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Reaktivierung der Bahntrasse: NV braucht Geld für den Zug

Reaktivierung der Bahntrasse : NV braucht Geld für den Zug

Eine Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Neukirchen-Vluyn und Moers wird teuer - das hat die Machbarkeitsstudie gezeigt, die im Februar im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wurde. Nun soll die Frage nach Förderwürdigkeit geklärt werden.

Geld für die Reaktivierung der Bahntrasse wäre da, sagte Verkehrsminister Hendrik Wüst 2018. Und das wäre auch bitter nötig, wenn man sich die Machbarkeitsstudie anschaut. Schon für die kleine Lösung, bei der von Niederberg aus zum Moerser Bahnhof im 60 Minuten Takt ein Bummelzug mit 25 km/h fährt, werden Kosten von rund 26 Mio. Euro prognostiziert. Bei der großen Lösung mit einem Regionalexpress im 30 Minuten Takt über Moers bis nach Duisburg lägen die Investitionskosten bei rund 45 Mio. Euro. Die Ertüchtigung der Gleise, Bahnübergänge, Ersatz für die NIAG, die die Gleise noch nutzt, eine Erweiterung der Gleise (Stichwort: entgegenkommender Verkehr) und Lärmschutz - das alles kostet.

Die Stadtverwaltung sucht nun nach einem Termin, um die betroffenen Nachbarkommunen, den Kreis Wesel, die NIAG und den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) an einen Tisch zu bekommen und die Ergebnisse der Studie zu erörtern. Mit Spannung wird erwartet, was die Moerser sagen, hier hatte es in der Vergangenheit unterschiedliche Ansichten bezüglich der zukünftigen Nutzung der Bahnstrecke gegeben. „Von Seiten der Stadt Moers gab’s kein Interesse ein zusätzliches Gleis in Betrieb zu nehmen“, berichtet Bürgermeister Harald Lenßen aus Gesprächen im November 2018.

Ziel dieser gemeinsamen Erörterung soll schließlich die Durchführung einer vollständigen standardisierten Bewertung der Reaktivierung sein, welche die Erreichung der Förderwürdigkeit sicherstellen soll. Doch auch ein standardisiertes Verfahren kostet Geld, von einem sechsstelligen Betrag ist die Rede. Das Problem: Erst in 2022 kann ein Förderantrag für die Reaktivierung gestellt werden. Man müsste also die Politik über das in Auftrag zu gebende standardisierte Verfahren beschließen lassen, ohne zu wissen, ob Fördergelder „in Teilen“ oder „später mal“ fließen würden, berichtet Lenßen. Zur Diskussion stände außerdem nach wie vor auch noch die Nutzung der Trasse als Radschnellweg oder für den E-Busverkehr. Diese Betrachtung bedeute aber nicht, dass die Stadtverwaltung ein Gegner der Niederrheinbahn wäre: „Die Lösung muss realistisch und wirtschaftlich sein, sie darf nicht zu großen Teilen den städtischen Haushalt belasten“, so der Bürgermeister, „doch wenn das Land die Reaktivierung möchte, was ich gut fände, dann wäre ich dabei. Und wenn ein Minister sagt, es wäre Geld da, muss es auch abrufbar sein.“

Stadtverwaltung weist
Kritik zurück

Am Vorgehen der Stadtverwaltung gab’s Kritik, die diese nun entscheidend zurückweist. Für Irritation hätte die Aussage gesorgt, dass die Stadtverwaltung nicht die Hilfe des VRR in Anspruch genommen hätte. Das sei so nicht richtig, stellt der Technische Beigeordnete Ulrich Geilmann klar. Nachdem 2018 der Antrag der SPD, die Machbarkeitsstudie zur Niederrheinbahn für Neukirchen-Vluyn zu aktualisieren, vom Rat beschlossen worden war, hätten Gespräche mit dem VRR stattgefunden. Dieser lieferte mit der Vorlage eines Leistungsverzeichnisses die Grundlage für die Ausschreibung der Machbarkeitsstudie. Zudem gab’s eine Liste mit fachlich geeigneten Ingenieurbüros. Auch Kritik an der gefahrenen Zeitschiene wird zurückgewiesen. „Aufgrund des mündlichen Zwischenberichts im Stadtentwicklungsausschuss im November 2019 konnten wir nicht handeln“, sagt Lenßen, „ohne schriftliche Grundlage hätten wir mit niemanden reden können.“

Und das soll ja jetzt geschehen. Zeitfenster für die große Lösung, die als „am wirtschaftlichsten und förderwürdigsten“ beurteilt wird: 10 Jahre.