1. Niederrhein
  2. Neukirchen-Vluyn

Die erste Woche im Rathaus: Ralf Köpke will Tempo aufnehmen

Die erste Woche im Rathaus : Ralf Köpke will Tempo aufnehmen

Eine Woche ist Ralf Köpke nun als Bürgermeister von Neukirchen-Vluyn im Amt. In einer Videopressekonferenz berichtete er über seine ersten Eindrücke, über aktuelle Themen und seine Pläne für die Zukunft.

Am 2. November bezog Ralf Köpke sein Büro im Rathaus. Dass er bereits um 7 Uhr auf der Matte stand, hätte die Mitarbeitenden überrascht: „Ich bin Frühaufsteher, das war bei meinem Vorgänger wohl anders“, so Köpke mit einem Augenzwinkern. Zeit für die Eingewöhnung bleibt ihm nicht. Als Bürgermeister ist er gleichzeitig Vorsitzender des Corona-Krisenstabs und erarbeitet noch am ersten Tag mit den anderen Bürgermeistern des Kreises Wesel und dem Landrat Ingo Brohl die Allgemeinverfügung.

Und Corona bestimmt auch die folgenden Tage. „Ich durfte zwar schon viele Beschäftigte im Rathaus kennenlernen, aber aufgrund von Corona konnte ich nicht von Büro zu Büro gehen, so wie es eigentlich geplant war. Das wird aber auf jeden Fall nachgeholt.“

Den Donnerstag und den Freitag der ersten Woche nutzte Köpke, um mit den einzelnen Dezernenten über Themen wie Niederberg, Vluyner Hochhaus, Neukirchener Ring oder Neukirchener Feld zu sprechen. „Ich möchte in alle Angelegenheiten mehr Tempo bringen“, so der Bürgermeister.

Niederberg

Besonders wichtig sei ihm die Entwicklung auf Niederberg. Bereits eine Woche vor Amtsantritt fand ein Brain-storming im Rahmen eines Workshops bezüglich eines Kompetenzzentrums der wir-4-Städte, das auf Niederberg „zentral platziert“ werden könnte, statt. „Dieses Zentrum soll als Schnittstelle von Unternehmen zur Hochschule Rhein-Waal fungieren, aber auch eine Begegnungsstätte für Bürger*innen werden“, erklärt Köpke die Idee, die noch recht vage formuliert ist: Austausch mit den hiesigen Unternehmen und eine feste Beziehung zu der Hochschule Rhein-Waal und der Uni Duisburg-Essen zwecks Wissenstransfer scheinen im Fokus zu stehen.

Ein geplantes Treffen bei der RAG MI mit Investor Jürgen Tempelmann, der die Südostfläche der ehemaligen Zeche zum neuen Kreativquartier entwickeln möchte, wurde aufgrund der aktuellen Situation verschoben. Köpke kündigt aber an, hier schnellstmöglich im persönlichen Gespräch nachhaken zu wollen, warum das Unterfangen ins Stocken geraten ist.

Das Hochhaus

Auch in Sachen Hochhaus hat Köpke erste Gespräche geführt – „den halben Schrank voller Ordner, den Harald Lenßen übergeben hat“, müsse er aber noch abarbeiten. Feststehe: „Ich will weiter Druck ausüben. Mir geht es darum, dass nicht wieder 10 Jahre verstreichen ohne eine Lösung zu finden. Der Turm muss weg.“ Der Weg dahin würde nur über Gespräche führen: „Ich will den Eigentümer zeitnah hierherholen und mir anhören, wie seine Vorstellungen sind. Von mir aus lade ich in hier einmal die Woche ein und werde solange mit ihm diskutieren, bis wir eine vernünftige Lösung haben.“ Im Wahlkampf wäre behauptet worden, dass Köpke persönliche Beziehungen zu dem Eigentümer David Willis haben würde. Das würde nicht stimmen, so der Bürgermeister.

Bezahlbarer Wohnraum

Das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ steht ebenfalls ganz oben auf der Agenda von Ralf Köpke, denn davon gebe es einfach zu wenig in Neukirchen-Vluyn und man dürfe „nicht locker lassen“. Am Neukirchener Ring würde es positive Signale geben, dass es dort trotz Ablehnungsbescheid nun doch weitergehen könnte. Am Neukirchener Feld sähe es hingegen nicht gut aus, da die politische Mehrheit eine Bebauung ablehnen würde. Man müsse nun schauen, wie man damit umgehe.

Haushalt

Neben vielen Gesprächen über Neukirchener-Vluyner Themen gibt es natürlich die Dinge, um die sich jeder Bürgermeister kümmern muss. Wie den städtischen Haushalt. Schon die ersten Tage im Amt musste Ralf Köpke zahlreiche Anträge von Unternehmen auf „Stundung der Gewerbesteuer“ unterzeichnen. Die Haushaltssituation sei derzeit sehr angespannt und Corona mache es nicht besser: „Es ist mit einem Defizit von mehreren Millionen zu rechnen“, so die Prognose. Zum Teil sei dies mit Finanzierungshilfen aufzufangen. Es stehe nun eine umfangreiche Einarbeitung in das Thema an.

Digitalisierung

Weiter vorantreiben, wolle Ralf Köpke auch die Digitalisierung im Rathaus. Neu eingerichtet wurde der Ausschuss für Digitales, Nachhaltigkeit und Wirtschaftsförderung, der direkt dem Bürgermeister zugeordnet ist, der sich freut, dass „der digitale Ausschuss nun ein politisches Handlungsfeld geworden ist.“

Politik: stabile Mehrheit

Für die Zukunft aller Themen sei nun sehr entscheidend, dass sich die politischen Gegebenheiten im Rathaus klären. Eine stabile Mehrheit sei ihm wichtig, sagt Köpke, dem zugetragen wurde, dass der ständige Wechsel in den letzten Jahren Prozesse blockiert hätte und aufgrund von Grabenkämpfen die Atmosphäre im Stadtrat nicht gut gewesen sei. „Mir ist eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Ratsfraktionen wichtig. Gute Projekte müssen auf den Weg gebracht werden, egal von wem die Idee stammt.“

Bürgernähe

Und Anfragen von Bürger*innen müssen schnell beantwortet werden. „Ich möchte den guten Draht, der im Wahlkampf entstanden ist, pflegen“, lautet Köpkes Anspruch. So habe er in der ersten Woche bereits zahlreiche E-Mails, Whats App- und Messenger-Nachrichten von Bürgerinnen und Bürgern abgearbeitet. Für viele Anfragen, die er aus dem Wahlkampf mitgenommen hatte, wären mit den Mitarbeitenden in den jeweiligen Ämtern bereits Lösungen auf den Weg gebracht worden. Ein virtuelles Treffen mit dem Fridays For Future-Sprecherkreis steht noch diese Woche an. „Wir sind hier im Rathaus gut aufgestellt, um Ihre Anliegen schnell zu beantworten. Wenden Sie sich also an uns, wir kümmern uns!“ Ab dem Frühjahr soll sich dann auch bei den Bürgersprechstunden etwas ändern, so der Plan des Bürgermeisters: „Ich möchte die Sprechstunde nicht mehr nur im Rathaus abhalten, sondern auch dort hingehen, wo ich im Wahlkampf gewesen bin: zu den Menschen in den Stadtteilen.“