1. Niederrhein

Loveparade-Katastrophe jährt sich zum zehnten Mal

Die Loveparade-Katastrophe jährt sich zum zehnten Mal : Tief ins Gedächtnis gebrannt

Am heutigen Freitag hat sich das Unglück auf der Loveparade in Duisburg zum zehnten Mal gejährt. Die Wunde, die an diesem sonnigen 24. Juli 2010 entstand, ist bis heute nicht verheilt, die Tragödie nicht wirklich aufgeklärt. Zu allem Überfluss verhindert die Coronakrise einen würdigen Rahmen für eine Gedenkfeier für die 21 jungen Menschen, die aus aller Welt nach Duisburg zum Feiern kamen, am Ende aber den Tod fanden. Wir blicken zurück auf diesen furchtbaren Tag, den wir vermutlich alle nie wieder vergessen werden.

. Es sind diese Daten, die sich ins Gedächtnis brennen. So wie es sich mit dem 11. September 2001 verhält, weiß ein Jeder aus meiner Generation, was er am 24. Juli 2010 gemacht hat. Ich war früh morgens mit meinem Kollegen Heinz Röttges am Kaiserberg joggen. Wir lachen, flachsen und überlegen noch, ob wir nicht doch diesem Spektakel beiwohnen wollen. Wir entscheiden uns dagegen, weil Techno nicht unsere Musik ist und wir beide keine Lust auf Gedränge und so viele Menschen haben. Ich erinnere mich noch, wie ich an den Absperrungen rund um die Duisburger City vorbeifuhr. Partygänger waren noch keine da, alles war unwirklich still und friedlich. Die Stadt, die Organisatoren rüsteten sich für den erwarteten Ansturm. Und es war greifbar, dass hier heute Großes passieren soll. Zu dem Zeitpunkt ahnte noch keiner, was ein furchtbares Desaster bevorstand.

Zehn Stunden später gab’s Gewissheit: Die Party war so gerade eben zur Tragödie geworden. Die ersten Nachrichten von Gedränge und Toten auf der Loveparade trudeln ein - und ich bin schon längst auf dem Weg in die Redaktion. Die alte Titelseite wird eingestampft und mein Kollege Ferdi Seidelt und ich telefonieren uns die Finger wund. Wir probieren zu erfassen und zu verstehen, was nicht zu verstehen ist. Wir sehen Fotos und Bilder, die man keinem Menschen zumuten möchte. Wir sprechen mit Augenzeugen, mit Kollegen, die vor Ort waren; wir probieren mit unserem Artikel dem riesigen Wust an Informationen und Mutmaßungen einen Rahmen, eine Form zu geben. Und wir agieren nur, sind geschockt, mechanisch.

Die Rampe zum Loveparade-Veranstaltungsgelände zum Zeitpunkt der Tragödie. Foto: Archiv/Böhmann

Das Leid, das den vielen jungen Menschen und ihren Familien an diesem schwarzen Tag zuteil wird, ist für uns nur zu erahnen. Umso schlimmer, dass es auch zehn Jahre nach der Tragödie keinerlei Art der Aufklärung und Verantwortungsübernahme gibt. Das eingestellte Gerichtsverfahren - der bisher letzte Akt in einem seltsamen Possenspiel auf Kosten der Betroffenen.

Am Abends des 24. Juli bin ich auf einer Geburtstagsparty eingeladen. Es wird keine. Feiern funktioniert nicht. Und fühlt sich falsch an, an diesem Tag, der sich für immer tief ins Gedächtnis von so vielen Menschen, einer Stadt, einer Region, eines ganzen Landes gebrannt hat ...