet und festlegt. Wenn sich beispielsweise vorm Amtsgericht Ruhrort, einem von insgesamt fünf Rheinschifffahrtsgerichten in Deutschland, Reeder oder Binnenschiffer in einem Rechtsstreit nicht einig werden, ist die Zentralkommission die höchste Berufungsinstanz. 1815 auf dem Wiener Kongress gegründet, ist die Zentralkommission die erste und gleichzeitig auch die älteste noch heute bestehende internationale Organisation weltweit.

Was das mit Rhineheart zu tun hat? Jede Menge!

Rhineheart ist von Jörg Mazur konzipiert als lächelnder Repräsentant der Reinheit des Rheins – nicht ohne Grund: Als der Beluga 1966 bei einer Bundespressekonferenz in Bonn auftauchte, konnte jeder sehen, dass das Tier dank der damaligen „Kloake Rhein“ mit Ekzemen übersät war. Schon wenig später wurden Umwelt- und Gewässerschutzgesetze auf den Weg gebracht. Nicht wenigen gilt das Auftauchen des Wals im Rhein deshalb als Wende in der Umweltpolitik.

Und hier kommt die Rheinschifffahrt ins Spiel. Die Binnenschifffahrt gilt als der umweltfreundlichste aller Verkehrsträger. Schon früh hat man sich um Verbesserungen bemüht – insbesondere in Duisburg: Hier nahm im Frühjahr 1958 der erste, auf den Namen Helene getaufte Bilgenentöler auf dem Rhein seinen Dienst auf. Das Boot steht heute – unter seinem letzten Dienstnamen Bibo 2 – im Freiluft-Innenhof des Binnenschifffahrtsmuseums. Bis dahin pumpten Binnenschiffer – ohne gegen ein Gesetz zu verstoßen – alles ins Wasser, was sich in der Bilge ihrer Schiffe so ansammelte: Lecköl aus Treibstoff- und Schmierölleitungen, aus dem Motor abgelassenes Altöl und Wasser, das über die Außenhautdurchführung der Antriebswelle dort eingedrungen war. Erst mit den Bilgenentölern gab es eine Entsorgungsmöglichkeit. Die Zentralkommission schließlich hat mit dem „Übereinkommen über die Sammlung, Abgabe und Annahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt“ (Abkürzung CDNI, nach dem französischen Namen) eine verbindliche Regelung für die Bilgenentölung bzw. -entwässerung geschaffen, mit der auch die Kosten zwischen den Unterzeichnerstaaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande und Schweiz aufgeteilt werden.

Und deshalb kann sich Katrin Moosbrugger auch vorstellen, Rhineheart wenigstens für eine gewisse Zeit auf dem Balkon des Palais du Rhin, des Rheinpalastes aufzustellen. In diesem repräsentativen Bau, der 1889 als Kaiserpalast für Wilhelm II. fertiggestellt wurde (Straßburg gehörte damals zum Deutschen Reich), residiert die Zentralkommission.

Als sympathischer Grenzgänger und Völkerverbinder wäre Rhineheart in der Europastadt Straßburg bestens aufgehoben. Schließlich war das Verbindende, die Tatsache, dass der Wal im Rhein Menschen zusammenbrachte und jede Menge Solidarität erfuhr (die Orangen!), ein Hauptantrieb für Jörg Mazur, sich mit Rhineheart und seiner Geschichte zu befassen. Aber auf Dauer wollen wir ihn natürlich hier in Ruhrort haben, damit er bei Hochwasser auf der Mühlenweide dann tatsächlich aus dem Rhein heraus lächelt.

Noch bis einschließlich Samstag schnitzt Mazur täglich von 10 bis 17 Uhr im Binnenschifffahrtsmuseum an Rhineheart und kann dort kostenlos besucht werden. Am Sonntag ist dann Finale im Ex-Uni-Polster-Gebäude an der Beekstraße – allerdings geht Rhinehearts Reise danach weiter. Geld für den Guss soll via Crowdfunding gesammelt werden. Ideen für Promotion-Rheinfahrten mit Rhineheart gibt’s auch schon – inklusive Starauftritt in Straßburg!

Fotos von den jüngsten Stationen der Heimat für Rhineheart gibt’s auf unserer Facebook-Seite (hier klicken).

(Niederrhein Verlag GmbH)
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