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: Kulturschutz à la ComedyArts

: Kulturschutz à la ComedyArts

Schwere Zeiten verlangen mitunter kreative Lösungen. In Zeiten der Coronakrise gibt es wenige Genres, die so leiden wie das der Bühnenkünstler. Das ComedyArts-Festival macht aus der Not eine Tugend und hat ein buntes, quirliges Kulturschutzgebiet ausgerufen. Das kommt am 20. September in Form einer Festival-Sonderedition in der Moerser ENNI-Eventhalle.

. Kulturschaffende haben es aktuell nicht leicht. Kreativer Output floss in den vergangenen Monaten nahezu ausschließlich ins Internet. Bühnenzeiten für Künstler? Gab es schlicht und ergreifend nicht. „Es ist schon mitunter dramatisch, da geht es in ganz vielen Fällen ums pure berufliche Überleben“, hat auch Betti Ixkens, Künstlerische Leiterin des ComedyArts Festival, beobachtet. Ixkens und ihr Team haben in den vergangenen Wochen massiv die Köpfe rauchen lassen und sich Gedanken gemacht, welche Art von Format man ergänzend zum aufs kommende Jahr verschobenen Festival machen kann - und wie man es schafft, den notleidenden Künstlern mal wieder ein paar Einnahmen zu verschaffen. Man wolle als Festival ein Zeichen setzen, dass Kultur Arbeit ist, die auch bezahlt werden muss. „Wir sehen uns da als Biotop für die gefährdete Spezies der systemrelevanten Humorarbeiter“, verkündete Ixkens nun im besten

Comedywording. Für den Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer ist der Einsatz des ComedyArts-Teams aller Ehren wert: „Danke für den Mut. Damit hebt sich das ComedyArts von vielen anderen ab. Hut ab auch vor der Improvisationsfähigkeit. Das hätten nicht so viele in so kurzer Zeit so hinbekommen.“ Bei der Sparkasse am Niederrhein, seit Tag eins als Hauptsponsor des Festivals an Bord, habe man zwar kurz überlegen müssen, so Vorstandschef Giovanni Malaponti, „aber dann war uns doch sehr schnell klar, dass wir dabei sind. Kultur braucht gerade dringend Unterstützung“.

Was erst als reine Livestream-Veranstaltung geplant war, wird nun doch ein Event mit Zuschauern. Aufgeteilt in drei Blöcke, die Biotope „Nachmittags in freier Wildbahn“, „Geschützte Arten in der Dämmerung“ und „Nachtaktiv im Rampenlicht“, gibt es am 20. September für jeweils rund 400 Zuschauer pro 90-minütigen Block eine Reihe Künstler auf der Bühne der Eventhalle zu bestaunen. Wer nicht vor Ort sein kann oder möchte, hat laut Festival-Geschäftsführerin Wenke Seidel „die Möglichkeit, sich auf unserer Homepage am 20. September den Gratis-Livestream anzusehen.“

Die, die live vor Ort dabei sein wollen, brauchen sich nicht sorgen. Der Veranstaltung liegt ein ausgeklügeltes Sicherheits- und Gesundheitskonzept zugrunde. Pro Biotop wollen Wenke Seidel und ihr Team nur 400 statt der eigentlich erlaubten 580 Zuschauer zulassen. Der Einlass für jeweils vier Reihen erfolgt über vier Eingänge, so dass Zuschauer gar nicht groß durchmischt werden. Zwischen jeder Stuhlreihe wird der Abstand von 1,5 Metern eingehalten, die Lücke zwischen Bühne und erster Stuhlreihe beträgt vier Meter. Zusammensitzen darf nur, wer zu einer Hausgemeinschaft gehört. Tickets (Gruppen nur bis maximal zehn Personen) können nur als personalisierte Platzkarte und im Vorverkauf erworben werden. „Zwischen den einzelnen Blöcken tauschen wir Zuschauer, Luft und Desinfektionsflüssigkeiten aus und desinfizieren das Interieur“, macht Betti Ixkens klar.

Jedem Künstler stehen am 20. September rund zehn Minuten Bühnenzeit zur Verfügung. Das sei nicht viel, weiß auch Betti Ixkens, die am liebsten „noch viel mehr Künstler“ engagiert hätte, „aber die Künstler brauchen die Kommunikation mit dem Publikum - und die bekommen sie bei uns.“ Moderiert wird das Event von Helmut Sanftenschneider und Waltraud Ehlert, die sich im gebotenen Sicherheitsabstand die Bälle zuspielen werden.