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Fusion der Kirchengemeinden Moers, Kapellen und Schwafheim geplatzt: Wie viel Pfarrer braucht eine Gemeinde?

Fusion der Kirchengemeinden Moers, Kapellen und Schwafheim geplatzt : Wie viel Pfarrer braucht eine Gemeinde?

Die geplante Fusion der Ev. Kirchengemeinden Moers, Kapellen und Schwafheim ist vorerst vom Tisch. Der Druck sei noch nicht groß genug, dass man das Risiko eingehe, in der Fusion sein eigenes Profil zu verlieren. Knackpunkte: die Pfarrstellen und die Finanzen.

Seit 2016 haben die drei Kirchengemeinden auf die Fusion zum 1. Januar 2021 hingearbeitet. Am 11. Februar hat das Kapellener Presbyterium beschlossen, die Fusionsgespräche zu beenden. Unterschiede in Fragen der pfarramtlichen Versorgung hätten ergeben, „dass die Organisationsform Fusion nicht passt“, begründet Thomas Koch, Presbyteriumsvorsitzender aus Kapellen diesen Schritt, der schließlich notwendig gewesen wäre, um Klarheit zu haben und Offenheit herzustellen, um weiterhin gemeinsam arbeiten zu können.

Die Pfarrer und
die Satzung

Das Presbyterium in Kapellen will den Pfarrer vor Ort. Dies sollte in der neuen Satzung festgehalten werden. Allerdings hätte nur das Presbyterium der neuen, fusionierten Gemeinde die neue Satzung erlassen können - und diesem können die Presbyterien der jetzigen Gemeinden nichts vorschreiben. „Es kann so nicht garantiert werden, dass unser Profil erhalten bleibt“, sagt Koch dazu.

In Schwafheim hätte man vollstes Verständnis für die Entscheidung aus Kapellen, erklärt Karl-Heinz Rau, stellvertretender Presbyteriumsvorsitzender der dortigen Gemeinde. Und einen „ganz anderen Druck“: Pfarrer Claus Brandis wird bald ausscheiden. Laut Synodenbeschluss darf die Stelle nicht ausgeschrieben werden, da die Region (Kapellen, Moers, Schwafheim, Asberg, Hochstraß und Scherpenberg) mit 6 1/2 Pfarrstellen ausreichend besetzt wäre - es müsse eine Vertretungsregelung gefunden werden. „Mit der uns zustehenden dreiviertel Stelle wären wir zufrieden“, sagt Rau, „wichtig ist nur, dass wir einen Pfarrer weiterhin vor Ort haben, denn die Tätigkeit unserer Diakonin ist ans Pastoralamt gekoppelt.“

In der Kirchengemeinde Moers bezieht man in der Diskussion eine andere Position. „Wir brauchen ein neues Gemeindebild“, sagt Torsten Maes, „der Pfarrer als Identifikationsfigur ist nicht mehr haltbar.“ Hieraus sei der Vorschlag entstanden, die Pfarrer mit der Fusion nach Arbeitsgebieten einzusetzen, so würde beispielsweise ein Pfarrer für alle Gemeinden die seelsorgerischen Tätigkeiten übernehmen. Dies lehnte man in Schwafheim ab: „Wir brauchen einen eigenen Pfarrer und ständigen Ansprechpartner.“

Die Finanzen und
die Satzung

Die finanziellen Verhältnisse der Gemeinden sind unterschiedlich. Nach eigener Aussage ist Kapellen die vermögendste Gemeinde. „Wir hätten unser ganzes Vermögen in die Fusion eingebracht, allerdings unter der Prämisse, dass unser Profil gesichert werde“, so Koch. Dazu gehöre neben der vollen Pfarrstelle auch die Sicherung der Angebote in den Bereichen Kirchenmusik und Gemeindepädagogik. Sicherheit könnte nur die Satzung geben. Und diese - wir erwähnten es bereits - darf nur vom neuen Presbyterium erlassen werden.

Warum gab’s überhaupt Fusionsgespräche?

Man hätte ohne Druck die Zukunft gestalten wollen, antwortet Thomas Koch auf diese Frage. Und zumindest in Kapellen sei die Not zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so groß, um das Risiko eines Profilverlustes einzugehen.

Wie groß die Not in der Kirchengemeinde Moers ist, lässt Torsten Maes offen, aber er hätte die Fusionsidee als „Befreiungsschlag“ empfunden und die Kirchengemeinden auf einem guten Weg gesehen: „Es wird nicht leichter einen Pfarrer zu finden und durch die steigende Zahl der Kirchenaustritte gehen uns Finanzen flöten. Die Fusion war daher ein lohnendes Ziel, um Dinge gemeinsam zu verantworten sowie Strukturen und Verwaltung abzubauen. Im Moerser Norden ging’s ja auch.“

Wie geht’s weiter?

Die Vertreter der Kirchengemeinden betonen, dass sie weiterhin zusammenarbeiten und über strukturelle Fragen im Gespräch bleiben wollen. „Die juristische Form ist nicht zustande gekommen, aber was erarbeitet wurde, bleibt. Wir bleiben gemeinsam auf dem Weg“, fasst Egbert Schäffer, Sprecher des Kirchenkreises Moers, zusammen. Die Entscheidung gegen eine Fusion sei demnach eine Entscheidung für heute. Irgendwann komme man ums das Thema aber sicherlich nicht mehr herum.