Mädchen aus Afghanistan in St. Josef operiert: Bibi kann wieder lachen

Mädchen aus Afghanistan in St. Josef operiert : Bibi kann wieder lachen und laufen

Im St.-Josef-Krankenhaus ist die achtjährige Bibi Hawa aus Afghanistan operiert worden. Sie hatte eine Knochenentzündung, die in dieser Form hierzulande gar nicht mehr vorkommt.

Bibi Hawa ist zuhause in Baglan in Nordafghanistan, 60 Kilometer von Kundus, keine gute Gegend gerade. Aber was ihr passiert ist, kann Kindern überall auf der Welt passieren – nur dass es bei uns ziemlich sicher nicht solche Folgen gehabt hätte. „Ich glaube nicht, dass die Ärzte dort schlechter sind als hier“, sagt Michael Jonas, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Traumatologie in St. Josef – es ist die Kombination aus mangelhaften Möglichkeiten und katastrophalen hygienischen Bedingungen.

Die Achtjährige war gestürzt und hatte Schmerzen im Oberschenkel. In einer örtlichen medizinischen Einrichtung wurde eine Operation vorgenommen – die alles erst richtig schlimm gemacht hat. Eine Osteomyelitis, eine Knochenentzündung breitete sich zwischen Knie und Hüftgelenk aus. „Aus meiner Erfahrung ist es so, dass das unbehandelt in einer Amputation endet“, berichtet Markus Dewender, „es sind auch schon Kinder daran gestorben.“ Dewender ist Vorsitzender des Vereins „Kinder brauchen uns“ (KBU). Weil Bibis Eltern nicht mehr weiter wussten, brachte ein Onkel das Mädchen nach Kabul; der leitende Kinderarzt des dortigen staatlichen Krankenhauses wandte sich an den KBU. „Wir versuchen dann, in Deutschland Ärzte zu finden“, sagt Dewender. „Da sind wir auf das Entgegenkommen der Kliniken angewiesen, denn bezahlen können wir die Operation nicht.“

Das St.-Josef-Krankenhaus kam entgegen, Michael Jonas operierte mit Oberarzt Benjamin Weidle am vorvergangenen Dienstag über zwei Stunden lang den nicht verheilenden Bruch und spülte die Entzündungskeime aus. Mit einem Ringfixateur, einem mit Drähten befestigten Karbonring ums Bein, wird die Fehlstellung korrigiert, ein etabliertes Verfahren. „Sie setzt sich schon hin und fängt an, aus dem Bett zu klettern. Das soll sie auch; aber sicherheitshalber werden wir den Ring noch etwas fester machen“, sagt Michael Jonas und berichtet davon, wie viel Freude das wieder glückliche Mädchen dem ganzen Team in St. Josef macht: „Sie isst offensichtlich sehr gerne Nutella-Brote.“

Einige Wochen wird Bibi zur Genesung noch in der Familie von Gastmutter Kader Deniz verbringen, der Bibi „sehr ans Herz gewachsen ist“. Bibis Eltern durften ihre Tochter nicht begleiten. „Man will keine Einreise über Hilfsorganisationen“, sagt Markus Dewender. Aber: „Bibi wird die Zeit in Deutschland in wunderschöner Erinnerung behalten, aber leben möchte man bei der Familie.“

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