1. Niederrhein
  2. Kreis Wesel

: Im Zeichen der Stichwahlen

: Im Zeichen der Stichwahlen

Es ist die Zeit der politischen Kopf-an-Kopf-Rennen: In Moers, Rheinberg und Neukirchen-Vluyn müssen die amtierenden Bürgermeister am kommenden Sonntag, 27. September, in die Stichwahl mit ihren Herausforderern. Zusätzlich ist auch das Rennen in Sachen Landrat zwischen Peter Paic (SPD) und Ingo Brohl (CDU) komplett offen.

. Politische Patt-Situationen sind auch immer die Zeit der Hintergrundgespräche, der Hinterzimmergespräche, der politischen und gesellschaftlichen Seilschaften. In diesen spannenden politischen Zeiten sind die Grünen durch ihr erfolgreiches Abschneiden in vielen Kommunen in den Mittelpunkt des Interesses gerutscht. Wer es schafft, sich den heimlichen Sieger der abgelaufenen Kommunalwahl auf die Seite zu holen, wird gute Chancen haben, die Stichwahl, wo es statt der absoluten nur noch um die relative Mehrheit geht, als Sieger zu verlassen. Ingo Brohl (36,4 Prozent) geht mit einem kleinen Vorsprung vor Peter Paic (31 Prozent) ins Rennen um den Posten des Landrats im Kreis Wesel. Die Grünen-Sprecherin im Kreis, Petra Schmidt-Niersmann, machte jedoch bereits direkt nach der Wahl klar, dass ihre Partei keinen der beiden Kandidaten offiziell empfehlen wird.

Christoph Fleischhauer wird sich der Tatsache schon bewusst gewesen sein, dass er trotz Amtsinhaber-Bonus nicht einfach so die absolute Mehrheit einsacken wird. Dazu hat sein politischer Widersacher im Kampf ums oberste Amt der Stadt Moers, MDL Ibrahim Yetim (SPD), einfach ein zu gutes Standing in der Grafenstadt. Am Ende kam Fleischhauer auf 38,42 Prozent der Stimmen, Yetim auf 30,62 Prozent. Zusätzliche Würze erhält die Situation durch die Tatsache, dass die parteilosen Diana Finkele (11,37 Prozent) und Torsten Gerlach, der aus dem Stand beachtliche 10,62 Prozent einsackte, mit ihrer Anhängerschaft diese Stichwahl entscheiden können. Womit wir wieder beim Thema der Seilschaften und Hinterzimmergesprächen wären...

Ähnlich verzwackt ist die Situation in Rheinberg, wo der parteilose Amtsinhaber Frank Tatzel am Wahlabend mit 40,2 Prozent der Stimmen einen Mini-Vorsprung von nur 116 Stimmen vor Herausforderer Dietmar Heyde (39, 4 Prozent, Grüne) erreichte. Während die Rheinberger Christdemokraten Tatzel unterstützen, haben sich die Mitglieder von Linke, Partei und nun auch der SPD zu Heyde bekannt - es könnte also so richtig spannend werden.

Etwas deutlicher scheint die Ausgangslage in Neukirchen-Vluyn, wo Bürgermeister Harald Lenßen (CDU) mit 48,3 Prozent der Stimmen nur knapp an der nötigen absoluten Mehrheit vorbeischrammte. Sein SPD-Herausforderer Ralf Köpke folgt mit Abstand von genau zwölf Prozentpunkten. Es scheint also eine klare Sache zu sein, was aber nur bedingt stimmt, da ja in der Stichwahl nun auch die starken 15,3 Prozentpunkte des grünen Kandidaten Christian Pelikan verteilt werden müssen ...

So spannend es andernorts ist; in Kamp-Lintfort gab es mit Christoph Landscheidt einen deutlichen Sieger, der, getragen von der Zustimmung von 80,4 Prozent der Wahlberechtigten seine fünfte Amtszeit antritt.