Heribert Hölz war mit der Bosnienhilfe zum 91. Mal in Bosnien: Auswandern oder aufgeben

Heribert Hölz war mit der Bosnienhilfe zum 91. Mal in Bosnien : Auswandern oder aufgeben

Heribert Hölz ist im Oktober zum 91. Mal nach Bosnien gefahren, um seine Hilfsprojekte voranzutreiben. Begleitet wurde er von seiner Frau Ursula und den beiden Töchtern Monika und Dorothea. Was sie feststellen mussten: Die Spaltung Bosniens schreitet weiter voran, auch 24 Jahre nach Kriegsende leidet ein Großteil der Bevölkerung unter erschreckender Armut.

„Es hat sich nichts verändert. Wenn überhaupt, zum Negativen“, so lautet das erschütternde Urteil der beiden Töchter, die nach zehn Jahren erstmals wieder ihre Eltern nach Bosnien begleiteten. Aber warum ist das so? Warum leben so viele Menschen in bitterer Armut? Warum hausen Familien 24 Jahre nach Kriegsende in Baracken? Warum müssen Rentner mit 25 Euro im Monat auskommen?

Nach 27 Jahren, die Heribert Hölz nun mit der Bosnienhilfe der Caritas Duisburg aktiv ist, gibt es für den Neukirchen-Vluyner nur eine Antwort: „Der Staat und Europa versagen total!“ Es gebe durchaus Unterstützung aus dem Ausland, doch diese komme nie dort an, wo sie gebraucht werde, so seine Erfahrung. Niemand interessiere, dass es in dem kleinen Land 126 Minister gebe, die sich die Taschen voll machen würden, um ihrer extravaganten Lebensstil zu finanzieren.

Wohnen auf Bosnisch: So lebt eine Familie mit fünf Kindern in Livno. 5000 Euro steckt die Bosnienhilfe nun in die Sanierung der Baracke. Foto: Heribert Hölz

Die Spaltung Bosniens in die Republica Srpska und die Föderation Bosnien und Herzegowina sei ebenfalls ein großes Problem. Die bosnischen Serben hätten nach Kriegsende ca. 30 % der Bevölkerung ausgemacht, aber die Hälfte des Landes bekommen: „Da sind Unruhen doch vorprogrammiert. Vor allem weil es doch bereits eine Republica Srpska gibt - nämlich Serbien“, so Hölz. Dort, wo die Serben an der Macht sind, hätten die Kroaten nichts zu lachen, so Hölz weiter. Ein Beispiel: „Während ein kroatischer Bosnier nur 25 Euro Rente bekommt, bekommt ein Rentner serbischer Abstammung wesentlich mehr.“ Die Folge der sozialen Ungerechtigkeiten: Wer kann, verlässt das Land, zurück bleiben die Alten. „Wir sind das größte Altenheim in Europa“, sagt auch Miljenko Anicic, Caritasdirektor in Banja Luka, der seit Jahren mit der Bosnienhilfe zusammenarbeitet.

In der Föderation sehe es auch nicht besser aus. Hier würden die muslimischen Bosniaken, die von den arabischen Ländern unterstützt werden würden, das Sagen haben und Andersgläubige benachteiligen.

Aus vielen Gesprächen weiß Hölz, dass es für die Leidtragenden eigentlich nur zwei „Optionen“ gibt: auswandern oder aufgeben. Zumindest für die bosnischen Kroaten sei das Auswandern aufgrund der Zugehörigkeit Kroatiens zur EU „vergleichsweise leichter“. Ziel scheint es daher zu sein, sie aus beiden Teilen zu vertreiben, mutmaßt Hölz.

Belegen könne man den Bevölkerungsrückgang nicht. Es gibt keine offiziellen Vergleichszahlen, nur „offensichtlich getürkte“, sagt Hölz: „2013 hat es eine Volksbefragung gegeben, die Aufschluss geben sollte. Doch die Entitäten haben jede für sich gezählt und am Ende hatte Bosnien statt drei sechs Millionen Einwohner.“

Letztendlich führe dies alles dazu, dass sich die Situation der „einfachen Bevölkerung“ im ganzen Land verschlimmere. Und die Bosnienhilfe mache bei ihren Hilfsprojekten keinen Unterschied zwischen Nationalität und Religion. „Klar habe ich am Anfang die Strukturen der Caritas benutzt, aber ich fahre doch nicht nur zu den Katholiken. Hunger hat keine Religion“, wehrt sich Hölz gegen Vorurteile, die immer wieder laut werden. Zenica beispielsweise wäre „durch und durch muslimisch“ und die Suppenküche dort sei eines der ältesten Projekte der Bosnienhilfe.

Insgesamt 70.000 Euro hat die Familie Hölz auf der 91. Fahrt für Projekte wie die Suppenküche in Zenica, die Alten- und Krankenhilfe, die Familienpatenschaften und die Schafherden für bosnische Kleinbauern ausgegeben. Erstmalig gab’s 15.000 Euro für eine Suppenküche in Banja Luka, die ohne die Unterstützung der Bosnienhilfe hätte geschlossen werden müssen. Außerdem wurden auch wieder einmalige Hilfen geleistet, zum Beispiel für die Sanierung einer Baracke, in der eine Familie mit fünf Kindern leben muss.

Gerne würde er mal etwas Neues erzählen, sagt Heribert Hölz zum Abschluss, aber die Armut bleibe immer die Gleiche. Deshalb mache der 77-Jährige mit der Bosnienhilfe weiter, solange es gehen würde. Das Große werde er nicht ändern, das sei ihm klar, aber viele Menschen wären ohne das Ehepaar Hölz um eine riesige Hoffnung ärmer.

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