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Zeitintensives Ehrenamt: Zwei Schiedsfrauen für Neukirchen-Vluyn

Zeitintensives Ehrenamt : Zwei Schiedsfrauen für Neukirchen-Vluyn

Monique Jaegers ist die neue Schiedsfrau für Neukirchen. Die 36-jährige übernimmt von Heiko Massold, der nach zehn Jahren aus persönlichen Gründen das Amt abgegeben hat. Sonja Püskens bleibt weiterhin Schiedsfrau für Vluyn.

Schiedspersonen sind Ehrenamtler und können von den Bürgerinnen und Bürgern zur Schlichtung streitiger Angelegenheiten bestellt werden. Das können nachbarschaftsrechtliche Dinge wie der berühmte Streit am Maschendrahtzaun, aber auch Strafsachen wie Verletzung der Ehre, Verletzung des Briefgeheimnisses oder Körperverletzung sein. Ziel ist ein Vergleich, den beide Parteien gemeinsam mit der Schiedsperson ausarbeiten.

Im Durchschnitt gäbe es zehn Fälle pro Jahr, die in einem Vergleich enden, erklärt Andreas Klimaschka, Vorsitzender des „Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen – Bezirksvereinigung Krefeld Moers“. Zunächst ist das Vorgespräch mit dem Antragssteller, dann das Gespräch mit dem Antragsgegner zu führen und schließlich sollte bei einer Verhandlung zwischen den beiden Parteien vermittelt werden. Das Ergebnis muss so festgehalten werden, als wenn es ein gerichtlicher Vergleich wäre. Ein ziemlich zeitintensives Ehrenamt, bedenkt man, dass es zusätzlich noch bis zu 18 „Tür- und Angelfälle“ zu bearbeiten gilt, bei denen letztendlich kein Antrag gestellt wird und der Hinweis „Sprechen Sie erstmal mit Ihrem Nachbarn“ dann doch reicht.

„Leider hat unsere Gesellschaft verlernt miteinander zu reden“, berichtet Sonja Püskens (48), die bereits seit 2015 Schiedsfrau in Neukirchen-Vluyn und seit 2017 zusätzlich als Geschäftsführerin und stv. Vorsitzende des „Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen – Bezirksvereinigung Krefeld Moers“ tätig ist. In Vluyn gehe es hauptsächlich um nachbarschaftrechtliche Angelegenheiten. Auffällig sei, dass die Menschen zunehmend egoistischer werden, sich nicht mehr um ihre Nachbarn scheren und schneller zur Anzeige tendieren. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. „Fürs Schiedsamt braucht man kein abgeschlossenes Studium oder so, das Wichtigste ist, zwischen Menschen vermitteln zu können“, sagt Klimaschka.

Das juristische Know-how gibt’s in Seminaren. Steuerfachwirtin Monique Jaegers bekommt im Februar eine eintägige Einführung ins Schiedswesen, der Aufbaukurse folgen, und besucht im März einen zweitägigen Workshop zum Thema Nachbarschaftsrecht. Wichtig wird auch die Einarbeitung ins Strafrecht sein, denn in Neukirchen gehe es schwerpunktmäßig um Dinge wie Beleidigungen und Drohungen. Und obwohl sie erst am 1. Januar angefangen hat, hat es die erste Anfrage bereits gegeben und auch die zweite Kontaktaufnahme sei „in der Pipeline“.

Am Dienstag wurde Monique Jaegers vereidigt und ihr Vorgänger Heiko Massold (49) für seine langjährige Tätigkeit geehrt. Dr. Monika May, stv. Direktorin vom Amtsgericht Moers, nahm dies nicht nur zum Anlass, um sich bei den Schiedspersonen zu bedanken („Sie nehmen dem Amtsgericht eine Menge Arbeit ab. Die schlimmsten Fälle für uns sind die, bei denen es um 15 cm Efeuranke geht.“), sondern auch, um an die Bürgerinnen und Bürger zu appellieren: „Die Ausübung eines Ehrenamtes ist keine Selbstverständlichkeit. Wie der Name schon sagt, dem Amtsinhaber gebührt Ehre.“