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Geister-PK - aber noch keine Absage

Programmpressekonferenz des Moers-Festivals : Einfach mal zulassen

„Wir möchten in diesen ungewöhnlichen Zeiten ein Festival präsentieren, das Spaß und Mut macht, den Fokus erweitert und die Menschen zusammenbringt – in welcher Form auch immer das möglich sein wird.“

Wie immer zu Pfingsten, vom 29. Mai bis 1. Juni, soll das 49. Moers-Festival stattfinden. Die Pressekonferenz fand ohne Presse statt, eine Geister-PK, wie es jetzt überall Geisterkonzerte gibt, als Livestream im Internet. Mit maximalem Sicherheitsabstand saßen da Festivalleiter Tim Isfort, Pressesprecher Thorsten Töpp, Schlosstheaterschauspieler Matthias Heße als Plakatmotiv Miss Unimoers und Residenz-Improviser Mariá Portugal neben Bambi und Astronaut (Festivalmotto: „new ways to fly“) im Raum verteilt – allerdings kaum zu sehen, denn sicherheitshalber fand die PK in Blaulicht statt und interessierte sich außerdem die Kamera eher für die Zwischenräume, die nachrichtensendermäßig permanent von Laufbändern und Bauchbinden durchkreuzt wurden.

Isfort versprach nicht nur „minimalhafte Dronehaftigkeit“, „mikrotonale Verschiebungen“ und „vertrackte Polyrhythmik“, sondern auch große Namen des Jazz: So wird Camae Ayewa neben ihrer Band Irreversible Entanglements auch den 83-jährigen Tenorsax-Altmeister Archie Shepp mitbringen, der schon mit Coltrane spielte. Heiner Goebbels stellt die Band The Mayfield vor und „Gigant“ John Scofield ist „heute reingekommen“. John Zorn spielt solo und hat außerdem als Interpretin für aktuelle Kompositionen die Weltklasse-Sopranistin Barbara Hannigan dabei. Das Beethovenjahr wird mit Wiener Musikern begangen; Wolfgang Mitterer remixt die neun Sinfonien. Ein Schwerpunkt liegt auf der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. „Das Spektakel dieses Festivals“ werde die Kooperation des norwegischen Schlagzeugers Paal Nissen-Love und seiner 14-köpfigen Large Unit mit zwei brasilianischen und sechs äthiopischen Musiker*innen, darunter Tänzer Melaku Belay. Apropos *innen: „Wir kriegen halt 98 Prozent alte weiße Männer auf den Tisch“, so Isfort, weshalb das Moers- mit dem Essener Peng-Festival kooperiert, das mehrere Formationen präsentiert, in denen Frauen das Sagen haben. „Lassen wir das einfach mal zu“, so Isfort, und das kann man fürs Festival insgesamt nur hoffen. Ob und wie auch immer es stattfindet: „Wir werden improvisieren.“

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