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: Theater in Zeiten der Krise

: Theater in Zeiten der Krise

Es ist eine Spielzeit unter besonderen Vorzeichen, die für das Landestheater Burghofbühne im Kreis Wesel da auf dem Programm steht. Corona hat Probezeiten, Abläufe, Gewohnheiten und den Spielplan selber durcheinander gewirbelt. Dazu kommt die Ungewissheit: Was wird in Zeiten von knappen kommunalen Kassen? Die gute Laune will man sich deshalb am Tenterhof in Dinslaken aber noch lange nicht verderben lassen.

. Der Neue ist ein alter Hase. Reinar Ortmann übernimmt den Posten des Dramaturgen für die kommenden zwölf Monate von Nadja Blank, die sich in der Babypause befindet. Ortmann war zuvor Intendant des Landestheater Neuss; er kennt das Geschäft also allerbestens. Und Shakespeare – „Das war unser täglich Brot in Neuss“ – im Besonderen. Das passt ganz gut. Denn eben mit jenem Shakespeare und seinem „Sommernachtstraum“ startet das Landestheater am 4. September in die Spielzeit. Reinar Ortmann findet, das es in der aktuellen Situation kaum ein Stück gebe, das besser auf die Bühne passe. „In dem Stück geht es ja ums Theater. Es ist eine Liebeserklärung ans Theater. Wir kümmern uns um die Frage: Was ist eigentlich Theater in diesen Zeiten, wo es total in Frage gestellt wird?“ Die Premiere steigt am 4. September in der Aula des Dinslakener Otto-Hahn-Gymnasiums. „Das ganze wird in einem kleineren Rahmen über die Bühne gehen: weniger Zuschauer, große Abstände, keine rauschende Premierenfeier“, erzählt Intendant Mirko Schombert, will damit aber nicht falsch verstanden werden: „Wir sind alle heilfroh, dass wir nach der langen Zwangspause überhaupt spielen dürfen. Und auch die Menschen, die kommen werden, freuen sich, dass es wieder Theater zu erleben gibt.“ Wie bei allen anderen Stücken des Abendspielplans auch, zieht das Landestheater mit seinem Programm durch den Kreis Wesel und das ganze Land. Es gebe schon etlichen Buchungen, es gab aber auch schon eine ganze Reihe Stornierungen. Schombert: „Man spürt mitunter die Unsicherheit und die Ungewissheit.“ Das kann auch er unterschreiben. Denn klar, aktuell darf gespielt werden. „Aber, keiner von uns weiß, wie die Situation in ein paar Monaten aussieht. Und keiner weiß, was das für uns als fahrendes Theater bedeutet, wenn in einigen kommunalen Kassen, aus denen wir ja bezahlt werden, nach der Krise noch größere Ebbe herrscht als sowieso schon.“ Aber auch hier will man am Tenterhof keine Köpfe im Sand versenken. „Wir freuen uns einfach so sehr auf die jetzt startende Spielzeit und auf all die Menschen, die nach Theater gedürstet haben.“

Ist der Shakespeare-Klassiker noch ein Fall für ein etwas größeres 7-Mann/Frau-Ensemble, konzentriert sich das Burghofbühnen-Team bei George Orwells „Farm der Tiere“ auf einen ganz kleinen Kreis. 70 Minuten Spiellänge und ein überschaubares Drei-Personen-Stück lassen es wie gemacht für diese schwierige Zeiten aussehen. „Das ist quasi unser Coronastück, mit dem wir auch zwei Mal hintereinander an einem Ort auftreten können“, so Schombert. Premiere ist am 6. November in Dinslaken. Und auf die freut sich Reinar Ortmann schon. „In dem Stück zeigt sich: Die Tiere sind gleich, aber manche Tiere sind gleicher. Es geht um Macht und Manipulation, um den Umgang mit Wahrheit. Und darum, wie mit den Mitteln der Demokratie diese zum Verschwinden gebracht werden kann. Und das passt in Zeiten der US-Wahl und der Dinge, die zum Beispiel in Ungarn und Polen passieren, ja ganz gut.“

Premiere Nummer drei, „Maier, Wagner, Schmitt - eine Bürokomödie“, steigt am 8. Januar. Mirko Schombert erklärt: „Wir haben eine Bürogemeinschaft und ein Loch, das in der Wand klafft. Es regnet rein, zieht, aber niemand fühlt sich verantwortlich dafür, das Loch zu beheben. Anhand dessen werden all die Absurditäten und Verstrickungen des Büroalltags erzählt.“

„Berlin kann jeder, Dinslaken muss man wollen“, heißt es dann am 5. März in der dann hoffentlich wieder eröffneten Kathrin-Türks-Halle. Geschrieben und inszeniert von Mirko Schombert, geht der Intendant den Fragen nach Urbanität und dem Klein- und Mittelstadtleben im bunten Showgewand auf den Grund.

Im Kinder- und Jugendtheater geht es am 18. September mit dem Ein-Personen-Stück „Von der Schnecke, die wissen wollte, wer ihr Haus geklaut hat“ für Kinder ab vier Jahren los. Wer acht Jahre und älter ist, kommt bei der Uraufführung von „Sommer“ am 13. November auf seine Kosten. „Das Gestz der Schwerkraft“ wendet sich an Jugendliche ab 14 Jahren und startet ab dem 15. Januar, ehe ab dem 8. Mai dann mit „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ ein weiteres Kinderstück aufgeführt wird.