Entwicklung des südlichen Areals des ehemaligen Zechengeländes: Kreativrevier für Niederberg

Entwicklung des südlichen Areals des ehemaligen Zechengeländes : Kreativrevier für Niederberg

Lange war nicht klar, was mit dem Gelände rund um die beiden Fördertürme und den Backsteindreiklang passieren soll, nun ist’s raus: Hier soll ein klimafreundliches Kreativrevier entstehen.

Diese besondere Stelle verdient eine besondere Idee. Schon in den Sommerferien letzten Jahres entwickelten einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung einen Plan für den letzten offenen Entwicklungsbaustein der Fläche Niederberg: Baufelder für ein Wohngebiet, Hotel, Gastronomie, Dienstleistung, Nahversorgung, besonderer Einzelhandel, eine Mobilitätsstation (was sie beinhaltet wird auch von der Entwicklung der Trasse abhängen), Gewerbe mit Energie-Schwerpunkt und einen Bürgerpark mit Tiny-Houses (winzige Häuser, üblicherweise 15qm) sind eingezeichnet, ein repräsentatives Gewerbe gut sichtbar zur Niederrheinallee ist ebenfalls vorgesehen. Das grüne Band wird auch auf dieser Seite fortgeführt, mündet in einen Platz für öffentliche Veranstaltungen, Gastronomie und besondere Märkte. Für die Maschinenhalle gibt es Nutzungsszenarien aus den Bereichen Fitness, Gesundheit, Sport, Kunst + Kultur mit Künstlerlerateliers und Gastronomie, ein Gründerzentrum und Tourismus mit Serviced-Appartments. „Freizeit, Aufenthaltsqualität, Bummeln, Shoppen, Entspannen, Erleben“, zählt Bürgermeister Harald Lenßen als Stichpunkte auf.

Mit Jürgen Tempelmann wurde nun ein Investor gefunden, der bereits bewiesen hat, dass er Zechengelände in neue Reviere verwandeln kann: Mit der von ihm gegründeten Ruhrstadt Stiftung entstand innerhalb von fünf Jahren in Dorsten das CreativQuartier Zeche Fürst Leopold. Den Plan der Neukirchener-Vluyner Stadtverwaltung hält er für umsetzbar, denn er passt genau zu seiner Vision von einem REVIER: R steht für Refurbish – die Instandsetzung denkmalgeschützter Objekte und die Renaturisierung der Freiflächen, das E steht für Entertainment (Veranstaltungen), das V für Village (Wohnen), das I für Industry (Industrie-Denkmäler und Gewerbeflächen), das E für Energy (C02 freie Energie und ökologischer Strom, das Revier als autarkes System sei das langfristige Ziel) und das R für Retail (Handel). Wer sich hier ansiedelt, muss die Vision von seinem Kreativquartier teilen. In Dorsten verzichten Edeka und Aldi zum Beispiel auf ihr übliches Erscheinungsbild und fügen sich etwa mit einem bepflanzten Dach und entsprechender Fassade ins Erscheinungsbild des Reviers ein, es gibt keine Zäune. „Ich achte sehr auf die architektonische Gestaltung der Gebäude“, sagt Tempelmann und verweist darauf, dass in Neukirchen-Vluyn die Bebauung zur Maschinenhalle und zu den Fördertürmen passen müsse. Ein Nahversorger, der in das Konzept von Tempelmann passt, müsse zudem eine bestimmte Größe haben, damit Verweildauer und Belebung garantiert seien. Bisher darf ein Nahversorger auf Niederberg allerdings nicht größer werden als 800 qm. Harald Lenßen hierzu: „Wir müssen uns an die Vorgaben halten, aber wir haben mit dem Konzept eine neue Grundlage und werden ein neues Gutachten veranlassen, um zu überprüfen, was möglich wäre.“

Zugpferde in Dorsten sind zudem die zahlreichen Veranstaltungen ohne Eintritt, sei es die Extraschicht, ein Oldtimertreffen oder eine Weinmesse. Jeder, der sich ansiedelt, ist hier nicht nur in der Pflicht sich nach seinen Möglichkeiten zu beteiligen, sondern monatlich wird auch eine Marktingabgabe von 50 Cent erforderlich: Zwei Marketingstrategen betreuen und bewerben so die Events, um das Revier nach vorne zu bringen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten sei das CreativQuartier Fürst Leopold mittlerweile auf diesem Wege der „Place to be“ geworden, alle Grundstücke sind vermarktet und 650 Arbeitsplätze wurden bereits geschaffen. „Da Niederberg mit seinen 60.000qm nur halb so groß ist, werden es hier 300 bis 400 Arbeitsplätze sein, die entstehen könnten“, so Tempelmann.

Wie sich das Ganze in Neukirchen-Vluyn mit Leben füllen lässt, wird sich zeigen. Zunächst muss das Planungsrecht dementsprechend erweitert werden und die RAG Montan Immobilien und die Ruhrstadt Stiftung müssen die Kaufpreise aushandeln. Mit Baubeginn wird für 2021 gerechnet, neben den Neubauten müssen auch die schon bestehenden Gebäude Instand gesetzt werden. Interessenten, die bei diesem Konzept mitziehen würden, gäbe es reichlich, wie Ulrike Reichelt von der Wirtschaftsförderung berichtet, u.a. hätten sie bereits Anfragen für ein Hotel-Brauhaus und vom SEEWERK erreicht. Die Überlegung Veranstaltungen wie das Hall of Rock dorthin zu verlegen, stehen auch im Raum.

Neues gibt’s übrigens auch von der Straße Niederberg: Spätestens Ende Juni soll sie für die Öffentlichkeit freigegeben werden und die Niederrheinallee und den Bendschenweg verbinden. Dass Markierungen und Schilder so lange auf sich haben warten lassen, kreidet sich die RAG Montan Immobilien selbst an: „Das war eine mangelhafte Leistung unseres Hauses“, gibt Projektleiter Ralf Hüttemann zu. Die Straße wird zunächst ohne Beleuchtung sein, diese soll laut Lenßen spätestens bis zum Herbst installiert werden.

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