: moers festival at the saturn

: moers festival at the saturn

Wer am Donnerstagvormittag bei Saturn Moers in der Fernsehabteilung stöbern wollte, staunte vermutlich nicht schlecht. Denn inmitten der riesigen Plasmabildschirme trug sich Seltsames zu.

Eine große Gruppe Menschen rannte aufgeregt mit Staubsaugern durch das Geschäft, begleitet wurden sie von Musikern, die auf ihren unterschiedlichen Instrumenten improvisierte Klänge verlauten ließen, dazu flackerten die Bildschirme wild und übermittelten geheimnisvolle Botschaften. Mittendrin standen Tim Isfort (künstlerischer Leiter des mœrs festival), Bürgermeister Christoph Fleischhauer, Kulturdezernent Wolfgang Thoenes,, Carmen Weist (Vorsitzende des Aufsichtsrats der Moers Kultur GmbH) und Claus Arndt, Geschäftsführer der Moers Kultur GmbH und stellten das Programm für das 48. mœrs festival (7.- bis 10. Juni ) vor. Auch in diesem Jahr fand die Pressekonferenz zum moers festival an einem ungewöhnlichen Ort und unter erschwerten Bedingungen statt. .„Strengt Euch an“, lautet das Motto des Festivals, das an vier Tagen circa 248 Musiker in 99 Konzerten an 35 Spielorten begrüßt. Und angestrengt haben sich der künstlerische Leiter Tim Isfort und sein Team um wieder ein wildes, freies und eigensinniges Programm für die Pfingstage auf die Beine zu stellen.

Dabei gibt es wieder verschiedene Schwerpunkte. Einer davon lautet „Japan“. Das verrückte Japanese New Music Festival unterwandert das moers festival mit Trash, Anarchie und Humor, man darf auf insgesamt neun Auftritte gespannt sein. Sao Paulo ist ein weiterer Schwerpunkt. Die aktuelle politische Situation in Brasilien macht es der Kulturszene nicht gerade leicht, dennoch hat sie einiges zu bieten. Nach Moers kommen u.a. Tom Zé, dem Mitbegründer des Tropicalismo, Mariá Portugal von Quartabê, Metá-Metá und spoken word-Poet Rodrigo Brandão. „Am Fokus Pyongyang sind wir weiter dran“, so Isfort. „Es bleibt weiter eine Zitterpartie. Aber ich gebe nicht auf, es bleibt spannend.“

In einer Live-Weltpremiere präsentiert Anguish (um Mats Gustafsson und Mitgliedern von Dälek) dystopische Abgründe. Der bretonische Dudelsackspieler Ervan Keravec lotet die Grenzen seines Instruments aus. „Mit Keravec entdeckt man neues Dudelsackland,“ verspricht Isfort.

Die belgische Flat Earth Society verpasst dem Ernst-Lubitsch-Stummfilmklassiker „Die Austernprinzessin“ einen neuen Soudtrack und Frank Niehusmann erweist dem Ende des Bergbaus seine Ehre mit einer imposanten Untertagemusik.

Auch wird es in diesem Jahr wieder neben der Festivalhalle und dem Festivalgelände unterschiedliche Spielorte im Stadtgebiet geben. „Wir haben versucht, das Ganze nicht mehr so breit zu streuen, so dass man alles ablaufen kann, ohne total abgehetzt zu sein. Es sind nicht weniger Speilort, aber diese sind konzentrierter,“ so Isfort.

Mit dem Motto des Festivals möchte Tim Isfort gesellschaftliche Verantwortung betonen und stellt die Frage „Machen wir in Moers nur Musik?“. Zwei Jahre vor dem 50. Jubiläum rücken gesellschaftspolitische Aspekte wieder stärker in den Vordergrund, Moers besinnt sich auf die Ursprünge des Festivals. „Wer als junger Mensch etwas anderes als den Mainstream erleben will, der muss einfach nach Moers kommen“, so Bürgermeister Christoph Fleischhauer.