Zum Schulentwicklungsplan für Dinslaken: „Lernfabriken sind keine Alternative“

Zum Schulentwicklungsplan für Dinslaken : „Lernfabriken sind keine Alternative“

Schulentwicklungsforscher Dr. Heinfried Habeck empfiehlt die Friedrich-Althoff-Sekundarschule am Stadtbad zum Schuljahr 2017/2018 auslaufen zu lassen.

Bereits Anfang des Jahres war bekannt, dass die FAS nur knapp die erforderlichen Anmeldezahlen von 60 Kindern für das kommende Schuljahr kommt. Andere Bildungseinrichtungen wie die Ernst-Barlach-Gesamtschule und die Realschule in Hiesfeld hingegen müssen immer wieder Kinder ablehnen, weil die Klassen voll sind.
Die Verwaltung beauftragte Dr. Heinfried Habeck vom Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung, einen ausführlichen Entwicklungsplan für Dinslaken zu erstellen. Dieser sieht in vier Varianten die Schließung des FAS vor. Die Frage ist doch, warum wird die Sekundarschule von den Erziehungsberechtigten gemieden? Ist es so, dass die meisten Eltern davon ausgehen "mein Kind wird einen höheren Abschluss schaffen", auch wenn der Weg dorthin für viele Kinder oft beschwerlich ist?

Vor ein paar Jahren wurde landesweit ein Schulkompromiss gestartet. Dieser hieß Sekundarschule. Die Hauptsäulen stehen für ein längeres gemeinsames Lernen, eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Eltern, dem Kinderschutzbund sowie dem Jugendamt und eine spätere Trennung der Leistungsstärken. Silvio Husung, Schulleiter der Sekundarschule war erschüttert, als er über die Einschätzung von Dr. Habeck unterrichtet wurde. "Mir war nicht bewusst, dass er Gutachter keine Alternative sieht, die Friedrich-Althoff-Sekundarschule zu erhalten".

Doch was passiert in Zukunft mit den Kindern, die im gegliederten System nicht mitkommen und nach der Klasse 6 oder 7 von der Realschule fliegen? In der Sekundarschule werden die "gescheiterten" Kinder aufgenommen und wieder aufgebaut. "Das ist ein großes Stück Arbeit", berichtet Husung. "Jedes Kind hat doch ein Recht auf eine angemessene Schullaufbahn. Wir unterrichten hier auch Kinder die durchaus im Gymnasium mitkommen würden. Die Schüler fühlen sich in unserer Schule sehr wohl und auch die Elternzufriedenheit von 85 Prozent spricht für uns."

Wenn auch in Dinslaken das Modell Sekundarschule scheitert, sind nicht mehr viele Alternativen für "schwächere" Schulkinder da. Und eine 8-zügige Gesamtschule kann keiner wollen. Sogenannte Lernfabriken mit 2.000 Schülern und mehr. "Für die Bildungspolitik in Dinslaken wäre die Schließung der Sekundarschule einen großen Schritt zurück," Fakt ist, teilte der Schulleiter mit, dass die Anmeldezahlen für die fünften Klassen zwar niedrig sind, die "Aussteiger" von der Real- und Gesamtschule ab Klasse 7 aber mehr werden. Wenn die Politik sich für die Schließung der Sekundarschule ausspricht, was passiert dann mit diesen Kindern? In der heutigen Schulausschusssitzung (8. Juni) wird es einiges zu besprechen geben. Hoffentlich werden auch die Eltern gehört. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr im Ratssaal.

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