Zeit und Beratung für Opfer

Zeit und Beratung für Opfer

Wenn Frauen Opfer sexueller Gewalt werden, brauchen sie oft Monate oder Jahre für die Entscheidung, ob sie Anzeige erstatten wollen oder nicht. Die Arbeitsgruppe Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten ist Anfang des Jahres ins Leben gerufen worden.

Und ihre Arbeit macht es möglich, dass mit Hilfe eines anerkannten, standardisierten Verfahrens nach der Tat Verletzungen und Tatspuren „gerichtsfest“ gesichert, dokumentiert und dann bis zu zehn Jahren aufbewahrt werden können.

Axana Getzlaff kennt sich aus mit den Schicksalen von Frauen, denen sexuelle Gewalt angetan wurde. Die Sozialarbeiterin vom Verein Frauen helfen Frauen in Moers berät bereits seit vielen Jahren Frauen, die in eben solche Situationen geraten sind. Und Axana Getzlaff weiß, dass die Hemmschwelle für die Opfer nach so einer Straftat auch Anzeige zu erstatten, hoch ist. „Die Frauen brauchen oft Zeit, sind oftmals nach einer Tat noch nicht bereit, sich mit der Polizei zu unterhalten. Sie fühlen sich oftmals nicht sicher. Und sie haben Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird.“

Das große Problem dabei. Oftmals werden nach den Taten auch keine Spuren gesichert. Fällen die Opfer nach längerer Zeit die Entscheidung, Anzeige zu erstatten, stehen vor Gericht Aussage gegen Aussage. „Denn“, so Axana Getzlaff, „bei Vergewaltigungen, gerade in Beziehungen, gibt es ja in den seltensten Fällen Zeugen. Und dann enden die Verfahren oftmals mit einer Einstellung wegen Mangel an Beweisen.“ Umso wichtiger, dass den Opfern so viel Hilfe wie möglich zukommt. Und das hat die Arbeitsgruppe Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASA) nun ermöglicht. In der Gruppe arbeiten Frauen helfen Frauen e.V, der Weiße Ring, die Frauengruppe Wesel und fünf Kliniken im Kreis mit einer 24 Stunden am Tag besetzten gynäkologischen Ambulanz sowie der Fachärztliche Qualitätszirkel der Frauenärzte am Niederrhein ganz eng zusammen.

Die Kliniken – das Bethanien und das St. Josef in Moers, das Ev. Krankenhaus und das Marienhospital in Wesel sowie das St. Vinzenz-Hospital in Dinslaken – sind nun allesamt mit Spurensicherungssets ausgestattet. Kommt eine Frau zur Spurensicherung ein eines der Krankenhäuser, greift ein standardisiertes Verfahren, das mit dem Institut für Rechtsmedizin der Uni Düsseldorf erarbeitet worden ist. „Die Frauen werden dann in den Häusern nicht nur medizinisch versorgt und mit Informationen über unsere Beratungsstellen und Kontaktdaten versorgt, sie haben eben auch die Möglichkeit, die Spuren der Gewalttat anonym sichern zu lassen“, erklärt Axana Getzlaff. Der ärztliche Untersuchungsbericht wird dann anonym unter einem Pseudonym am Universitätsklinikum Düsseldorf für bis zu zehn Jahre gesichert. „So hat man dann, wenn eine Frau sich später entscheidet, Anzeige zu erstatten, die Möglichkeit, auf diese anonyme Spurensicherung zurück zu greifen“, berichtet die Sozialarbeiterin weiter.

Für die betroffenen Frauen ist das eine ganz wichtige Hilfestellung. Denn sie können sich nun, mit der Gewissheit, dass die Spuren gesichert sind, Zeit lassen mit der Aufarbeitung des Traumas, können sich gemeinsam mit den Frauen der Beratungsstellen Zeit nehmen, die nächsten Schritte zu planen und zu überdenken. „Ein Strafverfahren braucht Kraft und Sicherheit“, weiß auch Axana Getzlaff. Und für den Weg diese Kraft und Sicherheit zu erlangen, haben sie nun mehr Sicherheit und Zeit...

(Niederrhein Verlag GmbH)
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