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: Lautsprecher fürs Grundgesetz gesucht

: Lautsprecher fürs Grundgesetz gesucht

Frank Wickermann hat ein neues Projekt mit dem Bürgerchor des Schlosstheaters vor. Es geht um die im Grundgesetz verankerten Grundrechte – und darum, was einem dazu einfällt. Heute um 11 Uhr ist ein erstes Treffen im Café Z.

Richtig gut sieht’s aus, das Café Z, der um- und fertiggestaltete Raum des Schlosstheaters im Wallzentrum. „Dass ich mal mit dem Grundgesetz in der Hand dastehe ...“, lacht Dramaturgin Viola Köster, als sie sich mit Frank Wickermann vor den Porträts der Bürgerchoristen zum Foto aufstellt. Schlimme Zeiten gerade, wo man so scheinbar Selbstverständliches wie die Grundrechte hochhalten muss ...

Projektidee ist, das Grundgesetz chorisch aufzuarbeiten, und zwar die Grundrechtsartikel 1 bis 19 sowie 20, der zwar nicht mehr zu den Grundrechten gehört, aber quasi das Fazit zieht. Es sollen aber nicht nur die Artikel aufgesagt, sondern auch eigene, alltägliche Erfahrungen zur Sprache gebracht werden.

„Es geht um spielen, nicht um belehren“, sagt Frank Wickermann, dem die Arbeit mit den Laien vom Bürgerchor schon viel Spaß gemacht hat, zum Tag der deutschen Einheit, bei „Biedermann“ und im Ring ... „Eine schöne Form“, findet der Schauspieler und erinnert mit einem Zwinkern daran, dass es in den antiken Anfängen ja immer nur einen Schauspieler und den Chor gab ...

Doch es ist ernst. „Das Wort steht der Tat voraus“, sagt Wickermann mit Blick auf vergiftete mediale Diskurse und die Morde von Hanau und an Walter Lübcke. Dem soll mit dem Projekt ein Mosaik aus öffentlichen und persönlichen Texten gegenübergestellt werden. „Wo habe ich persönlich Grundrechtsverletzungen erfahren?“, gibt Frank Wickermann eine Idee für eigene Beiträge vor und erzählt von einer Freundin mit Migrationsgeschichte. „Was sie erlebt, wenn sie als Kopftuchträgerin einkaufen geht“ – die schlimmsten würdeverletzenden Äußerungen. „Und alle Umstehenden schweigen dazu.“

Aber auch die andere Seite soll vorkommen, so Wickermann: „Was gibt es an guten Erlebnissen? Wo hat das Grundgesetz mich verteidigt?“ Man könne sich auch hinstellen und sagen: Ich fühl’ mich wohl, hier zu stehen und zu demonstrieren.

Nicht länger als zehn Zeilen sollen die Beiträge sein, die in den Projekttext einfließen. Und dann geht’s an die Arbeit. „Chorisch zu sprechen ist ein schönes Erlebnis“, sagt Wickermann, „musikalisch, ohne dass man jetzt singen muss.“ Überhaupt ist keinerlei Talent nötig; mit Stimmübungen bekommen alle Lautsprecher schon das nötige Fundament ...