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: Spendenaktion: Mit alten Brillen zum neuen Leben

: Spendenaktion: Mit alten Brillen zum neuen Leben

2119 Brillen konnte der CVJM Hochstraß diese Woche an das Deutsche Blindenhilfswerk übergeben. Die Sehhilfen sind für Menschen in Entwicklungsländern bestimmt.

Die Übergabe am Dienstagvormittag beginnt mit einer Hiobsbotschaft: Wolfgang Steinhardt, Initiator der Brillensammelaktion, kann nicht dabei sein; er liegt nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus. „Das war ein großer Schock für uns alle“, erzählt Pfarrer Tobias von Boehn. Steinhardt wollte am Sonntag nach dem Gottesdienst die Brillen für die Übergabe vorbereiten, als er beim Schleppen der Kartons zusammenbricht. Inzwischen ginge es ihm „den Umständen entsprechend gut“. Und trotz Operation und Überwachung auf der Intensivstation hat Steinhardt sich auch im Krankenhaus noch um die letzten wichtigen Details der Übergabe gekümmert. „Die einen nennen es verrückt, die anderen unverantwortlich. Ich sage: Das ist Wolfgang. Er lässt sich einfach von seinem Herzen und der Barmherzigkeit leiten“, so von Boehn und fügt hinzu: „Es sollte mehr Wolfgangs geben.“

Seit knapp zehn Jahren werden beim CVJM Moers-Hochstraß Brillen gesammelt, jährlich findet die Übergabe an das Deutsche Blindenhilfswerk statt. Das DBHW hat diverse Projektpartner in Deutschland, die die Brillen säubern und vermessen und dann an kirchliche und andere Hilfsorganisationen in den jeweiligen Entwicklungsländern verschicken.

Und da werden sie dringend benötigt. In vielen Ländern Afrikas zum Beispiel gibt es keine eigenständige Versorgung mit Brillen. Das trifft die ohnehin schon arme Bevölkerung doppelt hart, denn mit dem Verlust der Sehkraft geht häufig auch der Verlust der Arbeitskraft einher. „Unsere alten Brillen ermöglichen hier Menschen, ein neues, besseres Leben zu beginnen“, sagt Simone Henzler, Geschäftsführerin beim DBHW. Trotzdem gäbe es sie nicht völlig umsonst, sondern gegen einen kleinen Obolus. So solle Wertschätzung geschaffen werden. Wichtig sei außerdem, die vorhandenen Strukturen in den Ländern nicht zu stören. Daher würde von dem Geld auch ausschließlich benötigtes Personal vor Ort bezahlt werden.

Im Idealfall gelingt es, dass die Länder irgendwann - was den Sehhilfenmarkt angeht - auf eigenen Beinen stehen. So wie Uganda, Kenia und Nigeria, hier konnten sich die Hilfsorganisationen mittlerweile herausziehen.

Wohin die 2119 Brillen aus Moers gehen, steht übrigens noch nicht fest. Corona hat auch hier die Planungen ziemlich durcheinander gewirbelt. Sicher ist, sie werden irgendwo ankommen, wo sie gebraucht werden. Deshalb wird in Hochstraß auch fleißig weiter gesammelt.